Einsatzkräfte und Mitarbeitende der Stadt stellen die neue Respektkampagne vor, die überall zu sehen sein soll. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart/Fabrice Weichelt

Ein Gaffer-Fall aus Bad Cannstatt sorgt für Aufregung. Es gibt aber auch zig Übergriffe auf Einsatzkräfte und städtische Mitarbeitende. Die starten eine Respektkampagne.

Die Polizei, die für Ordnung sorgen soll, ist seit langem schon Zielscheibe für Uneinsichtige. Pöbeleien, Widerstand und gar körperliche Angriffe sind an der Tagesordnung. Doch zunehmend suchen sich Frust und Aggression auch andere Ventile. Feuerwehrleute, die einen Brand löschen wollen. Rettungskräfte, die um ein Leben kämpfen. Mitarbeiter der Abfallwirtschaft, die den Dreck der Stadt entsorgen. Fahrkartenkontrolleure. Beschäftigte auf Ämtern. Menschen, die für die Allgemeinheit arbeiten, in manchen Fällen aber nur als Vertreter der Obrigkeit wahrgenommen werden.

 

In dieser Woche hat ein Fall aus Bad Cannstatt für Aufsehen gesorgt. Dort musste eine Regionalbahn stehen bleiben, weil ein Reisender mutmaßlich einen Herzinfarkt erlitt. Während ein Begleiter und andere Fahrgäste auf dem Bahnsteig Erste Hilfe leisteten und die Rettungskräfte alarmierten, hatten manche nichts besseres zu tun, als das Opfer zu filmen, zu pöbeln und den Einsatz zu stören. Auch das ist inzwischen trauriger Alltag. Doch in manchen Fällen werden die Helfer auch direkt angegangen.

Illustrationen sollen typische Situationen zeigen. Foto: SSB AG

Die Zahlen steigen. In der Kriminalstatistik der Polizei Stuttgart sind beispielsweise im Jahr 2023 Hunderte schwerwiegende Fälle vermerkt. 809 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte mit 337 Verletzten wurden da gemeldet, aber auch 236 Fälle von Gewalt gegen Rettungskräfte mit 111 Verletzten. „Diese Entwicklungen erschweren die Ausübung der wichtigen Tätigkeiten für die Sicherheit und das Gemeinwohl und wirken sich negativ auf die Attraktivität der Berufe aus“, heißt es bei der Stadt.

Deshalb ist jetzt in der ganzen Stadt die zweite Respektkampagne für Einsatzkräfte zu sehen. Die erste begann im März 2022. Auch die jetzige Neuauflage „ richtet sich insbesondere an junge Erwachsene sowie Jugendliche und zeigt anhand illustrativer Motive Situationen aus dem Alltag der Einsatzkräfte und der Kontrolldienste. Personen, die respektloses Verhalten zeigen, sollen damit direkt angesprochen und zur Selbstreflexion angeregt werden“, teilt die Stadt mit.

Mit im Boot sind zahlreiche Partner. Neben der Stadt wirken die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Feuerwehr, Polizei, das Deutsche Rote Kreuz und erstmals die Johanniter mit. Für jeden Beteiligten der Kampagne ist von einer Illustratorin ein eigenes Motiv gestaltet worden, das eine Situation aus dem jeweiligen Arbeitsalltag zeigt.

Die Kampagne soll auffällig im gesamten Stadtbild präsent sein – in den Bahnen und Bussen der SSB, mit unterschiedlichen Motiven im öffentlichen Raum und Postings in den sozialen Medien. Auch in öffentlichen Einrichtungen ist sie sichtbar. Plakate, Faltblätter und Videos sollen zum Einsatz kommen. Zusätzlich zeigt die Website www.ssb-ag.de/respekt die Folgen von respektlosem Verhalten für die betroffenen Frauen und Männer auf. Sie klärt über angemessenes Verhalten im öffentlichen Raum auf und nennt Anlaufstellen und Unterstützungsangebote für Betroffene. In der Hoffnung, dass etwas mehr Respekt entsteht für die Menschen, die jeden Tag für die Allgemeinheit ihren Kopf hinhalten.