Ein ehemaliges EnBW-Gebäude am Eichwiesenring im Fasanenhof soll das neue Domizil für Hunderte Polizisten werden. Nicht jeder hält das für sinnvoll. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Bei der Stuttgarter Polizei stinkt’s. Deshalb müssen 300 Beamte aus dem Areal Pragstraße ausziehen. Der Großteil von ihnen soll in den Fasanenhof. Aber nicht nur sie – und deswegen setzt es jetzt Kritik.

Stuttgart - Der geplante Umzug von mehreren Hundert Polizisten in den Fasanenhof löst weiter Wirbel aus. Jetzt gibt es aus den Reihen der Beamten nicht nur Kritik am Zeitpunkt, sondern auch an der Wahl des Standorts.

Wie berichtet müssen 300 Polizisten ein Gebäude im Areal Pragstraße verlassen. Dort gibt es seit Jahren Beschwerden über stinkende Dämpfe, die sich im Haus verbreiten. In mehreren Gutachten sind zwar laut Polizei keine gesundheitlich bedenklichen Werte festgestellt worden, gleichwohl sind aber verschiedene Büros gesperrt. Schwangere wurden in andere Gebäude versetzt, die ersten 60 Mitarbeiter haben den betroffenen Bau bereits verlassen. Der Rest sollte eigentlich zeitnah folgen und ein bisher leer stehendes Gebäude am Eichwiesenring im Gewerbegebiet Fasanenhof beziehen. Weil sich der Umbau noch bis Sommer hinzieht, gab es bereits Kritik von betroffenen Polizisten. Ihnen fehlt das Verständnis dafür, so lange am belasteten Standort bleiben zu müssen.

Anonymer Brief an OB Kuhn und Abgeordnete

Jetzt weitet sich die Diskussion allerdings aus. In einem anonymen Brief an Oberbürgermeister Fritz Kuhn sowie mehrere Landtagsabgeordnete taucht der Vorwurf auf, das für die Liegenschaften zuständige Land Baden-Württemberg wolle auf Kosten der Polizei und der Bürger sparen. Denn neben der Einsatzhundertschaft, dem Staatsschutz und technischen Einheiten aus dem Pragareal sollen auch Beamte anderer Dienststellen auf den Fasanenhof ziehen. Dazu gehören 40 Mitarbeiter des Dezernats für Wirtschaftskriminalität, das derzeit in der Werastraße beheimatet ist.

„Keiner der dort Beschäftigten kann die Entscheidung nachvollziehen“, heißt es in dem Brief. Statt der Verwaltung würden sensible Arbeitsbereiche an den Rand der Stadt ausgelagert, weil Alternativen in der Innenstadt dem Land zu teuer seien. „In Zukunft bedeutet das für die dort tätigen Beamten Stau und weitere Anfahrtswege, um an Kriminalitätsbrennpunkte, zum zentralen Polizeigewahrsam, zu Gericht oder zur Staatsanwaltschaft zu gelangen“, so die anonymen Verfasser. Wichtige Einheiten der Polizei einer Landeshauptstadt gehörten „zentral und gut erreichbar zu den Menschen“ und nicht in ein zudem „schlecht ausgestattetes“ Gebäude am Stadtrand.

Polizei muss zusammenrücken

Beim Land und der Polizeiführung stößt die Kritik auf wenig Verständnis. Beim Amt Stuttgart des Landesbetriebs Vermögen und Bau betont man, dass eine Konzentration der Dienststellen sinnvoll sei und sich die genaue Zusammensetzung der künftigen Unterbringung an den Wünschen der Polizei orientiere. Zudem handle es sich bei dem Gebäude im Fasanenhof um ein Interimsquartier für einige Jahre, bis klar sei, welche dauerhafte Lösung es für das Pragareal geben werde. Dort könnte auch ein Abriss des gesamten Komplexes samt – allerdings teurem – Neubau eine Möglichkeit sein.

Polizeisprecher Stefan Keilbach räumt ein, dass die Polizei landesweit unter Kostendruck steht. Deshalb müssten Mitarbeiter zusammenrücken. Das Gebäude in der Werastraße stehe schon länger auf dem Prüfstand. „Andere Standorte haben mehr Bezug zu ihrer direkten Umgebung. Und es handelt sich ja um keine Wache“, so Keilbach. Auch in jeder anderen Dienststelle würd es Mitarbeiter geben, die bei einem Umzug weitere Wege hätten. Das Thema sei „vielschichtig“ diskutiert worden.

Von Stadt und Landtag kommt übrigens vorerst keine Unterstützung. Alle Angeschriebenen teilen mit, sich mit einer konkreten Reaktion schwer zu tun, weil die Verfasser des Schreibens anonym sind.

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