Nicht nur Hunde, sondern auch die Halter sollen in den Kursen Spaß haben. Hund und Mensch lernen auch, wie sie sich bei der Begegnung mit Fahrrädern verhalten sollen. Foto: L. Schüler

Wenn Hunde Menschen anfallen, ist das Problem nicht der Hund, sondern dessen Halter, sagt Andreas Rößle vom Verein der Hundefreunde. Er wäre für die Einführung eines Hundeführerscheins, wie es ihn in Niedersachsen gibt.

Echterdingen - Der Bericht unserer Zeitung über die Sorgen einer Mutter, deren Kind an mehreren Tagen auf dem Schulweg von Leinfelden nach Dürrlewang von einem unangeleinten Hund aggressiv angegangen worden war, hat Andreas Rößle nicht mehr losgelassen. Der Vorsitzende des Vereins der Hundefreunde Echterdingen und Umgebung hat sich in unserer Redaktion gemeldet und eingeladen, uns zu zeigen, wie er und die Ausbildungsleiterin Brigitte Kreß mit Herrchen, Frauchen und Hunden arbeiten, damit genau solche Situationen nicht passieren.

Denn dass es immer wieder zu Begebenheiten kommt, in denen Hunde anderen Menschen Angst einjagen, weiß auch der Hundeliebhaber. „Wir streiten nicht ab, dass es solche Situationen draußen gibt, aber man könnte sie größtenteils verhindern“, sagt Rößle. Nämlich dann, wenn sich Hundebesitzer mit ihren Tieren intensiv beschäftigen und sie erziehen. „Das ist Teil der Verantwortung des Hundeführers. Wenn sich ein Hund nicht gut benimmt, hängt das Problem sehr oft hinten an der Leine.“ Er nennt ein Zahlenbeispiel: In L.-E. seien 1200 Hunde steuerlich gemeldet. Sein Verein zähle 130 Mitglieder, von denen 30 aktiv trainieren. Die Hälfte von ihnen kommt aus L.-E.. Auch wenn Rößle weiß, dass manche Hundehalter andere Hundeschulen aufsuchen oder privat mit ihren Tieren trainierten, stellt er fest: „Man sieht die Diskrepanz, wer sich mit seinem Hund beschäftigt.“

Schon Welpen erziehen

Optimal ist es laut Rößle, wenn bereits im Welpenalter mit der Erziehung begonnen wird. Die jungen Hunde werden im Kurs ganz behutsam an neue Situationen gewöhnt, zum Beispiel an die Begegnung mit Radfahrern, Joggern, Kindern, an den Straßenverkehr oder an einen vorbeirollenden Ball. „Wir gehen mit unseren Kursen auch an den Flughafen oder andere belebte Orte, damit sie sich an solche Alltagssituationen gewöhnen“, sagt Rößle. Auch älteren Hunden könne noch gutes Benehmen beigebracht werden. Das gelte auch für Vierbeiner aus dem Tierheim, die zum Teil schwere Schicksale erlebt haben. „Die brauchen vielleicht etwas länger, aber es geht.“ Das bestätigt die Ausbildungsleiterin. Sie hat einen Straßenköter aus Rumänien adoptiert. Inzwischen habe die Hündin dreimal die Gehorsamsprüfung mit „gut“ abgeschlossen.

Allerdings sollten Hundebesitzer wissen: Mit der Erziehung im Welpenalter ist es nicht getan. „Sie müssen ein Hundeleben lang mit dem Hund arbeiten, sonst tanzt er einem irgendwann auf der Nase herum“, sagt Rößle. Was im Verein gelernt werde, müsse zu Hause weiter geübt werden. Manchmal kämen Leute vorbei, die denken, sie könnten den Hund eine Stunde abgeben und ihn dann gut erzogen wieder mitnehmen. Das sei aber falsch. Der Hundehalter müsse selbst mit seinem Tier üben, um ihm zu zeigen, wer der Chef ist und wessen Befehle gelten. Für einen Hund entspreche das der artgerechten Rangordnung innerhalb eines Rudels. Wichtig sei die anschließende Belohnung. „Wenn sich ein Hund gut verhält, muss sich das für ihn lohnen. Er braucht Bestätigung – durch ein Leckerli, Streicheln oder Spielen. Er muss wissen, dass er etwas richtig macht“, sagt Brigitte Kreß.

Welcher Hund passt zu mir?

Wichtig ist Andreas Rößle eines: Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sollte sich schon vorab über rassespezifische Eigenschaften informieren. Ein Border Collie beispielsweise brauche sehr viel Beschäftigung – die muss der Hundehalter leisten können. Auch Größe und Gewicht muss das Herrchen beherrschen können: „Mit einem großen, kräftigen Hund habe ich eine ganz andere Verantwortung als mit einem Dackel oder Pudel.“ Der Verein berate gerne bei der Rasseauswahl. Der Vorsitzende betont aber auch, dass sich trotz allem ehrenamtlichen Engagement der Vereinsmitglieder nicht alle Probleme mit Hunden lösen lassen. „Man kriegt nicht alles hin. Es gibt Macken, die kriegen auch wir mit viel Aufwand nicht weg.“ In solchen Fällen werde an spezialisierte Hundetrainer oder Verhaltenstrainer verwiesen.

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