Auch in der Coronapandemie sollten Spaß und Erziehung beim Hund nicht zu kurz kommen. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Hundeschulen bieten für viele Vierbeiner Erziehung und Spaß zugleich. Aber was tun, wenn der Unterricht wegen der Coronapandemie nur eingeschränkt stattfindet? Zwei Hundetrainer aus Stuttgart geben Tipps, worauf man in diesen Zeiten achten sollte.

Stuttgart - Für viele Hundebesitzer ist sie eine wichtige Anlaufstelle: die Hundeschule. Dort erhalten Herrchen und Frauchen nicht nur Hilfe bei der Erziehung ihres Vierbeiners oder beim Umsetzen von Kommandos. Die Hunde knüpfen in der Hundeschule auch soziale Kontakte und bekommen Abwechslung geboten. In der Coronapandemie läuft dort allerdings nicht mehr alles so ab wie gewohnt.

Laut dem baden-württembergischen Sozialministerium fallen gewerbliche Hundeschulen sowohl in Bezug auf Einzel- als auch Gruppenunterricht in der Coronaverordnung unter das Dienstleistungsgewerbe. Dadurch können sie eigentlich unabhängig von der Inzidenz mit einem Hygienekonzept und unter einigen Auflagen geöffnet sein. Allerdings schränken dennoch manche Hundeschulen aus der Region ihren Betrieb ein. Stephanie Weier von „Köterliebe Stuttgart“ führt mittlerweile hauptsächlich Einzeltrainings durch, nur für Welpen und Junghunde bietet sie Gruppenstunden an. „Sie benötigen andere Hunde zum Lernen“, erläutert sie.

So kann man seinen Vierbeiner beschäftigen

Obwohl der Unterricht und beispielsweise auch der Hundesport momentan eingeschränkt stattfinden, gibt es laut ihr aber genug Möglichkeiten, um den Hund zu beschäftigen und zu fordern. „Hunde brauchen gar nicht viel“, erklärt Weier. „Es reicht, mit ihnen spazieren zu gehen oder sich einfach hinzusetzen und mit dem Hund zu beschäftigen.“ Wenn man einen jungen Hund besitzt, rät sie, sich mit dessen „Hundefreunden“ zu verabreden. So habe der Vierbeiner auch sozialen Kontakt. Ansonsten kann man laut der Trainerin mit einem gesunden Hund auch einfach Joggen gehen, Fahrrad fahren oder kleine Schnüffelspiele durchführen.

Auch Ingo Hampf von der Hundeschule „Kesselschnauzen“ bestätigt, dass Bewegung den Hunden gut tut. Man könne beispielsweise verschiedene Aufgaben beim Spaziergang integrieren, um den Hund auszulasten, oder ihn apportieren lassen. Von Ballwurf-Spielen rät er jedoch ab. „Da lernt der Hund, unkontrolliert hinterherzuhetzen“, erläutert der Hundeerzieher. Auch ein ausgewogenes Verhältnis von geistiger und körperlicher Auslastung sei wichtig. Dafür eignen sich laut Hampf beispielsweise Geruchs- und Suchspiele gut.

Homeoffice als Vorteil bei der Welpenerziehung

Die Hundeschule Kesselschnauzen bietet aktuell nur Einzelstunden an – Ingo Hampf betrachtet dies jedoch nicht unbedingt als Nachteil. „Im Einzeltraining kann man Hund und Herrchen individuell fördern“, erläutert er. Generell gebe es auch Vorteile in der aktuellen Situation. „Durch das Homeoffice ist man flexibler darin, mit dem Hund zu trainieren.“ Das sei auch bei der Erziehung von Welpen gut. Diese müssen in ihren ersten sechzehn Wochen viel lernen: Denn die Zeitspanne gilt als Hauptprägungsphase. „Man sollte einen Plan entwickeln: Was soll der Hund in dieser Zeit erleben?“, so Hampf. Beispielsweise sei es gut, wenn der Welpe verschiedene Untergründe kennenlernt oder mit Bus und Bahn fährt. Auch in Corona-Zeiten empfiehlt Hampf, bei der Grunderziehung eines Welpen in Kontakt mit einer Hundeschule zu treten und Einzelstunden zu nehmen.

Stephanie Weier sieht allerdings auch Nachteile darin, dass viele Herrchen aktuell im Homeoffice und damit fast immer bei ihrem Hund sind. „Gerade Junghunde, die während Corona angeschafft wurden, bleiben momentan nicht alleine“, schildert sie. „Wenn der Menschen dann aber einmal weg ist, kann das sehr problematisch sein.“ Deswegen sei es wichtig, sich im Alltag auch einmal vom Hund abzugrenzen. „Er soll wissen, dass er nicht immer im Mittelpunkt steht“, erläutert Weier. „Man kann eine Zeit im Tag einbauen, in der der Hund mal keinen Ansprechpartner hat und nur ruhig im Bettchen liegt.“ Denn wenn das Homeoffice einmal vorbei ist, muss der Hund alleine sein können – und auf diese Weise kann man laut Stephanie Weier im kleinen Rahmen anfangen, das zu üben. Wie genau man vorgeht, hänge aber immer vom jeweiligen Hund ab.

Training zum Alleinbleiben ist in der Pandemie wichtig

Auch Ingo Hampf von der Hundeschule Kesselschnauzen betont: „Während Corona ist es wichtig, ein gutes Alleinbleibtraining zu machen.“ Der Hund müsse ein Vertrauensverhältnis zum Menschen aufbauen. „Er muss lernen, dass der Besitzer wiederkommt“, so der Hundeerzieher. Das könne man üben, indem man zur Haustür hinausgeht, nach einer Zeit wiederkommt und den Hund gegebenenfalls belohnt. Dabei sollte das Training schrittweise aufgebaut werden: Erst verlässt man nur kurz das Haus, die Zeit wird dann kontinuierlich stückchenweise verlängert. Außerdem dürfe die Verabschiedung vom Hund und die Begrüßung nicht zu überschwänglich ausfallen. Zusätzlich kann laut Hampf eine Hundebox zum Einsatz kommen: „Eine gut auftrainierte Box als sicherer Rückzugsort, die positiv verknüpft ist und in die der Hund nie eingesperrt wird, kann das Alleinebleibtraining unterstützen.“

Hampf hat außerdem einen Rat an alle, die in der Coronapandemie mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen: „Man muss sich Gedanken machen, wie es nach Corona weitergeht.“ Die Entscheidung für einen Hund sollte nicht spontan getroffen werden, erklärt der Hundeerzieher. „Es ist wichtig, sich zu überlegen, ob man dem Hund nach der Pandemie auch noch das bieten kann, was er braucht.“

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