Mit einem solchen Hund der Rasse Basset namens Betsy ist eine junge Frau vor vielen Jahren für Theodor Alfred Dessecker in Schönberg Gassi gegangen – nun sucht er sie. Foto: AP

Der 82-jährige Theodor Alfred Dessecker möchte die Frau finden, die einst seinen Hund ausgeführt hat. Er habe sich nie richtig erkenntlich gezeigt und möchte das nun nachholen.

Schönberg - Manchmal fördert eine Rückschau auf das eigene Leben Unerwartetes zu Tage. So ist es auch bei Theodor Alfred Dessecker. Der alte Mann lebt in einem Pflegeheim in Kraichtal in der Nähe von Karlsruhe. Und in den vergangenen Monaten ist eine Erkenntnis in ihm gereift. In seiner trockenen Art formuliert es der rüstige Rentner so: „Im hohen Alter von 82 Jahren, also kurz bevor ich die Radieschen von unten anschaue, plagt mich mein Gewissen.“

Und zwar deshalb, weil Theodor Alfred Dessecker jemanden sucht, dem er einen Dank schuldig geblieben ist. Denn vor etwa 30 Jahren – es mag auch länger her sein – hat Dessecker am Steinpilzweg in Schönberg gelebt. Und das nicht allein. „Ich hatte einen wunderschönen, dreifarbigen Basset namens Betsy“, sagt er. Das Tier, sagt er, sei im Flecken im wahrsten Sinne des Wortes bekannt gewesen wie ein bunter Hund, „ebenso wie sein Herrchen“, fügt Dessecker verschmitzt hinzu. Doch weil besagtes Herrchen technische Werbung für große Unternehmen machte und deswegen viel unterwegs war, blieb wenig Zeit, sich um Betsy zu kümmern.

Die junge Frau trug in seiner Erinnerung den Vornamen Martina

Das übernahm eines Tages ein junges Mädchen aus der Nachbarschaft. Auf 14 oder 15 Jahre schätzt Dessecker jene junge Frau, die in seiner Erinnerung den Vornamen Martina trug. „Das Mädchen war immer pünktlich wie die Feuerwehr. Sie holte den Hund ab, ging mit ihm spazieren und brachte ihm sehr viel bei“, erzählt Dessecker. Nach einigen Monaten habe er plötzlich einen wohl erzogenen Basset gehabt – „und das, wo Betsy vorher nicht mal ‚Sitz‘ oder ‚Platz‘ gemacht hat.“

All das hat das Mädchen unentgeltlich getan, berichtet Dessecker. Und genau deshalb hat der alte Herr nun Gewissensbisse. „Ich habe mich nie so recht erkenntlich gezeigt“, sagt er, „das würde ich gerne nachholen.“ Darum hat er sich nun auf die Suche nach seiner ehemaligen Nachbarin gemacht, die sich damals so nett um seinen Hund kümmerte. Er hat sich in der Angelegenheit zunächst ans Bezirksamt in Plieningen gewandt.

Rund zwei Jahre lang hat die Freundschaft gehalten

Das wiederum hat unsere Zeitung um Hilfe gebeten. „Wir würden Herrn Dessecker gerne behilflich sein, die Frau zu finden, damit er ihr seinen Dank sagen kann“, sagt Lena Hauser, die im Bezirksamt ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Theodor Alfred Dessecker kann sich allerdings nur an wenige Details erinnern. Die könnten trotzdem helfen bei der Suche nach der Unbekannten. Die habe seinerzeit in einem kleinen Haus am Röhrlingweg, direkt bei der Kirche gewohnt. In welchem Haus am Steinpilzweg er selbst genau wohnte, vermag Dessecker nicht mehr zu sagen. „Nebenan hat aber eine wohlhabende Familie mit Pferden gelebt“, berichtet er.

Rund zwei Jahre lang hat die Freundschaft zwischen dem Mädchen und der Hundedame gehalten, dann zog Dessecker aus Schönberg weg. Richtig verabschiedet hat er sich nie von der Ausführerin seines Haustieres, „und ich weiß gar nicht, warum“, sagt er. Übrigens lebte sein Hund danach nur noch wenige Monate. Allerdings führt Dessecker den Tod seiner Betsy nicht auf die Trennung von ihrem geliebten Ersatzfrauchen zurück.

Die Geschichte hat ihn trotzdem bis heute nicht losgelassen. Und wenn er es schaffen würde, mit der längst erwachsenen Frau namens Martina, die inzwischen mindestens Mitte 40 sein müsste, noch einmal ein paar Worte zu wechseln, „würde mich das sehr glücklich machen“.

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