Jessica Wanke (blaue Shorts) zeigt Gabriele Baier Tricks im Umgang. Foto: Caroline Holowiecki

Immer wieder gibt es Ärger zwischen Menschen und Hunden. Viele Situationen wären wohl vermeidbar, wenn Halter und ihre Tiere besser eingespielt wären. Genau darum geht es bei Kursen der Hundesportfreunde auf den Fildern.

Filder - Ella will nicht. Die Leckerlis von Frauchen Gabriele Baier lassen den Wuschel kalt, und auch mit Spielzeugen kann man sein Interesse nicht wecken. Erst als die Hundetrainerin Jessica Wanke ihre Spezialwaffe holt – ein für Menschen unappetitlich aussehendes Nassfutter –, lässt sich die „griechische Lady“ bewegen und trottet mit der Hundehalterin aus Stuttgart-Süd aufmerksam in die gewünschte Richtung. Aufgabe Nummer eins ist damit bewältigt: folgen.

Am Samstagvormittag ist auf dem Gelände der Hundesportfreunde Degerloch in Heumaden der Nachwuchs dran. Beim Verein gibt es vier Welpen- und Junghundegruppen, je nach Alter und Größe. In der höchsten Gruppe, bei den Junghunden II, legen die Halter mit ihren Tieren die Begleithundeprüfung ab. An diesem Morgen, bei den Welpen I, sind auf dem Gelände aber erst mal die Grundlagen dran. Die Minis lernen die Grundkommandos – bei Fuß, Platz, bleib – und die Rückkehr auf Abruf, außerdem den Umgang mit Lärm, mit Radfahrern oder Leuten, die vorbeirennen. Die Trainerin Sibylle Gückel nähert sich den Welpen mit Klatschen und Rasseln, Jessica Wanke, im Verein die Übungsleiterin Welpen und Junghunde, hat eine Glocke und eine Rätsche dabei.

Hunde sollten von Anfang an Regel lernen

Dass schon Welpen folgen und sozialisiert werden, ist Jessica Wanke und Andrea Medinger, der Vereinsvorsitzenden, ein Anliegen. „Man darf nicht vergessen: Auch ein kleiner Hund ist ein Hund“, mahnt Jessica Wanke, und Andrea Medinger findet: „Welpen I ist der wichtigste Part.“ Wer sich für einen Hund entscheide, entscheide sich auch für die Verantwortung, gerade bei Welpen könne man den natürlichen Folgetrieb ausnutzen, um sie spielerisch zu trainieren. „Wenn der Hund von Anfang an gelernt hat zu lernen, lernt er leichter“, betont Jessica Wanke.

Was passieren kann, wenn sich die Zwei- ihren Vierbeinern zu wenig, falsch oder gar nicht widmen, sieht man allzu häufig. Mitte Juni in Leimen: Zwei junge American-Stafford-Mischlinge ohne Leine attackieren einen jungen Radler und verletzen ihn schwer. Mitte Mai im Enzkreis: Drei Hunde springen aus dem Kofferraum und beißen Kinder. Laut dem Innenministerium hat es 2018 im Land 1397 Vorfälle mit Hunden gegeben. Zum Vergleich: 2014 und 2015 waren es je noch rund 180 Zwischenfälle weniger gewesen.

Immer wieder kam auch sie in brenzlige Situationen

Andrea Medinger hat für so etwas kein Verständnis. Ein Hund muss parieren, stellt sie klar, „oft ist das größte Problem der Hundebesitzer, leider“. Auch sie kenne brenzlige Situationen. Immer wieder komme es etwa vor, dass sie mit ihren drei eigenen Hunden der Rasse Berger des Pyrénées bedrängt werde – von freilaufenden Hunden, die nicht akzeptierten, dass ihr Trio nicht spielen wolle, sich aber auch nicht zurückpfeifen ließen. Umso wichtiger sei es, Hund und Halter früh auszubilden. Viele kämen erst in Kurse, wenn die Probleme schon da seien, doch „bei einem 30, 40 Kilo schweren Hund ist es schwer, mit der Leinenführigkeit zu beginnen“, mahnt Wanke. Idealerweise sollten sich Hundefans noch vor der Anschaffung informieren. Welche Rasse hat welche Eigenschaften, was passt zu meinem Alltag? Auch ein geistig und körperlich nicht ausgelasteter Hund könne Schwierigkeiten machen, „dann hütet der Border Collie fallende Blätter oder Fahrradfahrer“.

Michael Fink und seine Tochter Nele sind zum ersten Mal im Welpenkurs. Mit dabei: die zehn Wochen alte Paula, ein Labrador-Energiebündel. „Für uns ist es der erste Hund, wir wollen keine elementaren Fehler machen“, sagt der Filderstädter, zudem sei ihm wichtig, eine gute Bindung aufzubauen und Sicherheit im Umgang zu erlangen. Das ist laut Jessica Wanke entscheidend. „Das Wichtigste ist, den Hund lesen zu können.“ Nicht selten passierten Unfälle, weil die Signale falsch oder gar nicht gedeutet würden. Aber auch ein Welpenkurs allein ist keine Garantie dafür, dass aus einem Wildfang ein Traumhund wird, stellt die Vereinschefin der Hundesportfreunde klar, „das alles muss im täglichen Training stattfinden“.

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