Mehrere Köder mit Gift wurden auf dem Hoppenlaufriedhof gefunden. Der historische Friedhof wird seit 1961 als Parkanlage genutzt. Foto:  

Ein Mann findet Giftköder auf dem Stuttgarter Hoppenlaufriedhof. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt. Doch es gibt auch Kritik an den Hundehaltern.

S-Mitte - Goldie sei ein echter Staubsauger, meint die Hundebesitzern Sieglinde Auracher. Der Golden Retriever schnappe gerne nach allem, was auf dem Boden herumliegt, erzählt sie. „Sie schluckt die Sachen dann schnell runter, weil sie weiß, dass ich sie ihr sonst wegnehme“, sagt Auracher.

Als ein Bekannter ihr jüngst Fotos von Giftködern geschickt hat, die er auf dem Hoppenlaufriedhof gefunden hat, sei sie ordentlich erschrocken, sagt sie. Denn genau dort gehe sie gerne mit der neugierigen Goldie spazieren, meint Auracher. Dass es Menschen gibt, die Hunde nicht mögen und sie sogar vergiften wollen, wisse jeder Hundehalter, meint Auracher. „Aber es geht ja nicht nur um Hunde, auch Eichhörnchen oder Katzen könnten die Köder schlucken und sterben. Ich weiß nicht, was in solchen Leuten vorgeht“, sagt die Hundebesitzern.

Polizei ermittelt gegen Täter

Auch die Polizei wurde inzwischen auf die Giftköder aufmerksam gemacht. Laut einer Sprecherin der Stadt wurden sieben Köder gefunden und entfernt. Es werde nun gegen Unbekannt ermittelt, erklärt sie weiter. Hundehalter würden durch handschriftliche Schilder darauf hingewiesen, dass jemand auf dem Gelände des Friedhofs Hunde vergiften wollte, meint die Sprecherin der Stadt.

Fälle von Köderfunden oder Hundevergiftungen gab es laut einer Liste polizeilich registrierter Funde zuletzt im vergangenen Jahr im Stuttgarter Westen und 2017 im Osten. Ein Köder, der im März 2017 auf der Waldebene Ost gefunden wurde, war nicht mit Gift, sondern mit einem Zahnstocher und Geldstücken präpariert. Diese können beim Verschlucken innere Verletzungen auslösen. Weitaus häufiger als in Stuttgart werden Köder laut der Statistik allerdings in den umliegenden Gemeinden der Polizei angezeigt.

Hunde sind verboten

Eigentlich sind Hunde auf Stuttgarter Friedhöfen nicht gestattet. Die städtische Friedhofsordnung verbietet Hundehaltern ihre Tiere bei einem Besuch der Gräber mitzubringen. Nur Assistenzhunde etwa für Blinde oder Sehbehinderte würden auf Friedhöfen geduldet, heißt es in der Friedhofssatzung der Stadt.

Der 1626 als Spitalfriedhof angelegte Hoppenlaufriedhof wurde 1961 anlässlich der Bundesgartenschau allerdings in eine Parkanlage umgewandelt. Seit 2014 werden über 1600 Grabsteine restauriert. Sie sind zum Teil in einem schlechtem Zustand. Für Sieglinde Auracher ist deshalb klar, dass sie mit Goldie auf dem Gelände Gassi gehen darf. „Das ist doch kein Friedhof, sondern ein Park“, sagt sie.

Friedhof ist Ausnahme

Laut Verwaltung hat sie mit ihrer Annahme recht. Denn laut Stadt gilt die Friedhofssatzung nicht mehr für den Hoppenlaufriedhof. Er sei kein Bestattungsfriedhof mehr, erklärt die Verwaltung. Hundebesitzer müssten lediglich die Leinenpflicht beachten. Ansonsten sei das Betreten des Geländes mit Hunden erlaubt, heißt es weiter.

Jüdische Friedhöfe sind abgeschlossen

Laut der Hundehalterin Sieglinde Auracher fand ihr Bekannter einen Köder auf dem jüdischen Teil des Friedhofs. Lars Neuberger, Sprecher der IRGW, zeigt sich ratlos. Denn eigentlich seien jüdische Friedhöfe in der Regel abgeschlossen. Sowohl Hundehalter als auch als Menschen, die Giftköder streuen, können sie eigentlich nicht betreten, ohne einen Schlüssel bei der Friedhofsverwaltung abzuholen.

Neuberger vermutet, dass es sich auf dem Hoppenlaufriedhof anders verhält, weil er eben schon lange als eine Art Stadtpark genutzt wird. „Bislang ist das Problem nicht aufgetreten“, meint er.

Der IRGW-Sprecher gibt zu bedenken, dass es sich auch bei einem historischen Gräberfeld um eine Ruhestätte für Tote handelt. „Hunde haben eigentlich auf einem Friedhof nichts zu suchen“, findet Neuberger.

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