Katja Anger geht regelmäßig mit Mio Gassi. Wegen seiner O-Beine kann der Hund aber keine langen Strecken zurücklegen. Foto: Jana Hoger

Das Ludwigsburger Tierheim beherbergt einen Hund, der ein grausames Schicksal hinter sich hat. Mit seiner Krankenakte ist er schwer zu vermitteln. Dabei hat er viel zu geben.

Mit wem auch immer man über Mio spricht: Alle geraten ins Schwärmen, beschreiben den Rüden mit dem braun-weißen Fell als ausgesprochen lieb und extrem anhänglich. Und doch sucht das Ludwigsburger Tierheim für den Jagdhund bereits seit Monaten vergeblich ein neues Zuhause. Der Deutsch Kurzhaar muss in seiner früheren Heimat in Rumänien ein schlimmes Schicksal durchlebt haben, hat deshalb eine dicke Krankenakte. Nur mühsam kann er sich mit seinen dünnen O-Beinchen fortbewegen. Ein Paket, das offenbar potenzielle Interessenten abschreckt.

 

„Er ist wohl misshandelt worden. Auf seine Vorderbeine muss Gewalt ausgeübt worden sein“, erklärt Jana Hoger von der Tierschutzorganisation Peta. Ob Mio in einen Unfall verwickelt war oder ihm ein Mensch die Läufe durchgeschlagen oder -getreten hat, könne man nicht mit Gewissheit sagen, ergänzt Ursula Gericke, die Leiterin des Ludwigsburger Tierheims. „Tatsache ist, dass alte Brüche in beiden Beinen nachzuweisen sind, die von einer massiven Gewalteinwirkung herrühren müssen“, konstatiert sie. Mio leide nun unter Arthrose und habe Probleme mit den Knochen. „Ich weiß nicht, wie er das überhaupt überleben konnte“, wundert sich Gericke noch heute.

Hund war bis auf die Knochen abgemagert

Zumal dem Hund nicht nur die Brüche zusetzten. „Als wir Mio in Rumänien bei seinen damaligen Besitzern abgeholt haben, war sein Gesundheitszustand katastrophal. Er war abgemagert bis auf die Knochen“, sagt Jana Hoger. Ihre Organisation sei auf eine Anzeige hin aktiv geworden. Peta habe dabei noch einen zweiten Deutsch Kurzhaar gerettet und in Sicherheit gebracht. Noch in Rumänien sei Mio von einem Tierarzt erstversorgt, geimpft und mit einem Mikrochip versehen worden.

Mio gilt als treue Seele, schmust auch gerne. Foto: Werner Kuhnle

Nach mehreren Wochen in der Quarantäne und nachdem alle erforderlichen Dokumente vorlagen, durfte der Hund nach Deutschland gebracht werden. Peta klopfte bei Ursula Gericke in Ludwigsburg an, ob das Tierheim dort ein Plätzchen für den Vierbeiner habe. Die Leiterin der Einrichtung am Kugelberg gab grünes Licht. Seit Januar wird Mio dort nun schon beherbergt – ohne dass er vermittelt werden konnte.

Dabei könnten theoretisch auch Anfänger den treuen Hund in ihre Obhut nehmen. „Man müsste sich nur im Vorfeld beraten lassen. Zudem sollte man ein paar Mal vorbeikommen, um Mio kennenzulernen. Aber das sollte man grundsätzlich so handhaben, bevor man sich ein Tier zulegt“, erklärt Ursula Gericke.

Nase muss beschäftigt werden

Die Leiterin des Tierheims macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass Mio als Jagdhund ein besonderes Profil hat. Man müsse seine Nase beschäftigen, um seinen angezüchteten Trieb auf spielerische Art zu befriedigen. Zudem brauche man einen Garten, wo er diesen Drang ausleben könne. Ebenerdig müsse die Wohnung oder das Haus wegen seines Handicaps mit den Beinen ebenfalls sein. Mit kleineren Tieren zusammen solle man ihn auch nicht halten, weil dann wieder seine Natur als Jagdhund durchbrechen könnte. Und ja, es sei nicht ganz billig, Mio zu versorgen, weil er eine Reihe von Medikamenten benötige. „Aber notfalls würden wir die tierärztliche Seite übernehmen“, sagt Ursula Gericke.

Die Tierheimleiterin Ursula Gericke legt Interessenten dringend ans Herz, ein Tier kennenzulernen, bevor man es mit nach Hause nimmt. Foto: Werner Kuhnle

Sie weist darauf hin, dass der Hund wegen seiner Vorgeschichte wahrscheinlich nicht sehr alt wird. Und wenn sein Leid zu groß würde, müsste man ihn davon erlösen. Offiziell ist Mio sechs Jahre alt. Gericke schätzt aber, dass er in Wahrheit schon das eine oder andere Jährchen mehr auf dem Buckel hat.

Obwohl er also nach Hunde-Maßstäben nicht mehr der Allerjüngste ist, „bindet er sich supergut an Menschen“, beteuert Jana Hoger, Stellvertretende Projektleiterin der Peta-Rumänienhilfe. Das würde Katja Anger wahrscheinlich sofort unterschreiben. Sie geht öfter mit Mio Gassi und schmust dann noch eine Runde mit ihm. Und sie würde ihn auch liebend gerne mit nach Hause nehmen, hat aber leider keine Zeit dafür.

So heißt es weiter warten für Mio, dass ihn trotz seines Schicksals, für das er nichts kann, ein Herrchen oder Frauchen bei sich aufnimmt. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten finden sich online unter www.tierheim-lb.de.