Tick, tack. Wartet man, vergeht die Zeit langsam. Foto: Rodenhausen

Der Steinenbronner Gemeinderat konnte bei seiner jüngsten Sitzung nicht pünktlich tagen, weil zu wenig Mitglieder anwesend waren. Dann ging plötzlich alles ganz schnell.

Der Gemeinderat heißt vielleicht so, weil er mitunter gemein sein kann. Zumindest dann, wenn die Erwartung an eine Sitzung und deren tatsächlicher Ablauf eine Diskrepanz aufweisen. So geschehen am Dienstag bei der Gemein-deratssitzung in Steinenbronn, die erst mit 30-minütiger Verspätung begann und nach dieser mühsamen Wartezeit nur zehn Minuten dauerte.

 

Was war da los? Dass der Rat erst verspätet starten konnte, lag daran, dass mit nur sieben anwesenden Gemeinderäten – das Gremium umfasst in Vollbesetzung 14 Köpfe – keine Beschlussfähigkeit vorlag. Es brauchte acht an der Zahl, also ein weiteres Mitglied, um mit der Tagesordnung beginnen zu können. Und so saß das überschaubare Grüpplein zusammen und wartete. Und wartete. Von einzelnen Gemeinderäten lagen dem Bürgermeister Ronny Habakuk Entschuldigungen vor, von anderen wusste niemand um den Verbleib.

„Bin auf dem Weg“

Also wurde zum Handy gegriffen und in die Fraktionsgruppenchats geschrieben, wo die Kollegen denn blieben und ob mit ihnen noch zu rechnen sei. „Bin auf dem Weg“, wurde die Antwort des CDU-Ratsmitglieds Miller im Saal verlesen. Von wo dieser sich auf den Weg machte und wie lange das dauern könnte, blieb offen. „Der kommt mit dem ÖPNV“, murmelte ein anderes Ratsmitglied, was ernüchtertes Raunen im Saal auslöste.

Ein entspanntes Verhältnis zur Situation hatte Astrid Hagen (Freie Wähler), die schulterzuckend meinte: „Ich hab Zeit.“ Und sie erinnerte daran, dass die Sitzung um 18 Uhr ja ausnahmsweise besonders früh beginne. Da könne man ja schon mal durcheinander kommen.

Die anwesenden Zuhörer nahmen die Warterei ebenfalls gelassen – zumindest äußerlich. Die Gedanken sind ja schließlich frei. Vielleicht ging manch einer im Geiste durch, wie er die Zeit zuhause sinnvoll hätte nutzen können, zum Beispiel mit Spülmaschine ausräumen, Wäsche aufhängen oder Laub fegen.

Erst essen, dann Politik

Dann griff die Freie-Wähler-Rätin Ingrid Brauner zum Hörer und rief den fehlenden CDU-Gemeinderat Marco Wisslicen an – auf Lautsprecher für alle zum Mithören, weil das gut gegen Langeweile hilft. „Kommst du? Wir sind nicht beschlussfähig, das gibt kein gutes Bild ab“, drängte sie. Wisslicen antwortete, soeben zuhause durch die Tür getreten zu sein, kurz noch etwas essen zu müssen und dann flugs in Rathaus zu eilen. Er sei nicht früher aus der Klinik gekommen. Der Bürgermeister merkte an, gegessen werden könne auch vor Ort. Er betonte aber, Verständnis für jeden chronisch überarbeiteten Klinikmitarbeiter zu haben.

Und so wurde weiter gewartet, bis schließlich Wisslicen als achtes Ratsmitglied eintraf und die Sitzung beginnen konnte. Heureka! Aber statt hitziger Diskussionen und erhellender Erläuterungen wurden die Tagesordnungspunkte maximal schnell und ohne Widersprüche abgehandelt. Und so war die öffentliche Sitzung um 18.40 Uhr auch schon wieder vorbei und die Tür schloss sich hinter den Besuchern für den nicht-öffentlichen Teil. Ob der hitzig verlief und stundenlang diskutiert wurde, ist nicht bekannt. Die Zuhörer hatten an jenem Abend jedenfalls noch genug Zeit – zum Spülmaschine ausräumen, Wäsche aufhängen oder Laub fegen.