In fast jedem Auto bimmeln heutzutage die Abstandswarner – Schulterblick und Co. sind nicht mehr notwendig. Oder doch? Unsere Autorin hat eine Szene beobachten, die nachdenklich macht.
Immer mehr Aspekte des Alltags überlassen wir der Technik. ChatGPT beispielsweise schreibt E-Mails und Hausarbeiten und beantwortet sogar intime medizinische Fragen. Ebenso sieht es im Straßenverkehr aus, wo offenbar sowohl Autofahrende als auf Fußgängerinnen und Fußgänger den mittlerweile in vielen Autos verbauten Abstandssensoren blind zu vertrauen scheinen.
Diese Abstandsmesser warnen den Autofahrer, wenn sein Fahrzeug einem Hindernis zu nahe kommt. Viele von ihnen haben sich schon so sehr an dieses Assistenzsystem gewöhnt, dass sie beim Rangieren nicht mal mehr über die Schulter gucken. Eine beunruhigende Entwicklung. Aber auch Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, verlassen sich augenscheinlich sehr auf die piepsenden Sensoren. So laufen sie mitunter munter auch hinter Autos entlang, die beispielsweise gerade auf einem Parkplatz rangieren – der Sensor wirds schon merken.
Blindes Vertrauen ...
... auf beiden Seiten
Eine gefährliche Situation ergab sich dabei kürzlich in Dagersheim. Dort war ein Autofahrer gerade dabei, parallel in einen Parkplatz vor einer Bäckerei einzuparken. Eine Frau begann zeitgleich, die dortige Hauptstraße zu Fuß zu überqueren. Ihr Weg führte sie dabei direkt hinter dem gerade rangierenden Auto entlang. Ein anderer Autofahrer bemerkte dies und begann warnend zu hupen. Mit dem Ausruf: „Ja, ich hab’s gesehen!“, eilte sie einfach weiter. Auf dem Fußweg angekommen, winkte sie dem Fahrer des inzwischen eingeparkten Autos fröhlich zu und versicherte ihm, sie habe ihn gesehen, alles sei gut. Dann entschwand sie in die Bäckerei.
Auch der Fahrer des Autos und seine Gattin stiegen kurz darauf aus. Letztere sagte daraufhin zu ihrem Mann: „Warum hat dein Auto denn nichts gesagt?“