Der schwäbische Humorist Winfried Wagner, der im April 2019 70 Jahre alt wird, tritt von der Bühne für immer ab. Foto: Lichtgut/Kovalenk

Aufhören, wenn’s am schönsten ist: In der Nacht vor Heiligabend will Schwabenstar Winfried Wagner für immer von der Bühne treten. Abschied feiert der 69-Jährige im Renitenz-Theater in Stuttgart.

Stuttgart - Der Mann hat, keine Frage, Format. Allerdings ist er vielleicht etwas zu klein gewachsen für sein Gewicht. „Man sieht es mir nicht an“, pflegt Winfried Wagner zu sagen, „aber ich ess’ gern.“

Soll keiner mehr sagen, Schwaben könnten nicht aus sich raus und es nicht so zeigen, wenn sie genießen! Der 69-jährige Schauspieler, Mundartautor und Humorist bringt deutlich erkennbar etliche Kilos an Lebensfreude auf die Waage. Und weil er sein Dasein weiterhin genießen will, haben er und seine Frau beschlossen, künftig nicht mehr für Gastspiele durchs Land zu stressen, sondern sich mal freie Wochenenden zu gönnen.

„Der Winfried ist ein Volksschauspieler im besten Sinn“

Am Sonntag verlässt ein Großer der schwäbischen Unterhaltung das Podium. Mensch, Wagner, des isch schade fürs Publikum, abr schee für Sui!

Schreiben will der frühere Abteilungsleiter einer Bank in Metzingen weiterhin und als Schauspieler vor der Kamera stehen, vielleicht im April erneut fürs Kino in seiner Paraderolle als schwäbischer Bäckermeister Walter Laible. Auf die Bühne jedoch steigt er nur noch ein einziges Mal. „Das Beschde aus 40 Johr schwäbischer Humor von und mit Winfried Wagner“ heißt sein Programm im Renitenz zum Abschied.

Wenn der Herr Humorist dachte, er kommt ganz allein aus dieser Nummer, hat er sich natürlich getäuscht. Vor und nach seinem allerletzten Auftritt wird es Reden geben. Vorneweg spricht Sebastian Weingarten. Der Intendant des Renitenz-Theaters beschreibt den scheidenden Bühnenkünstler so: „Der Winfried ist ein Kumpel, ein Volksschauspieler im besten Sinn, einer von uns allen, immer sehr nah an den Menschen dran.“

„Laible und Frisch“ kommt am 1. Januar um 16.45 Uhr im Südwest-Fernsehen

Das letzte Wort am Sonntag gehört Frieder Scheiffele. Der Produzent von „Laible und Frisch“ findet es zwar ­schade, dass sich Winfried Wagner auf der Bühne verabschiedet, kann es aber auch verstehen. „Es ist gut aufzuhören, wenn man noch relativ fit ist“, sagt er. Für ­weitere Theaterproduktionen der Bäcker-Saga bedeute dies, dass die Rolle des ­Laible nicht mehr besetzt wird. „Bei uns werden Stammschauspieler nicht durch neue Gesichter ersetzt“, so Scheiffele.

Am 5. Juli 2019 feiert ein neues Stück bei den Burgfestspielen Jagsthausen Uraufführung. Titel: „Laible und Frisch – urlaubsreif“. Die Handlung: Marga Laib­le alias Ulrike Barthruff hat beim Kreuzworträtsel ein Wochenende im Luxus- Burghotel gewonnen. Als Begleitung nimmt sie ihre beste Freundin alias Monika Hirschle mit. Unverhofft treffen sie dort auf den Erzrivalen Manfred Frisch alias Simon Licht, der inkognito einen ungestörten Kurzurlaub mit seiner geheimen Affäre verbringen will. Dessen Widersacher Walter Laible wird also nicht mehr selbst auf der Bühne stehen – aber bestimmt ein Thema für alle drei sein.

Produzent Scheiffele ist ein Fan von Winfried Wagner, weil dieser „immer verlässlich“ ist, „man mit ihm schlemmen kann“, und er als „hintersinniger Beobachter“ Witze nie auf Kosten anderer, sondern bevorzugt über sich selbst mache. Das Drehbuch für die Kinofortsetzung von „Laible und Frisch“ steht – Wagner wäre dabei, weil er Filme weiterhin macht. Ob der SWR mitzahlt, wird sich am 1. Januar entscheiden, wenn der erste Kinofilm der Bäcker um 16.45 Uhr im SWR-Fernsehen läuft. Sollte die Quote stimmen, geht es weiter. Die vielen Fans drücken die Daumen, dass es klappt.

Ohne Theaterauftritte hat Wagner bald mehr Zeit für sein Lieblingshobby: Der Mann isst halt gern! Angesichts seiner Lebensleistung und der großen Verdienste um die Schwaben hat er sich’s verdient.

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