Hugh Jackman ist mit „Prisoners“ in den Kinos Foto: Wilson Web

Gerade 45 Jahre alt geworden, ist der durch „X-Men“ und die Rolle als Wolverine weltweit bekannt gewordene Hugh Jackman nun als Vater einer Tochter zu sehen, die entführt wird.

Berlin - Gerade 45 Jahre alt geworden, ist der durch „X-Men“ und die Rolle als Wolverine weltweit bekannt gewordene Hugh Jackman nun als Vater einer Tochter zu sehen, die entführt wird.

Lesen Sie unsere Kinokritik zu „Prisoners“

Mr. Jackman, nach „Les Misérables“ erlebt man Sie jetzt wieder in einer sehr deprimierenden Rolle. Durchleiden Sie gerade selbst eine schlechte Lebensphase?
In meinem Kopf hatte ich ja schon lange die Idee, solche Rollen ausprobieren zu wollen. Ich wusste nur nicht, wann der richtige Zeitpunkt kommen würde. Zum einen passiert es nicht allzu oft, dass einem eine so großartige Rolle angeboten wird, zum anderen habe ich viele andere Termine und Verpflichtungen. Aber nun hat es endlich geklappt. Davon abgesehen können solche Rollen auch sehr therapeutisch wirken.
Was macht es denn mit Ihnen, wenn Sie sich in so düstere Seelenwelten hineinfühlen?
Es macht mich sicherlich nicht fröhlicher, andererseits haben wir alle unsere dunklen Plätze. Man wäre doch ein Trottel, zu ­denken, dass solche Gefühle und Dämonen, die man mit sich trägt, nicht existieren würden. Das Gute an der Schauspielerei ist jedoch, dass man sich auch damit auseinandersetzen kann. Ein Drehtag kann noch so düster gewesen sein, wenn er zu Ende geht, fühle ich mich immer erleichtert.
Sie haben selbst zwei Kinder – das führt doch zwangsläufig zu der Frage, wie würde ich mich in einer solchen Situation verhalten?
Als Schauspieler sucht man natürlich die Herausforderung, aber ich gebe zu, dass es diesmal schwieriger war. Aber ich habe es vermieden, dabei an meine eigenen Kinder zu denken. Das wäre zu emotional, zu heftig und zu gefährlich gewesen. Auch wenn es Kollegen gibt, die so vorgehen.
Konnten Sie es dennoch nachempfinden, dass Keller Dover nach der Entführung seiner ­Tochter Selbstjustiz verübt?
Privat kenne ich einige Typen, die ein bisschen so sind wie er. Ich mag meine Figur und hege eine gewisse Sympathie, weil Keller Dover ein Kämpfer ist, der vor neun Jahren den Alkohol besiegt hat, sein Glaube hilft ihm dabei, und er misstraut Institutionen, womit er vielleicht auch gar nicht so unrecht hat. Ich sehe einen Mann, der jeden Tag hart kämpfen muss, um seine eigenen Dämonen zu beherrschen. Dann passiert das, und er fühlt sich völlig machtlos – das Schlimmste, was ihm widerfahren konnte.
Das lässt sich sicherlich auf jeden Vater in einer solchen Situation übertragen . . .
Gewiss! Ich habe zur Vorbereitung etwas von einem Vater gelesen, dessen Kind wirklich entführt wurde. Als Vater weiß man, dass sein Kind jede Sekunde hofft und wartet, dass Papa gleich vorbeikommt, und alles ist wieder gut. Dieser Gedanke hätte ihn fast verrückt gemacht. Insofern ist es schwierig, im Voraus zu sagen, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten würde.
Manche könnten „Prisoners“ jedoch als Plädoyer für Selbstjustiz verstehen . . .
Unser Film ist kein Plädoyer dafür – absolut nicht! Er wirft aber Fragen auf und stellt damit Selbstjustiz genauso infrage wie die Annahme, dass Gewalt stets Gewalt verlangt. Man realisiert, es gibt keine richtigen Antworten, und das löst nicht nur bei den Personen im Film, sondern auch beim Zuschauer Unbehagen aus.
Ist es nicht riskant für Sie, der durch Heldenrollen bekannt wurde, jetzt einen Mann zu spielen, dessen Taten moralisch bedenklich sind?
Nein, ich hatte nie Streitgespräche mit Agenten, dass ich wegen eines Images nur noch die oder jene Rollen spielen dürfte. Als Schauspieler will man die Vielfalt, und mein Agent war der Erste, der mir zustimmte, als ich etwa in dem Musical „The Boy from Oz“ auftrat. Andere sagten, ich sei verrückt, ­meine Filmkarriere für 18 Monate ruhen zu lassen, um auf der Bühne einen schwulen ­Entertainer zu spielen.
In Stuttgart zu sehen in den Kinos ­Cinemax, Gloria und Ufa-Palast
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