Der Türkisch Islamische Kultur Verein in Stuttgart ist begeistert von dem Moschee-Entwurf des Architekturbüros id architekten Foto: Entwurf: id architekten

Den Bau einer repräsentativen Moschee im Zentrum haben die Stuttgarter Muslime mehr oder weniger ad acta gelegt. Jetzt treiben sie mit aller Macht den Neubau der Moschee in Feuerbach voran. Doch da gibt es Hürden.

Stuttgart - Das Projekt Stuttgarter Moschee schreitet voran. Die Vision von einem multifunktionalen Kuliye, also einem neuen Gemeindezentrum plus Moschee, raubt Bahattin Akyildiz beinahe den Schlaf. Denn in der Feuerbacher Mauserstraße soll auf dem Gelände der bisherigen Moschee etwas Einzigartiges entstehen. Diese Aussicht elektrisiert Akyildiz.

Entsprechend ungeduldig ist der Frontmann des Türkisch Islamische Kultur Vereins (Ditib). Akyildiz würde lieber heute als morgen mit dem Bau beginnen. Und am liebsten würde er die Entwürfe der Stuttgarter Architekten Michael Verheyen und Saban Yazici sowie dessen Bruder Mustafa verwirklichen. Aber jetzt gibt es Störfeuer vom Ditib-Landesverband, die den Zeitplan bis zur Fertigstellung 2019 stark gefährden könnten. Denn der Ditib-Landesvorsitzende Erdinc Altuntas plädiert dafür, die Architektenleistung auszuschreiben. „Das haben wir beim Moschee-Bau in Heilbronn auch gemacht“, sagt Altuntas.

Diese Anregung stößt in Stuttgart allerdings auf wenig Wohlwollen. Denn eine Ausschreibung kostet Zeit und Geld. Das fände Bahattin Akyildiz schade: „Auch weil die drei Stuttgarter Architekten von ihren Ideen und ihren gesellschaftspolitischen Visionen perfekt zu uns passen würden. Wir bevorzugen dieses Büro.“

Tatsächlich geht es hier nicht um Kungelei oder Vetterleswirtschaft. Verheyen und die Yazicis genießen in ihrer Branche einen guten Ruf. Seit die Stuttgarter in Schorndorf die Moschee gebaut haben, gelten sie als Experten für diese Art von Sakralbauten. Mehr noch: Die besondere Kombination dieser Partnerschaft wirkt offenbar befruchtend und integrationsfördernd. Hier fließen bei den Planungen Ideen des Morgen- und des Abendlands, des Christentums und des Islams ineinander über. „Wir empfinden das als ideale Konstellation. Wir wirken gegenseitig ausgleichend“, sagen sie im Chor.

Entsprechend selbstbewusst treten die drei Baumeister auf. „Wir halten uns für prädestiniert für dieses Projekt“, sagt Mustafa Yazici, „denn wir verstehen uns nicht nur als Erfüllungsgehilfen und Zeichner, wir verstehen uns als politische Architekten.“

Als Brückenbauer zwischen Generationen, Kulturen und Religionen.

Sie wollen nicht den Ort Mauserstraße neu bauen, sondern etwas Neues schaffen, das an diesen Ort in Feuerbach passt. „Natürlich muss ein Sakralbau prägend sein", sagt Mustafa Yazici, „aber er darf nicht wie eine Diva in der Umgebung stehen.“ Soll heißen: Eine Moschee muss in Feuerbach anders aussehen als in der Türkei oder in Bosnien. Und sie muss genauso Heimstätte für die erste Mi­granten-Generation sein wie für die vierte. Opa und Enkel sollen sich hier zu Hause fühlen. „Außerdem soll dieser Bau Feuerbach in seiner Qualität weiterbringen“, sagen die drei Architekten unisono. „Er soll nicht nur repräsentativ sein, sondern für alle einladend“, ergänzt Michael Verheyen.

Dass alle drei vom prägenden Stil des Bauhauses inspiriert sind, scheint der Sache zu dienen. „Bauhaus und Islam haben viel gemeinsam“, sagt Mustafa Yazici. Er spricht von Elementen wie „Rationalisierung, Reduktion und liebevolle Eleganz“. Eine „Karikatur mit kolossaler Kuppel à la Disneyland“ ist für Michael Verheyen undenkbar. Für so etwas seien sie nicht zu haben: „Da würden wir den Auftrag ablehnen.“

Denn so etwas würde der Akzeptanz bei den Stuttgartern für dieses Moschee-Projekt schaden. Verheyen und die Yazicis streben genau das Gegenteil an. Sie wollen, dass sich die Menschen in Stuttgart „ohne Angst begegnen“. Jener Angst, die bei den einen das Fremde speist. Und bei den anderen das Gefühl, abgelehnt zu werden. „Unser Ziel lautet, dass alle Stuttgarter sagen: Das ist unsere Moschee.“

Das muss keine Utopie bleiben, meinen die drei Architekten: „In Schorndorf haben wir das auch geschafft.“ Wie? Durch viel Aufklärungsarbeit, Überzeugungskraft und durch ihren Stil. Sie haben sich gegen konservative Kräfte in der Schorndorfer Gemeinde durchgesetzt. Fenster im Moscheebau, die den Blick auf betende Muslime zeigen, galten bis dahin als revolutionär. „Aber genau diese Transparenz führte in Schorndorf zu dieser breiten Akzeptanz“, sagt Michael Verheyen. Unterstützt hatten die drei dies mit jeder Menge Öffentlichkeitsarbeit. Mustafa Yazici hat 200 Schulklassen durch die Schorndorfer Moschee geschleust und Aufklärung geleistet. „Für mich war das eine Herzenssache“, sagt er. Und mit dieser Passion wollen sie in Stuttgart auch an das Acht-Millionen-Euro-Projekt in Feuerbach gehen: „Unsere Idealvorstellung wäre, wenn sich Herr Müller und Frau Maier in diesem Zentrum auch wohlfühlen und für sich etwas finden. Wir wollen mit dieser Moschee positive Wellen schlagen“, sagt Michael Verheyen.

Nur Mustafa Yazici ist das nicht genug. „Noch schöner wäre es, wenn unsere Kinder gerne und mit Stolz alle ihre Freunde in diese Moschee einladen würden. Dann wären die Erwartungen und Ansprüche an diesen Neubau erfüllt.“

Dann wäre der Brückenschlag zwischen den Kulturen gelungen.

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