Larissa Schürle aus Eybach und ihr Ehemann Thomas halten ihre Zwerg-Barnevelder-Hühner in einem umgebauten Meerschweinchenstall im Garten. Foto: Thomas Schürle

Hühnerhaltung liegt im Trend. Auch im Kreis Göppingen kümmern sich immer mehr Menschen um ihr eigenes Federvieh. Dabei sind die Beweggründe ganz unterschiedlich.

Luca Baumeister aus Bad Überkingen-Hausen ist 14 Jahre alt und seit Februar 2021 stolzer Besitzer von vier Hühnern. „Das hat nichts mit einem Trend zu tun, sondern mit Nachhaltigkeit“, betont der Jugendliche. Er sei schon immer „auf dem landwirtschaftlichen Trip“, weil er es gut finde, Selbstversorger zu sein, sagt er. Bereits mit vier Jahren hat er sich eine Kräuterspirale zum Geburtstag gewünscht und seit er acht ist, baut er Mais, Kartoffeln, Zwiebeln und anderes Gemüse an.

 

Seinen Hühnern hat Luca ausgefallene Namen gegeben: Sie heißen Agathe, Schikalinda, Brunhilde und Eigene. Und obwohl er lange gespart hat, um das Geld für deren spezielles Schlafhaus aus Kunststoff zusammenzubekommen, obwohl er sich intensiv um sie kümmert und zum Beispiel den Mais für ihr Futter selber schrotet, obwohl er mit den Vögeln redet und sie auf den Arm nimmt, sind die Hühner für den 14-Jährigen Nutztiere. Er freut sich täglich über deren Eier, und sobald sie groß genug sind, wird er sie schlachten. „Das fällt mir nicht schwer, das ist der Kreislauf der Natur und es wäre doch schade, sie verkommen zu lassen“, erklärt der Hobby-Jungbauer selbstbewusst.

Auch Larissa und Thomas Schürle aus Geislingen-Eybach hatten ursprünglich vor, die Hühner, die sie seit Herbst 2021 besitzen, zu schlachten, wenn sie alt genug sind. „Aber das kriegen wir inzwischen nicht mehr übers Herz“, bekennt Thomas Schürle lachend. Er findet, dass seine Hühner der Rasse Zwerg-Barnevelder „tolle Tiere“ sind. „Ich könnte ihnen den ganzen Tag beim Picken zusehen“, sagt der 38-Jährige, und seiner Frau gehe es genauso. Die drei Hühner seien richtig zutraulich und kämen gleich angetrippelt, wenn er oder seine Frau den Garten betreten, wo die Hühner sich tagsüber oft aufhielten.

Die Idee, sich Hühner zuzulegen, hatte das Paar während des Hausbaus: Im Garten gab es genügend Platz für ein Gehege. Als ein Nachbar, mit dem sie nebenbei über den Gedanken gesprochen hatten, den beiden einen ausgedienten Meerschweinchenstall zum Umbauen als Hühnerstall anbot, griffen sie zu und setzten ihre Idee um. Schürles wohnen zwar direkt am Waldrand, hatten aber dennoch noch nie Probleme mit einem Fuchs. „Greifvögel sind eher ein Problem, deshalb haben wir das Gehege mit einem Vogelschutznetz gesichert“, berichtet Thomas Schürle. Er und seine Frau freuen sich täglich über frische Eier und darüber, „dass wir bestimmt glückliche Hühner haben“.

Hühner zum Mieten

Begeistert von Hühnern sind auch die Kinder des Paulus-Kindergartens im Geislinger Seebach. Das berichtet die Leiterin Larissa Janz. Vor anderthalb Jahren beteiligte sich der Kindergarten an dem Projekt „Rent a Huhn“ und hatte deshalb für knapp zwei Wochen gefiederten Besuch. Die Hühner wohnten während dieser Zeit im Pfarrgarten nebenan. „Für die Kinder war das wirklich ein tolles Erlebnis. Sie haben sozusagen live erlebt, wie ein Ei entsteht, sie haben die Hühner regelmäßig gefüttert, ihnen zu trinken gegeben und dort auch gemistet“, erzählt Larissa Janz. So hätten die Hühner gerne eine Mischung aus Joghurt und Getreide gefressen oder frische Apfelschalen. „Für die Kinder war es auch eine tolle Sache, mit den Eiern der ‚eigenen‘ Hühner im Kindergarten Kuchen zu backen.“

Pia Barreith aus Lonsee-Ettlenschieß hat sich ihre ersten beiden Zwerghühner – Molli und Fee – vor etwa fünf Jahren gekauft; kurz danach noch drei normale Haushühner. „Meine Freundin hatte Hühner, und ich habe dort festgestellt, dass sie bedeutend weniger Arbeit machen als andere Haustiere“, berichtet die 18-jährige Gymnasiastin. Kurz darauf besorgte sie sich zudem einen Brutkasten und zehn Zwerghuhn-Eier zum Ausbrüten. „Die wurden gut verpackt in Luftpolsterfolie geliefert“, erzählt sie.

Aus fünf der zehn Eier schlüpften nach 21 Tagen Küken. „Ich wurde durch das Piepsen geweckt, habe beim Schlüpfen zugeschaut und dem Ersten noch dabei geholfen, aus der Schale rauszukommen. Das war total süß“, erzählt Pia Barreith. Eines der vier Küken, die überlebten, war ein Hahn. „Das hat man schnell am großen Kamm-Ansatz erkannt.“ Hahn Louis lebt inzwischen bei den Hühnern der Freundin, weil „das bei uns nicht so geklappt hat mit den Nachbarn. Er war zu laut.“

Die anderen Zwerghühner leben bei Familie Barreith im Garten und sind so zutraulich, dass man sie auf den Arm nehmen kann. Für die 18-Jährige sind die Hühner vor allem Haustiere, „auf keinen Fall“ wolle sie sie schlachten. „Im Garten buddeln sie im Sommer schon mal die Blumenzwiebeln aus. Deshalb zieht meine Mutter ihren Salat im Hochbeet, dort ist er geschützt.“

Bis zu 20 Hühner kein Problem

Rechtliches
  Da Hühner als Kleintiere gelten, ist ihre Haltung selbst in reinen Wohngebieten ohne Genehmigung zulässig – sofern das Gebot der Rücksichtnahme eingehalten wird und sich das Ausmaß der Haltung im privaten Rahmen bewegt. Eine Hühnerherde von 20 Hühnern und einem Hahn sind in unterschiedlichen Gerichtsurteilen als vertretbar bewertet worden.

Impfung
 Hühner, die im eigenen Garten gehalten werden, müssen laut der Seite www.huehner-haltung.de dem Veterinäramt und der Tierseuchenkasse gemeldet werden. Alle sechs Wochen ist es Pflicht, seine Hühner gegen die Newcastle Krankheit zu impfen. Eine einfache Trinkwasserimpfung reicht jedoch aus.