Entertainer Howard Carpendale mit dem Gitarristen Robert Redweik. Foto: dpa

Am Montag, 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, tritt der Schlagersänger Howard Carpendale mit seiner Band im Festzelt der Brüder Klauss auf dem Cannstatter Wasen auf (Einlass: 18.30 Uhr). Ein Widerspruch? Keineswegs, sagt der Entertainer im Interview. Er rocke mehr, als so mancher glaube.

Stuttgart - – Herr Carpendale, wir waren überrascht, als wir hörten, dass Sie auf dem Cannstatter Wasen auftreten. Wie passen Bierzelt und Howard Carpendale zusammen?
Das Volksfest und der Cannstatter Wasen, das ist mehr als eine Ansammlung von ­Bierzelten. Das Fest ist eine Legende – und wir werden den Auftritt behandeln wie ein ganz normales Konzert.
Aber Sie werden in Lederhosen auftreten.
Nein, das würde nicht zu mir passen. Aber noch mal: Der Unterschied zwischen einem Konzertsaal und einem Bierzelt ist so groß nicht, damit kann ich umgehen. Das habe ich im Lauf der Jahre gelernt. Die Menschen sind überall gleich, auch wenn die Erwartungen etwas auseinander gehen. Damit klar zu kommen, gehört zur Arbeit eines Künstlers.
Bei Bierzelt denkt man an Stimmungslieder. Bei Howard Carpendale denkt man an sanfte Schlager wie „Deine Spuren im Sand“ und „Hello Again“.
Die Songs, die Sie nennen, sind Jahrzehnte alt. Der Howard Carpendale von heute ist ein anderer. Das heißt nicht, dass die Leute „Hello Again“ nicht hören werden, aber eben in einer anderen Interpretation. Ich bin mir sicher, das wird ankommen. Ich habe eine Band mit elf gestandenen Rockmusikern dabei, alles Weltklasseleute.
Einer Ihrer ganz frühen Erfolge, „Das schöne Mädchen von Seite Eins“, ist eine Schunkelnummer.
Wenn ich „Das schöne Mädchen“ heute singe, dann auf eine sehr selbstironische Art, als Rap-Titel. Bühnenarbeit ist nicht so einfach, dass man sagt: Ich reihe jetzt 20 meiner größten Hits aneinander, und das ist dann ein Konzert. Mein Auftritt am Montag in Stuttgart wird 90 Minuten dauern und viele Farben haben.
Im Bierzelt gibt es auch viele junge Leute. Sind sie darauf vorbereitet?
Ich muss Ihr Bild von mir etwas umbauen. Mein Publikum ist im Schnitt zwischen 35 und 45 Jahre alt. 35-jährige Leute sind für mich jung. Ich bin mit 70 Jahren meist der Älteste im Saal. Aber ich freue mich über jeden, der meine Musik annimmt.
Ist der Auftritt bei den Festwirten Klauss & Klauss Ihre Bierzelt-Premiere?
Es gibt keinen Ort, an dem ich noch nicht aufgetreten bin.
Abgesehen von einer Herrentoilette.
Stimmt, aber dort habe ich immerhin schon mal ein Autogramm gegeben.
Heino hat sich auf seine alten Tage mit Pop und Rock eingelassen. Würden Sie das für sich auch so sehen?
Nein, ich mache das seit 20 Jahren. Nur so überlebt man in dem Geschäft. Indem man sich ständig in Frage stellt und sich und seine Musik weiterentwickelt.
Und es gibt keine Plattenfirma, die Ihnen sagt, wo es langgeht?
Ein Album oder eine Tournee müssen erst mal in mir reifen, und das ist immer ein langer Prozess. Der Austausch mit meinem ­Management ist dann der erste Schritt, am Ende sind wir dann ein Team und stehen voll dahinter.
Sie sind gerade in Berlin, was machen Sie da?
Ich arbeite mit jungen Leuten an einer neuen Produktion. Zudem war ich gerade bei der Premiere von Til Schweigers Film „Unsere Zeit ist jetzt“, in dem ich auch mitspiele.
Der Film handelt von der Karriere des ­Stuttgarter Panda-Rappers Cro. Was verbindet Sie mit Cro?
Der Film.
Und wie finden Sie seine Musik?
Natürlich kannte ich Cro schon vorher. Durch die Dreharbeiten habe ich ihn aber noch intensiver als Musiker und Künstler kennengelernt und verstehe, warum er so erfolgreich ist.
Also noch mal, als Hinweis an die etwas ­älteren Fans: Sie werden auch auf dem Volksfest auch alte Hits spielen?
So ist es. Lieder wie „Ti Amo“ und „Nachts, wenn alles schläft“ sind nach wie vor gute Songs, aber man muss sie natürlich neu ­arrangieren. Ich bin nicht so arrogant, zu sagen: Vielen Dank, liebe Leute, das waren meine Hits, aber ihr bekommt sie nicht mehr zu hören. Was den Auftritt auf dem Wasen angeht: Wir haben uns hingesetzt und mein Live-Programm etwas geändert. Aber das sind nur Nuancen.
Hand aufs Herz: Doch ein bisschen Bammel vor dem Auftritt im Bierzelt?
Ich trete seit 50 Jahren in Deutschland auf und gehe auf eine Bühne wie ein Fußballer auf den Platz geht. Wenn überhaupt, dann bin ich positiv angespannt. Ich bin ziemlich sicher, dass ich mit drei Punkten nach Hause gehen werde.
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