Reg E. Cathey (1958-2018) in einer seiner Paraderollen: als Soul-Food-Koch Freddy Hayes in „House of Cards“ Foto: Screenshot Netflix

Ob in „The Wire“, „House of Cards“ oder „Outcast“, der afroamerikanische Schauspieler Reg E. Cathey brachte echtes Leben vor die Kamera. Nun ist der Emmy-Preisträger im Alter von 59 Jahren gestorben. Wer seine Serien kennt, wird ihn nicht vergessen.

Stuttgart - Jeder Fan der Serie „House of Cards“ hätte gerne einmal Freddy Hayes’ Schweinerippchen probiert und von der Grillsauce geleckt, die in einem schmierigen kleinen Kabuff in einem ärmeren Eckchen der US-Hauptstadt Washington die Landleute-Idee vom schlichten Glück bewahrte. Sogar der verschlagene, intrigante Präsident Underwood, den Kevin Spacey spielte, kam regelmäßig hierher, wegen des ehrliches Essens, des Soul Food, aber auch wegen der ehrlichen Meinungen und harschen Alltagseinsichten, die ihm der Afroamerikaner Freddy servierte.

Da wurde dann in der kleinen Grillklitsche nicht nur die Serienfigur Underwood innerhalb der fiktiven Welt geerdet. Da wurde durch den Schauspieler Reg E. Cathey die ganze Serie zurück auf den Erdboden geholt, wenn sie wieder in eine Art antiken Götterhimmel der Politintrigen-Genies abzuschweben drohte. Dafür hat der Freddy-Darsteller 2015 einen Emmy bekommen. Reg E. Cathey, der am 9. Februar 2018 im Alter von 59 Jahren an Krebs gestorben ist, war eben ein Meister der schwersten Kunst der Nebendarsteller: nicht nur die jeweils eigene Figur glaubwürdig zu halten, sondern auch die exaltierteren Hauptfiguren drumherum mit zusätzlicher Bodenhaftung zu versehen.

Auch in „The Wire“ war er großartig

Beim neuen TV-Serienwunder aus den USA war er von Anfang an dabei, mit gelegentlichen Auftritten in der 1997 gestarteten Gefängnisserie „Oz“. Als Ex-Journalist und Politikberater Norman Wilson in „The Wire“hat er dann wie diese ganze Serie große TV-Geschichte geschrieben. Er hat mit den knappen Auftritten, die Nebenfiguren eben bekommen, einen komplexen Charakter deutlich werden lassen: Den halbwegs ehrlichen Mann, der die miesen Spiele eines korrupten Politapparats besser als andere beherrschen muss, um eine nicht ganz so korrupte Politik einzufädeln.

Aber diese interessanten Rollen, hat Cathey einmal gesagt, die habe er als schwarzer Darsteller erst mit Beginn von Barack Obamas Präsidentschaft bekommen, erst da seien Türen aufgegangen. Zuvor habe man sich an seiner Sprache, seinem Auftreten, seinem kulturellen Hintergrund gestoßen, er entsprach nicht den üblichen Klischees. Cathey war als Sohn eines US-Offiziers in Westdeutschland aufgewachsen, hatte einen gute Schulbildung und war im Zweifel eher an Shakespeare-Rollen als am üblichen Dutzend-Kleinauftritt als Gettogangster interessiert.

Unter Dämonen

Mit Obamas Amtsantritt aber sei plötzlich doch noch ein anderes Bild von Afroamerikanern gefragt gewesen. Was nicht heißen soll, dass Cathey gelackte Erfolgsfiguren spielen wollte. Mit ihm schien immer ein kantiges Stück echten Lebens vor die Kamera zu kommen, das hat auch dem „Walking Dead“-Erfinder Robert Kirkman bei der Horrorserie „Outcast“ geholfen: Mit Cathey als Polizeichef Byron Giles wurde das Treiben von Dämonen mitten in einem US-Provinzkaff gleich glaubhafter. Wobei er seine Arbeit bei aller Sorgfalt und allem Engagement zugleich angenehm entspannt sah. „Die Welt“, hat er 2016 in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Guardian“ gesagt, „wird gerade von Psychopathen auseinander genommen. Da gehört die Schauspielerei nicht zu den Sachen, um die man sich zuerst Sorgen machen sollte, oder?

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