In den 30 600 Gastronomie-Betrieben und Hotels im Land arbeiten mehr als 132 000 Beschäftigte. Foto: dpa

Das Hotel- und Gastgewerbe im Land verzeichnet Zuwächse bei Umsatz und Beschäftigung. Auch die Hotelübernachtungen sind 2017 gestiegen. Der Branchenverband Dehoga wünscht sich dennoch mehr Unterstützung vonseiten der Politik.

Stuttgart - Der Rahmen, in dem der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg seine Bilanz des vergangenen Jahres und den Ausblick für 2018 vorgelegt hat, ließ kulinarisch keine Wünsche offen. Auf der Fachmesse Intergastra in Stuttgart präsentieren sich seit dem Wochenende Hotels, Restaurants und andere Gastronomiebetriebe von ihrer besten Seite. Positiv waren auch die meisten Zahlen, die Dehoga-Präsident Fritz Engelhardt am Montag dabeihatte: Der Umsatz der Branche habe zwischen Januar und November 2017 zugelegt, wenn auch nur leicht, um 0,8 Prozent auf elf Milliarden Euro. Dabei war der Zuwachs in der Gastronomie mit 1,0 Prozent etwas größer als in der Hotellerie (0,6 Prozent). Die Zahl der Gästeübernachtungen in Hotels stieg im Zeitraum von Januar bis November um 1,6 Prozent auf 32,5 Millionen an.

„Die starke Konjunktur gibt uns Rückenwind“, sagte Engelhardt. Viele Betriebe verdienten trotz steigender Umsätze allerdings nicht unbedingt mehr Geld. Einen Beleg dafür liefere die Dehoga-Konjunkturumfrage zur Sommersaison 2017: Dabei meldeten rund 42 Prozent der Gastronomen und 37 Prozent der Hoteliers gesunkene Erträge, obwohl mehr als 70 Prozent der Betriebe stabile oder steigende Umsätze verbuchten. Der Hauptgrund für das Auseinanderdriften von Umsatz und Gewinn seien die steigenden Personalkosten, so Engelhardt. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stiegen die Personalkosten zwischen 2010 und 2016 um 26 Prozent, während die Produktivität im gleichen Zeitraum nur um zwölf Prozent zulegte.

Vier von zehn Beschäftigten in der Branche haben ausländischen Pass

Als erfreulich bezeichnete der Dehoga-Präsident den weiteren Beschäftigungsanstieg. Bei den rund 30 600 Betrieben im Land waren zum Stichtag 30. Juni 2017 knapp 132 600 Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr – und ein neuer Rekordstand. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat die Beschäftigtenzahl damit um mehr als ein Fünftel zugenommen. Der Anteil von Mitarbeitern ohne deutschen Pass lag 2017 bei gut 40 Prozent. „Das erreicht keine andere Branche“, sagte Engelhardt. Die weit überwiegend kleinen und familiengeführten Betriebe setzten auch bei der Integration von Flüchtlingen Maßstäbe. So habe die Zahl der Arbeitnehmer aus den sogenannten Asylzugangsländern von 6200 auf 7900 deutlich zugenommen.

Dagegen sei die Auszubildendenzahl 2017 um 0,8 Prozent auf knapp 6200 zurückgegangen, jedoch habe sich der seit Jahren anhaltende Abwärtstrend verlangsamt. „Wir werten das angesichts des enorm starken Wettbewerbs um Nachwuchskräfte als Erfolg, zu dem wir mit unserer Nachwuchskampagne ‚Wir Gastfreunde‘ auch aus eigener Kraft beigetragen haben“, sagte der Dehoga-Vertreter. Trotz des Beschäftigungszuwachses bleibe der Mitarbeitermangel das größte Problem der Branche. So fehlten Betrieben im Land allein 1300 Köche.

Viele Betriebe planen stabile oder steigende Investitionen

Für das laufende Jahr erwartet der Branchenverband einen weiteren leichten Umsatzanstieg von einem Prozent. Zuversichtlich stimmt Engelhardt und den Dehoga-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kirchherr die Investitionsbereitschaft der Betriebe: Mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer planen, ihre Investitionen auf dem Niveau des Vorjahres zu halten oder zu erhöhen.

Bei aller Freude über diese Investitionsbereitschaft wünschen sich die Branchenvertreter allerdings „mehr Rückenwind aus der Politik“. Es sind im Wesentlichen zwei Forderungen, die sich die Arbeitgeberseite von einer neuen Bundesregierung erhofft: zum einen eine „faire Gastro-Mehrwertsteuer“ unter dem Motto „Gleiche Steuern für alle Speisen“. „Dass für Tierfutter, Tiefkühlpizza und Essen zum Mitnehmen der günstige 7-Prozent-Satz gilt, während für eine Mahlzeit im Gasthaus aber 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden, ist weder sinnvoll noch gerecht“, betonte Engelhardt.

Arbeitgeber fordern Flexibilisierung der Arbeitszeit

Der zweite Punkt ist zwischen den Tarifpartnern heftig umstritten. Die Arbeitgeber fordern eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, die es ihnen ermöglicht, die tägliche Arbeitszeit ihrer Beschäftigten auf bis zu 13 Stunden täglich (bisher zehn Stunden) heraufzusetzen sowie die wöchentliche Regelarbeitszeit auf bis zu 48 (bisher 39) Stunden auszudehnen. „Unsere Betriebe könnten auf diese Weise ihre Mitarbeiter einsetzen, wenn Gäste da sind, und Freizeitausgleich gewähren, wenn es wieder ruhiger zugeht“, so der Dehoga-Präsident. In Summe solle niemand mehr arbeiten müssen. Um mit den aus Sicht des Verbandes veralteten Rahmenbedingungen klarzukommen, würden viele Betriebe ihr Angebot und ihre Öffnungszeiten verringern, etwa durch Ruhetage oder die Streichung des Mittagsgeschäfts.

Die Forderung der Arbeitgeber stößt auf harten Widerstand bei den Gewerkschaften. „Die Leute halten es schlicht nicht durch, zwölf Stunden oder länger auf den Füßen zu stehen“, sagte Uwe Hildebrandt, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit der angestrebten Flexibilisierung würden die Arbeitgeber die ohnehin oftmals harten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Branche weiter verschlechtern.

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