Die Wahrheit ist: nur rund ein Viertel der Übernachtungsgäste kommt nach Esslingen, weil es eine so schöne mittelalterliche Stadt ist. Foto: Ines Rudel/Archiv

Im vergangenen Jahr haben fast 228 000 Gäste ein Bett in Hotels und Appartementhäusern gebucht. Braucht die Stadt mehr Hotels?

Esslingen - Es ist bereits das achte gute Jahr für die Esslinger Hotellerie in Folge. Zählten die 22 Übernachtungsbetriebe mit mehr als neun Betten – nur solche Betriebe werden vom Statistischen Landesamt erfasst – im Jahr 2010 noch 170 000 Übernachtungsgäste, so ist deren Zahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und hat 2018 mit nahezu 228 000 Übernachtungen einen neuen Höchststand erreicht. Das sind noch einmal 2500 Übernachtungen mehr als 2017.

Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, weil sich die Zahl der in Esslingen zur Verfügung stehenden Betten in diesem Zeitraum lediglich geringfügig von 1400 auf 1450 erhöht hat. Entsprechend gestiegen ist die Auslastungsquote der Hotels. Sie liegt bei 44 Prozent – ein Wert, den keine andere Stadt in der Region Stuttgart erzielt.

Michael metzler sieht Spielraum für neue Hotels

„Ich sehe also durchaus noch Spielraum für die Ansiedlung weiterer Hotels in Esslingen“, betont Michael Metzler, der Chef der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus-Gesellschaft (EST). Für das laufende Jahr erwartet er zunächst eine Konsolidierung der Übernachtungszahlen auf hohem Niveau und dann einen weiteren Schub zum Jahresende. Dann soll das Niu-Novum-Hospitality-Hotel eröffnen. Mit 225 Zimmern wird es dann das größte Hotel im Stadtgebiet sein und das Best Western an Position eins ablösen.

Befürchtungen, dass sich die Neueröffnung negativ auf die anderen Hotels in der Stadt auswirken wird, hat Metzler nicht: „Mehr Angebot schafft erfahrungsgemäß auch mehr Nachfrage.“ Außerdem müsse man – anders als im Tagestourismus, bei dem die Städte in der Region im direkten Wettbewerb miteinander ständen – bei den Übernachtungsgästen regional denken.

Andere Städte hätten in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse bei den Bettenzahlen gehabt. Auch übernachteten in Esslingen viele Gäste, die nicht unbedingt in der Stadt selbst, sondern in Stuttgart oder in der Region unterwegs seien. In der großen Mehrheit handele es sich dabei um Geschäftsleute. Im Großraum Stuttgart liege deren Anteil bei 70 Prozent. Zwar gebe es für Esslingen keine konkreten Zahlen, Michael Metzler geht aber davon aus, dass sogar 75 Prozent der Esslinger Übernachtungsgäste auf Geschäftsreisende entfallen. Bei aller Euphorie über die positive Entwicklung der vergangenen Jahre müsse man deshalb erkennen, dass auch Esslingen vom kontinuierlichen Wirtschaftswachstum in Deutschland in den vergangenen zehn Jahre profitiert habe.

Geschäftsleute sollen als Privatpersonen wiederkommen

Deshalb unternehme die EST große Anstrengungen, den Menschen, die den Weg nach Esslingen finden, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Metzler: „Unser Ziel ist es, Geschäftsleute so von Esslingen zu überzeugen, dass sie später als Privatpersonen wieder nach Esslingen kommen wollen.“ Speziell auf die Bedürfnisse von Firmen zugeschnittene Tagesprogramme, Events und Führungen gehören ebenso zum Angebot wie das attraktive Esslinger Kulturangebot.

Daneben verstärkt die EST ihre Online-Präsenz. Es gibt mittlerweile einen eigenen Youtube-Kanal für Esslingen. Auch auf Ins­tagram versucht die EST, die Stadt ins rechte Bild zu rücken. Für das laufende Jahr hofft Michael Metzler, dass die Spendenflut für die Sanierung des Dicken Turms anhält, damit die Stadt möglichst schnell wieder einen zusätzlichen, höchst attraktiven Veranstaltungs- und Festsaal für bis zu 60 Gäste bekommt. Metzler: „Die Nachfrage danach ist wirklich groß.“

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