Für die überwiegend von Geschäftskunden lebenden Hotels auf den Fildern ist die Krise längst nicht vorbei. Der anstehende Restart der Messe Stuttgart schlägt noch nicht voll auf deren Buchungslage durch.
Filder -
Der Herbst naht und mit ihm trotz aller coronabedingten Unwägbarkeiten die Aussicht auf eine Normalisierung des Geschäfts. Nach anderthalb Jahren Stillstand beziehungsweise Überbrückung mit digitalen Formaten geht es auf der Messe Stuttgart am 18. September mit der Süffa, einer Fachmesse für die Fleischbranche, als erste hauseigene Präsenzveranstaltung wieder los. „Die Resonanz von Ausstellern und Besuchern ist gut“, sagt die Messesprecherin Stefanie Kromer. Man sei froh, dass die Verordnungen auch Messen wieder möglich machten, aber: „Es wird noch einige Zeit brauchen, bis wir wieder an die alte Welt anknüpfen können.“
Ein Minus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum
So sieht es auch für die Hotellerie auf den Fildern aus, deren Buchungslage vom Betrieb am Flughafen und auf der Messe abhängig ist. „Besonders Messe-, Stadt- und Businesshotels sind noch nicht in Tritt gekommen“, sagt Tobias Zwiener, Geschäftsführer für Grundsatzfragen beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg.
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In die Statistik, die der aktuellen Buchungslage um Monate hinterherhinkt, fließt eben alles mit ein: vom ausgebuchten Ferienhotel bis hin zum geschlossenen Stadthotel. Aber die Zahlen sind auch im Durchschnitt nicht gut: minus 48 Prozent im ersten Halbjahr 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum, der mit dem ersten Lockdown auch schon von Corona geprägt war. Durch die Überkapazitäten gingen die Preise runter – „aber solche Sorgen und Nöte werden nur ungern vor den Gästen ausgebreitet“, weiß der Dehoga-Geschäftsführer.
Die Gäste buchen viel kurzfristiger zu viel günstigeren Preisen
Zurückhaltend mit der Herausgabe von Zahlen ist man in größeren Hotelketten generell. So verweist etwa die Direktorin des Hotels NH Stuttgart Airport in Bonlanden an die Deutschlandzentrale der spanischen Gruppe, in der unsere schriftliche Anfrage unbeantwortet bleibt.
Aus dem Echterdinger Moxy Stuttgart Airport/Messe, das zur amerikanischen Marriott-Gruppe gehört, äußert sich der „Crewleader“ Nikita Vol „vorsichtig optimistisch“. Man sehe einen Aufwärtstrend, aber: „Wenn wir vor der Pandemie in den Messewochen bereits ein bis eineinhalb Jahre im Voraus ausgebucht waren, und das mit recht hohen Raten, sehen wir heute hauptsächlich nur relativ kurzfristige Buchungen für weniger als 14 Tage im Voraus“, so Vol. Derzeit liege man bei einer Auslastung von bis zu 35 Prozent der 176 Zimmer. Immerhin verzeichne man in den Sommerferien eine positive Tendenz durch Reisende ab Flughafen Stuttgart und durch Urlauber mit Zwischenstopp auf dem Weg in den Süden.
Umbau im Premier Inn läuft, im geschlossenen Star Inn stehen noch Möbel
Direkt gegenüber vom, nun ja, verkehrsgünstig gelegenen Moxy ist das Holiday Inn Express Stuttgart Airport von Premier Inn übernommen worden, einer britischen Kette, die mit angepeilten 300 Hotels nichts weniger als Marktführer in Deutschland werden will. Derweil hier die Umbauarbeiten im Inneren am Laufen sind, ist weiterhin unklar, was aus dem Star Inn ein paar Kilometer weiter in Plieningen werden soll. Alle Häuser der Kette in Deutschland wurden schon vor einem halben Jahr geschlossen. Blickt man im Gewerbegebiet Entenäcker durch die Scheibe des Drei-Sterne-Riegels, kommt „Shining“-Feeling auf, denn die Möbel stehen noch immer drin.
Ganz anders sieht es am Bahnhof Echterdingen aus, und das nicht nur, weil es sich beim Parkhotel Stuttgart Messe-Airport um ein top ausgestattetes Vier-Sterne-Superior-Haus handelt. Der Direktor Elouan Pêcheur sagt: „Wenn ich mit Kollegen in der Region spreche, dann geht es uns gerade recht gut.“ Für die 220 Zimmer nennt er eine Auslastung von um die 50 Prozent, bis zum Oktober rechne er sogar mit 60 Prozent.
Dem Parkhotel geht es besser auch dank guter Ortsanbindung
Pêcheur registriere derzeit ebenso mehr Individualreisende. Zudem profitiert das Privathotel davon, dass es gut im Ort verankert ist. So berichtet der Direktor von mehreren großen Hochzeiten in Folge. Schließlich hat das Haus auch einen Ballsaal für bis zu 260 Personen, der ohne Coronaauflagen jetzt theoretisch auch wieder voll belegt werden kann. Bei manchen Kettenhotels sieht Pêcheur einen „Investitionsstau“ und sagt zum Preiskampf: „Wenn man von oben kommt, hat man weniger Probleme. Aber wenn man mit den Preisen ohnehin schon unten war, wird es eng.“ Im schicken Parkhotel ist ein Classic Doppelzimmer mit 25 Quadratmetern derzeit ab 79 Euro zu haben.
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Ob Kette oder privat: In vielen Häusern ist die Lage „mau“ – wie im Plieninger Airport-Hotel Filderpost, wo noch kein positiver Trend zu spüren sei und nur vereinzelt Geschäftsreisende sehr kurzfristig buchten. Auch in Bernhausen im Hotel Schwanen Stuttgart-Airport/Messe ist man verhalten optimistisch. Peter Braun, Geschäftsführer des Familienbetriebs in vierter Generation, sagt: „Wir leben nun mal von und mit Flughafen und Messe.“ Der Restaurantbetrieb im Traditionshaus sei zwar wieder „fast ausgeglichen“, das Hotel mit seinen 100 Zimmern aber laufe „sehr bescheiden“. Braun: „Wir hoffen auf den Herbst und sind weit entfernt davon, uns entmutigen zu lassen.“