Die EU will verbieten, dass Lastwagenfahrer ihre langen Ruhezeiten, in Fahrerkabinen verbringen. Hotel oder das eigene Bett sind Pflicht. Auch deswegen wird der Autohof abgerissen und ein modernes Hotel neu gebaut.

Wangen - Fast täglich ereignen sich schwere Unfälle, bei denen Lastkraftwagen beteiligt sind. Oft sind Übermüdungen, Zeitstress und Hetze die Ursachen für die Zusammenstöße. Die Europäische Union will deswegen die Arbeitsbedingungen verbessern. Die Europa-Minister wollen möglichst annähernd gleiche Entlohnung für Brummifahrer, die durch EU-Staaten rollen. Zudem sollen die Fahrer in richtigen Betten – entweder daheim oder in einem Hotel – übernachten. Die Ruhezeiten in den Kojen der Mehrtonner werden reglementiert – zumindest während den vorgeschriebenen, längeren Ruhezeiten, beispielsweise am Wochenende.

„Wie soll das funktionieren?“, fragt ein Lastwagenfahrer aus Ungarn, der sein Fahrzeug über Nacht am Mittelkai geparkt hatte und sich gerade einen Kaffee aufbrühte. Zudem wolle er sein Fahrzeug nicht stundenlang unbeaufsichtigt irgendwo stehen lassen. Immer wieder werde Ladung gestohlen oder Dieselkraftstoff aus dem Tank geklaut. „Wenn ich aber im Truck schlafe, kann das nichts passieren“, sagt der Fahrer in passablem Deutsch. Der Verband des Württembergischen Verkehrsgewerbes (VV Württemberg) steht den EU-Vorschlägen eher positiv gegenüber. „Der EU-Mobilitätspakt umfasst viele Regelungen. Dass der Grundsatz gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit am gleichen Ort nun eingeführt werden soll, begrüßen die westeuropäischen Logistikverbände“, sagt Timo Didier, der Geschäftsführer der VV Württemberg. Das könne Sozialdumping verhindern und Chancengerechtigkeit im Markt schaffen. Der als Arbeitnehmer entsandte Lastwagenfahrer aus Rumänien würde, wenn er dann innerhalb von Deutschland mit Fracht unterwegs ist, wenigstens den Mindestlohn erhalten, der gerade in Deutschland gelte.

Wöchentliche Ruhezeit geregelt

Auch die Reform zur Ruhezeitregelung gehe in die richtige Richtung. Die EU-Vorschläge würden sich kaum von der gültigen Rechtssprechung unterscheiden. Die EU-Minister haben sich nämlich nicht auf ein generelles Kabinenschlafverbot, wie es mancher Politiker meinte, sondern auf die Regelung der wöchentlichen Ruhezeit geeinigt. Pro Woche müssen Lkw-Fahrer mindestens 45 Stunden am Stück pausieren, in dieser Zeit sollen sie künftig nicht mehr im Fahrzeug übernachten dürfen. Dies hatte vor Kurzem bereits der Europäische Gerichtshof klargestellt. Für weit von der Heimat entfernte Lastwagenfahrer bedeutet dies: ab in ein Hotel- oder in ein Pensionsbett. An den Rastanlagen entlang der Autobahnen gäbe es allerdings sicherlich nicht genügend Schlafmöglichkeiten, kritisieren die Lastwagenfahrer.

Schlafmöglichkeit im Stadtgebiet

„Umso wichtiger sind Schlafmöglichkeiten wie jene im Autohof in Wangen“, sagt Didier. Der Standort an der B 10 liegt logistisch ideal mit seinen Zufahrten zu den Autobahnen und befinde sich dennoch im Stadtgebiet. Da auch die Anforderungen der Lastwagenfahrer an den Mindeststandard gestiegen sind, hat die Straßenverkehrsgenossenschaft Süd (SVG) als Eigentümerin des Grundstücks sich entschlossen, das bestehende Hotel abzureißen und ein neues, modernes zu errichten. SVG-Geschäftsführer Uwe Nestel hat die Pläne vor einem Jahr dem Wangener Bezirksbeirat vorgestellt. Der Zeitplan sah vor, dass der Altbestand im Herbst 2018 abgerissen wird. Die Vorarbeiten sind erledigt. „Wir hoffen, dass wir in diesem Monat die Genehmigung für den Abriss erhalten. Dann können wir die Baufirmen beauftragen und im April oder Mai mit den Abrissarbeiten starten“, so Nestel. An das Hotel angeschlossen wäre ein Gastrobetrieb. „Wir benötigen eine gastronomische Versorgung vor Ort für die Schulungsteilnehmer, die regelmäßig nach Wangen kommen.“

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