Gesichter des Vereins: Koordinatorin Birgit Göser, Begleiterin Hannelore Schicht, Vorsitzender Tilman Schühle (von links). Foto: Staufenpress

Über 30 Ehrenamtliche eines ambulanten Hospizdienstes begleiten alte oder kranke Menschen im Kreis Göppingen während ihrer letzten Lebensphase. Der Job erfordert sowohl Einfühlungsvermögen als auch die Wahrung einer gewissen emotionalen Distanz,

Lachen und sterben – nicht unbedingt bringt man diese beiden Dinge zusammen. Die 52 ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen und Sterbebegleiter des ambulanten Hospizdienstes schaffen genau das. Den schweren Stunden zwischendurch auch mal eine Leichtigkeit zu geben, Angehörige, die am Limit sind, zu entlasten, sich Zeit nehmen. Im Mittelpunkt der Hospizarbeit stehe stets der schwerkranke und sterbende Mensch mit seinen Wünschen und Bedürfnissen, aber auch ihm nahe stehende Menschen, verdeutlicht Tilman Schühle, Vorsitzender des Vereins, der korrekt „Hospizbewegung Kreis Göppingen – Ambulante Dienste für Erwachsene“ heißt.

 

Hauptamt und Ehrenamt gehen Hand in Hand

Der Verein entstand aus einer Initiativgruppe im Gerontologischen Forum heraus, gegründet wurde er am 25. Mai 1993. Erste Ehrenamtliche für die Sterbebegleitung wurden ausgebildet, ein Jahr später begann auch die Trauerbegleitung. Durch Spenden der gemeinnützigen Aktion „Gute Taten“ wurde 1996 die Einstellung der ersten hauptamtlichen Einsatzleitung möglich. Mittlerweile sorgen drei Koordinatorinnen dafür, dass Hilfesuchende – und Ehrenamtliche – einen Ansprechpartner haben. „Ohne Hauptamt geht es heute nicht“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Birgit Göser, die Leitende Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes, macht aber deutlich, dass die Säulen der Arbeit die 52 Sterbebegleiterinnen und Sterbebegleiter sowie die zwölf Trauerbegleiterinnen sind. „Das zeichnet den Dienst aus, so ist die Hospizarbeit auch entstanden. Wir Koordinatoren sorgen für den Rahmen.“ Sie sind jeden Tag erreichbar und helfen, wenn es dringlich ist. Seit 2013 hat der Verein seinen Sitz in der „Villa Hammer“ in Faurndau – unter einem Dach mit dem stationären Hospiz. Auch in dieser Einrichtung begleiten die Ehrenamtlichen Sterbende auf ihrem letzten Weg.

Auch Hannelore Schicht ist im stationären Hospiz schon die letzte Wegstrecke mit sterbenden Menschen gegangen. Hier war auch der Ausgangspunkt für ihr Engagement im Verein. „Eine Freundin hat hier die letzte Zeit ihres Lebens verbracht“, erinnert sie sich. „Als ich gesehen habe, mit wie viel Ruhe und Liebe die Menschen hier betreut werden, habe ich mich bei Frau Göser gemeldet“, blickt sie zurück.

Anfangs sei sie bisweilen noch unsicher gewesen, habe dann nach ihrem Bauchgefühl gehandelt, sich auf die Situation eingelassen und das Gelernte in der Ausbildung auch mal über Bord geworfen, erinnert sich Hannelore Schicht. Beispielsweise, als eine Frau umarmt werden wollte. „Das habe ich dann einfach gemacht.“ Auch wenn sie damit die eigentlich notwendige Distanz nicht mehr wahren konnte.

„Es geht um die Unterscheidung zwischen mitleiden und Mitgefühl“, erklärt Birgit Göser. „Man sollte nicht zu tief emotional hineinrutschen.“ Anfangs sei ihr das noch nicht so gut gelungen, räumt Hannelore Schicht ein. Oft helfe ihr heute, zur Beisetzung zu gehen, um auch für sich einen Abschluss zu finden.

Oft sind es die Angehörigen, die schlecht loslassen können

Die Supervisionen, acht Mal im Jahr, seien daher so wichtig, sagt Schühle. Hier sollen die Sterbebegleiter das Erlebte aufarbeiten, sich austauschen und wieder Kraft tanken. „Die Arbeit ist sehr zeitintensiv“, verdeutlicht der Vereinsvorsitzende. Manchmal sitzen die Ehrenamtlichen schon um 5 Uhr morgens am Bett eines schwerkranken Menschen, manchmal auch nachts. Geht es um medizinische Sachen wie Medikamentengabe, endet die Kompetenz der Ehrenamtlichen. Hier springen dann die Brückenpflege oder die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) ein.

Wie schafft man das Leben mit dem Tod? Jeden Tag aufs Neue? „Ich habe eine stabile Familie. Und meine Enkeltochter erdet mich“, sagt Hannelore Schicht. „Und die Menschen strahlen oft einen Frieden aus.“ Oft seien es eher die Angehörigen, die schlecht loslassen können. „Es geht letztlich darum, das Leben zu ehren und zu schätzen“, bringt es Birgit Göser auf den Punkt. Und: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben.“

Fotograf macht „Bilder eines anderen Lebens“

Film
 Die „Hospizbewegung Kreis Göppingen – Ambulante Dienste für Erwachsene“ gibt es seit 30 Jahren. Dies nimmt der Verein zum Anlass, einen Dokumentarfilm zu zeigen: „Schattenkind, Andreas Reiner, Bilder des anderen Lebens“. Im Mittelpunkt des Porträts steht der Fotograf Andreas Reiner, der im Kreis Göppingen aufwuchs. Mit seiner Kamera reist er zu Menschen, die am Rande der Gesellschaft und selten im Licht der Öffentlichkeit stehen. Reiner fotografiert Grabbeigaben von Toten oder Frauen, die eine Fehlgeburt erlebt haben. Vorführung und Gespräch
Der Film ist am kommenden Montag, 4. Dezember, um 18.30 Uhr im Gloria Kino Center Geislingen zu sehen. Anschließend wird Andreas Reiner – bei Imbiss und Getränken – zum Gespräch zur Verfügung stehen. Der Eintritt ist frei.