Der Violinist Daniel Sepec tritt am 7. Oktober im Hospitalhof mit dem Stuttgarter Kammerorchester auf. Foto: Valentin Behringer

Was Georg Friedrich Händel und Jimi Hendrix miteinander zu tun haben? Eine Brücke zu schlagen zwischen dem großen Komponisten des Barock und dem legendären Rockgitarristen. Das ist für den Violinisten Daniel Sepec kein Problem.

Beide haben etwas Vitales“, findet Violinist Daniel Sepec, wenn er an Georg Friedrich Händel und Jimi Hendrix denkt. „Ihre Musik ist sehr rhythmisch, sie besitzt große Klarheit und hat einen starken Puls.“ Davon kann sich das Publikum beim Konzert von Sepec mit dem Stuttgarter Kammerorchester am 7. Oktober im Hospitalhof selbst überzeugen. Sepec spielt dieses Programm zum ersten Mal, und es ist auch sein Debüt mit dem renommierten Stuttgarter Ensemble, dem Sepecs Vater als Bratscher zeitweise angehörte.

Mit Stuttgart verbindet ihn vieles: So war er immer wieder als Gast Konzertmeister beim damaligen Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, auch dem Festival Stuttgart Barock und der Stuttgarter Hofkapelle unter der Leitung von Frieder Bernius ist er verbunden. Zehn Jahre lebte er in der Landeshauptstadt und hat dort auch Familie.

Der Musik Händels ist er schon als zwölfjähriger Junge begegnet: Die Kantorin der Nachbargemeinde hatte ihn gefragt, ob er zusammen mit ihr eine Händel-Sonate spielen wolle. Das war keine Frage für den jungen Daniel. Sein Vater war seinerzeit Bratscher im Orchester der Frankfurter Oper und hatte ein Kammerorchester für Nachwuchsmusiker gegründet, in dem der Sohn Konzertmeister war. „Vorspielen machte mir Spaß“, erzählt Sepec.

Daniel Sepec: „Das Wilde und Direkte fand ich toll“

Hausmusik und Konzertieren allgemein waren für ihn einfach normal. Was das Konzert am 7. Oktober auch ein bisschen besonders macht: Eine Sonate von Händel hat er seither tatsächlich nicht mehr auf dem Konzertpodium gegeben. Wie schön also, dass auf dem Stuttgarter Konzertprogramm wieder eine solche steht. Außerdem hat Sepec zwei Concerti grossi von Händel gewählt, die besonders rhythmisch sind. Schon als Kind hat ihn das begeistert. Mit der Finesse der klassischen Werke habe er sich erst später befasst, sagt er. „Barockmusik hat mehr reingehauen.“

Hendrix ist er erst später begegnet. Aus Neugier hatte er sich mit 16 oder 17 Jahren eine Vinylplatte mit Hendrix’ größten Hits gekauft. „Das Wilde und Direkte fand ich toll“, beschreibt er. Als unglaublich kraftvoll, männlich und ungefiltert erlebte er diese Musik. Trotzdem, so räumt Sepec ein, hörte er im Alltag eher Abba oder The Doors. Hendrix wie Händel hätten jedenfalls beide Hits geschrieben, resümiert der vielseitige Violinist. Händel musste sich, was seinerzeit nicht selbstverständlich war, selbst vermarkten. Hendrix war beim Woodstock-Festival der bestbezahlte Musiker.

Parallelen zwischen Barock und Rock

Beim Konzert spielt Sepec Nummern wie „Purple Haze“ oder „Foxy Lady“ in Arrangements des Duos Bar­tolomey Bittman. Sie nutzen auf ihren akustischen Instrumenten Techniken wie Choppen, Scratchen oder Dead Notes – Töne, die gestrichen werden, aber nicht klingen; so wie man es vom Blues-Gitarrenspiel kennt. Manche Spieltechniken der Barockmusik und der E-Gitarre seien jedenfalls gar nicht weit voneinander entfernt, sagt Sepec und denkt dabei beispielsweise an die Jazz-Geige, wie sie etwa von Gregor Hübner gespielt wird und deren Klang aus der E-Gitarren-Ästhetik kommt, aus dem Bluesrock. „Da kracht der Bogen auf die Seite und stoppt den Ton sofort“, beschreibt er. Das würde für einen Geiger, der das klassische Klangideal verfolgt, eine enorme Überwindung bedeuten. „Für ihn ist die Geige ein Melodie-Instrument, auch in der romantischen Musik geht es mehr um die Linie.“ Im Barock wie auch beim Rock sei mehr das rhythmische Element gefragt. „Barockmusik baut auf dem Bass auf, der die Rhythmik und Harmonik vorgibt. Das ist eine Parallele zwischen Barock und Rock“.

Daniel Sepec spielt mit dem Stuttgarter Kammerorchester

Dass die Anfrage vom SKO ausgerechnet zum Beginn des Lockdowns kam, hat den – trotz Corona viel beschäftigten – Musiker sehr gefreut. „Das fand ich wirklich mutig“, sagt er. Das vorgeschlagene Programm habe ihn auch sofort fasziniert. Übrigens gibt es noch eine ganz handfeste Verbindung von Händel und Hendrix: Beide Männer wohnten in der Londoner Brook Street. Händel fast 40 Jahre lang in der Nummer 25, Hendrix einige Monate in der Nummer 23. Als er dies erfuhr, soll er sich sofort im nächsten Plattenladen den „Messias“ und andere Händel-Stücke gekauft haben. Das Konzert des SKO erinnert nicht zuletzt an den 50. Todestag des legendären Gitarristen.

Info: „Händel meets Hendrix“ – SKO mit Daniel Sepec: 7. Oktober, 20 Uhr, das Konzert ist bereits ausgebucht. Näheres auf der Homepage.

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