Bundesinnenminister Horst Seehofer Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Kontroverse um Ostergottesdienste: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) distanziert sich von der Bitte von Bund und Ländern, wonach die Kirchen in diesem Jahr auf Veranstaltungen in Präsenz verzichten sollen.

Berlin - Horst Seehofer zeigt sich äußerst irritiert ob der Bitte von Bund und Ländern nach rein virtuellen Ostergottesdiensten. Sein Haus habe diesen Vorschlag nicht gemacht, obwohl es für die Religionen zuständig sei. „Es hat mich schon erstaunt, dass ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen, den Kirchen den Verzicht auf Gottesdienste nahelegen, noch dazu an Ostern“, sagte der Bundesinnenminister gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) stellte am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“ heraus, dass die Kirchen eigenverantwortlich entscheiden sollen, ob sie Präsenzgottesdienste feiern. „Wir sollten das nicht vorgeben als Politik“, sagte er. Er habe keinen Zweifel daran, dass die Kirchen einen „klugen und verantwortungsvollen Weg“ finden.

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Seehofer betonte, es gebe kein Verbot und keine Forderung, Gottesdienste zu Ostern ausfallen zu lassen. „Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Bitte handelt“, fügte er hinzu. Das Innenministerium habe schon sehr früh in der Pandemie gemeinsam mit den Kirchen Hygienekonzepte ausgearbeitet, „die bis heute tadellos funktionieren“.

Im Beschlusspapier aus der Nacht zum Dienstag heißt es: „Bund und Länder werden auf die Religionsgemeinschaften zugehen, mit der Bitte, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen.“ Die Bitte steht im Zusammenhang mit der Entscheidung über eine „erweiterte Ruhezeit“ zu Ostern. Gründonnerstag (1. April) und der Karsamstag (3. April) sollen zu einmaligen Ruhetagen erklärt werden, so dass das Land vom 1. bis 5. April komplett herunterfährt.

Weitere Gespräche mit Entscheidungsträgern

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die katholische Deutsche Bischofskonferenz äußerten sich überrascht von der Entscheidung und kündigten weitere Gespräche mit den politischen Entscheidungsträgern im Bund und in den Ländern an. Auch sie verwiesen auf aus ihrer Sicht bewährte Hygienekonzepte bei den Gottesdiensten.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sagte dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Mittwoch), in den Gesprächen müsse deutlich werden, „dass die Öffnung der Kirchentüren zu Ostern etwas anderes ist als die Öffnung irgendwelcher Geschäfte. Das ist kein Leichtsinn, sondern verantwortungsvoll unter Wahrung strenger Regeln möglich.“ Die Sorgen der Pandemie würden auch die Gottesdienste zu Ostern berühren, sie seien alles andere als unwichtig

Sternberg sagte: „Nicht zuletzt hat die Weihnachtszeit gezeigt: Kein katholischer Gottesdienst wurde zum Corona-Hotspot.“ Daran könne man anknüpfen in den Ostertagen.

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