Tobias Pabels Bienen stehen in Plieningen und Möhringen – und ihr Honig in seinem Laden an der Scharnhauser Straße. Foto: / Fritzsche

Tobias Pabel aus Stuttgart-Plieningen hat sich einen Traum erfüllt. Neben seinem normalen Job produziert er Honig. Der Imker erklärt, worauf es ankommt bei der Honigabfüllung – und warum es dieses Jahr so wenig Rapshonig gibt.

Plieningen - Der Tisch, auf dem die leeren Gläser stehen, wird weitergedreht, eines kommt direkt unter dem Abfüllrohr zu stehen. Cremiger, gelber Honig fließt ins Glas, bis es voll ist, dann wird das Glas weitergeschoben, und das nächste leere Glas ist an der Reihe. Von Hand schraubt Tobias Pabel einen Deckel aufs Glas, stellt das Glas auf die Etikettiermaschine: Ein Aufkleber vorne, einer hinten, dann geht es ans Verpacken, immer sechs Gläser in einen Karton. „Die Etikettiermaschine zickt manchmal, ist aber Gold wert“, sagt Tobias Pabel.

Von der Wabe ins Glas

Pabel ist Imker. Seine Bienenvölker sind zwar gerade in der Winterruhe, Pabel hat aber trotzdem genug zu tun: Der Honig muss verarbeitet werden. Die Waben, die er aus den Bienenstöcken geholt hat, werden zuerst entdeckelt. Dabei wird der kleine Wachsdeckel, den die Bienen auf die Zellen gesetzt haben, entfernt.

Anschließend wird die Wabe geschleudert, so kommt der Honig heraus, der gesiebt und in große Eimer verfüllt wird. „Jede Wabe ergibt etwa 2,5 Kilo Honig“, sagt Pabel. Danach geht’s in die Abfüllmaschine, im Rührwerk erhält der Honig seine Cremigkeit. Wie der Honig aus der Wabe ins Glas kommt, erzählt er gerne auch Kindergartengruppen und Schulklassen – zumindest vor Corona.

Pabel ist die Regionalität wichtig: Seine Bienen sammeln in Plieningen und in Möhringen ihre Pollen und machen daraus Honig. Etwa 30 Kilogramm Honig im Jahr produziert ein Bienenvolk. „Das kommt aber auch immer auf das jeweilige Jahr an“, erklärt er. „Dieses Jahr gibt es wenig Rapshonig. Während der Blütezeit des Raps war es einfach zu trocken.“

Die Bienen wandern in die Provence

Pabel kauft auch in der Region erzeugten Honig dazu, „maximal 100 Kilometer Umkreis“, und verarbeitet ihn selbst: In Edeka-Filialen steht sein Honig – und im eigenen Laden, der „Honigstube“, an der Scharnhauser Straße in Plieningen. Rapshonig, Tannenhonig, Blütenhonig, Waldhonig – Pabel hat viele verschiedene Sorten im Angebot und kann zu allen Geschmacksnoten, allen Beschaffenheiten, Unterschieden in Farbe und Cremigkeit etwas erzählen. Man merkt, der Honig ist sein Ding. „Der Lavendelhonig“, erzählt er, „kommt von einem Imker aus Balingen, der mit seinen Bienen wandert: Jeden Sommer geht er mit ihnen in die Provence“. So kommt es, dass die Bienen Lavendelpollen sammeln – für den Lavendelhonig.

Pabel hat Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim studiert. „Es hat mich in den Fingern gejuckt, etwas Praktisches zu machen“, erinnert er sich. Ein Bienenkurs an der Uni hat den Ausschlag gegeben: Er legte sich sein erstes Bienenvolk zu. Mittlerweile hat er sieben. Die Imkerei ist nicht sein Haupterwerb, noch nicht jedenfalls: Pabel ist als Biokontrolleur unterwegs und überprüft, ob zertifizierte Höfe die strengen Vorgaben einhalten.

Die Pollenvielfalt ist wichtig

Dass das Schicksal der Bienen immer mehr Leute interessiert und dass auch das Interesse an regional angebautem Honig wächst, freut Pabel. Auch, dass es immer mehr wilde Wiesen und Blumen in den Gärten gibt statt englischem Rasen, sei gut für die Bienen: „Wichtig ist vor allem die Pollenvielfalt, die es auf solchen Wildwiesen gibt“, erklärt er.

Blütenpollen im Glas kann man bei ihm übrigens auch kaufen: Die sind als Superfood beliebt, enthalten viele Vitamine, Eiweiße und Mineralien. „Die gewinnt man als Imker, indem man eine Vorrichtung am Bienenstock anbringt“, erklärt Pabel, „fliegen die Bienen in den Stock, werden einige der Pollen an ihren Beinchen abgestreift“.

Die „Honigstube“ an der Scharnhauser Straße 2 hat dienstags von 9.15 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 17.30 Uhr geöffnet, donnerstags von 9.15 bis 11.30 Uhr. Am ersten und dritten Samstag im Monat ist von 10 bis 13 Uhr offen. Weitere Informationen stehen auf der Internetseite www.imker-pabel.de.

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