Mehr als 100 Mitarbeiter haben am Donnerstag gegen die Schließung von Honeywell in Schönaich protestiert. Foto: factum/Simon Granville

Die Beschäftigten von Honeywell in Schönaich gehen auf die Barrikaden. Bei einer Kundgebung demonstrieren sie gegen die Schließung des Standorts in der Böblinger Straße. Unterstützt werden sie von Andreas Stoch, dem Landesvorsitzenden der SPD.

Schönaich - Verkündet ist die Entscheidung des amerikanischen Konzerns Honeywell, den Standort in Schönaich zu schließen, akzeptiert allerdings ist sie noch nicht. Am Donnerstag demonstrierten mehr als 100 Mitglieder der Belegschaft gegen die drohende Schließung im Jahr 2022. Andreas Stoch, Chef der Landes-SPD, stärkte ihnen den Rücken.

Es seien strategische Gründe, die Honeywell für die Schließung anführe und keine wirtschaftlichen, berichtet der Honeywell-Betriebsratsvorsitzende Reinhard Finkbeiner. Der Konzern wolle die Zahl der Mitarbeiter in Europa verringern und dafür in China und Indien aufstocken. Die Honeywell-Pressesprecherin für Europa, Ilse Schouteden, äußert sich zu diesen Überlegungen nicht.

Strategische Entscheidung auf der Führungsebene

Was auf der Führungsebene als strategische Entscheidung umgesetzt wird, ist für die Mitarbeiter eine menschliche und finanzielle Katastrophe. „Ich war 40 Jahre im Betrieb, hab’ ein Leben lang da gearbeitet“, sagt ein 62 Jahre alter Mann in einfachen Worten, „es ist schlimm für die Kollegen und alles.“

Das Durchschnittsalter am Standort Böblingen ist 51 Jahre. Wer in dieser Altersklasse sich noch einen Job angeln will, der wird sich extrem schwertun. „Mir tun die Kollegen leid“, sagt dazu Reinhard Finkbeiner.

„Wer die Menschen vergisst, der wird langfristig keinen Erfolg haben“, prophezeit der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch, bei der Kundgebung auf dem Werksparkplatz, denn es könne nicht jede Qualität in jedem Billiglohnland erzeugt werden, sagt der Sozialdemokrat. Er signalisiert den Mitarbeitern, dass die SPD sie bei den Verhandlungen unterstützen werde.

Das Image gehört auch zum Wert eines Unternehmens

Später im Gespräch sagt Stoch, bei Vertretern von Firmen, die zu amerikanischen Konzernen gehörten, habe er immer das Gefühl, er rede mit Befehlsempfängern, die nichts entscheiden könnten. Er weiß, dass der Belegschaft ein echtes Druckmittel gegen die Schließung fehle, aber er sagt, „das Image, das sich Honeywell gerade beschädigt, gehört auch zum Wert eines Unternehmens.“

Dieser Wert, mit dem es Honeywell neulich wieder in den Dow-Jones-Index geschafft hat, ist auch den Mitarbeitern in Böblingen zu verdanken, die hier hochwertige Steuer- und Regelungstechnik für große Klimaanlagen produzieren. Sie sind sich sicher, dass Honeywell in Schönaich schwarze Zahlen schreibt und dass das ihrem Einsatz zu verdanken ist.

Auf den Schildern, die sie bei der Kundgebung zeigen, machen sie ihrem Ärger Luft: „Kahlschlag kostete Mitarbeiter und Kunden“ kann man lesen, „ausgesaugt und weggeschmissen“, steht auf einem anderen Schild.

Der Niedergang von Honeywell Schönaich

Der Niedergang von Honeywell vollzog sich über Jahrzehnte in kleinen Schritten. 1984 hat der amerikanische Mischkonzern die ehemalige Firma Centra-Bürkle in Schönaich übernommen. Damals hatten 700 Mitarbeiter dort ein Auskommen gefunden. Jahr für Jahr wurde jedoch immer mehr Personal abgebaut.

Ein großer Schnitt war während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009, da wurden 150 Mitarbeiter entlassen, die letzte Welle kam vor zwei Jahren, als etwa 50 Leute gehen mussten. Damals hatte sich der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid für die Belegschaft eingesetzt, verhindern konnte er den Abbau aber auch nicht. Jetzt sind es noch 160 Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen.

Der Betriebsrat hat Anwälte engagiert und Wirtschaftsfachleute, die ein Gegenkonzept zu den Plänen der Geschäftsleute erstellen sollen. Der Betriebsrat denkt über eine Auffanggesellschaft nach und eine Beschäftigungssicherung bis 2025, sodass mehr Mitarbeiter als bisher den rettenden Hafen der Rente erreichen können. Während sich die Belegschaft kämpferisch gibt, erinnert die SPD-Kreisvorsitzende Jasmina Hostert an die soziale Dimension der Schließung: „Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die nur noch rücksichtlos ist.“

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