Homosexueller wird Außenminister Westerwelle sieht sich gewappnet

Von Von Markus Brauer 

 Foto: dpa
Foto: dpa

Seit Jahren arbeitet er als Profi in der Politik. Westerwelle ist schwul und lebt mit seinem Freund zusammen.

Berlin - Von Beruf ist er eigentlich Rechtsanwalt. Seit Jahren arbeitet er aber als Profi in der Politik. Westerwelle ist schwul und lebt mit seinem Freund zusammen.

Ein Satz wie der des Duisburger Stadtkämmerers Peter Langner "Ich will keinen schwulen Außenminister" - den der SPD-Politiker am Sonntag auf einer Wahlparty hinausposaunte - gehört in diesem Zusammenhang zu den peinlichen Fehltritten. Auch CSU-Chef Horst Seehofer, der Westerwelle im Wahlkampf noch als "Sensibelchen" bezeichnet hat, hält es für "absurd", diese Charakterisierung in Verbindung mit dessen Schwulsein zu bringen.

"Wieso soll ein Schwuler dieses Amt nicht genauso gut machen wie ein Heterosexueller?", fragt Marc Ratajczak entgeistert. Der CDU-Politiker ist Sprecher für Lesben- und Schwulenpolitik der CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf. Es gebe gute heterosexuelle und gute homosexuelle Politiker. "Das hat mit der sexuellen Einstellung überhaupt nichts zu tun." Dass es immer noch jede Menge Konservative in Politik und Gesellschaft gebe, die genau das in Abrede stellen und "die sagen, Schwule können das nicht oder sollen das nicht machen", ist ihm aber dennoch klar. Nichts ist schließlich so unausrottbar wie Vorurteile.

Mit Klaus Wowereit (SPD, Regierender Bürgermeister von Berlin), Ole von Beust (CDU, Erster Bürgermeister von Hamburg) und Westerwelle sind drei Homosexuelle in politischen Spitzenämtern - und keiner regt sich auf. Seit 1. August 2001 können schwule und lesbische Paare offiziell ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Klaus Jetz, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), sieht Westerwelle nun in der Pflicht. "Die FDP muss für die Schwulen- und Lesbenbewegung ein Motor sein, damit sich in dieser Regierung etwas bewegt."

Der Verband hofft, dass die Homorechte gestärkt werden und vor allem eingetragene Lebenspartnerschaften dieselben Rechte bekommen wie Eheleute. Westerwelles Ernennung könnte ein Wendepunkt sein, so Jetz.

Als Außenminister repräsentiert der Chefliberale die Bundesrepublik im Ausland. Dabei wird er auch mit Staatsoberhäuptern konferieren, in deren Ländern Homosexuelle kriminalisiert und - wie im Iran und Saudi-Arabien - mit der Todesstrafe bedroht werden. Im vergangenen Dezember hatte Westerwelle schon einmal erste außenpolitische Leitlinien formuliert. Explizit sprach er sich dafür aus, jenen Staaten die Entwicklungshilfe zu streichen, "wo Männer und Frauen hingerichtet werden, nur weil sie homosexuell sind".

Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen und selbst homosexuell, hält wenig von solchen Ankündigungen. "Die Frage ist, wie man mit Menschenrechtsthemen umgeht. Macht man das schrill oder seriös. Da hat mich einiges erstaunt, was Herr Westerwelle in diesem Jahr gesagt hat." Mit solchen Äußerungen tue man den Schwulen und Lesben in diesen Ländern keinen Gefallen. Wenn man die Frage der Menschenrechte derart polarisiert, erreiche man nur das Gegenteil. Beck: "Man hat vielleicht innenpolitisch Applaus, schadet aber den Menschen, die es betrifft."

Er sei selbst schon in Ländern wie dem Iran gewesen, in denen Schwule diskriminiert würden, erzählt Beck. "Wir haben das Thema angesprochen. Die Leute sagen einem knallhart ins Gesicht, dass sie einen - wenn man Bürger dieses Landes wäre -, hängen würden. Aber sie unterhalten sich trotzdem mit einem."

Auch bei den Organisatoren des Christopher Street Day (CSD) Berlin erhofft man sich liberale Impulse. Für die schwul-lesbische Gleichberechtigung in Deutschland erwarte er zwar keine großen Aufbrüche, meint CSD-Geschäftsführer Robert Kastl. Aber wenn künftig ein arabischer Staat einen deutschen Außenminister, der schwul sei, empfangen müsse, sei das ein politisches Signal. "Ich sehe das als eine Art Bildungsmaßnahme fürs Ausland."

Westerwelle hat einen langen Weg hinter sich. Nun sieht er sich für das Ministeramt gewappnet. Das Guido-Mobil, der Besuch im "Big Brother"-Container sind längst vergessen. Der Spaß-Politiker von früher ist zur Respektperson mit staatsmännischer Attitüde gereift, der in seiner Homosexualität nach eigener Aussage kein Hindernis für das Amt des Außenministers sieht. Schließlich hätte die "ganz große Mehrheit der Bevölkerung überhaupt kein Problem mit meinem Privatleben". Auf der Wahlparty in Berlin trat er ganz selbstverständlich Arm in Arm mit seinem Lebensgefährten auf.

Stadtkämmerer Langner hat sich übrigens für seine "spontane und unüberlegte" Äußerung entschuldigt. Als "in jeglicher Hinsicht toleranter Mensch" habe er "keinerlei Vorurteile gegenüber Homosexualität". Anstatt sich im Ton zu vergreifen, hätte er sich ein Beispiel an Konrad Adenauer nehmen sollen, der die Homosexualität seines Außenministers Heinrich von Brentano ziemlich locker nahm. "Dat ist mir ejal, solange er misch nit anpackt."

CDU-Politiker Ratajczak treibt dagegen das "Damenprogramm" um. "Was passiert", spekuliert er, "wenn die Außenminister ihre Damen mitbringen. Wird Westerwelles Lebensgefährte dann die Damenwelt bespaßen? Das könnte witzig werden."

Lesen Sie jetzt