Tomm Straub (links), der Neufundländer Wuff und Michael Straub sind eine fast normale Familie. Foto: privat

Am 1. Oktober tritt die Ehe für alle in Kraft. Der große Ansturm auf die Standesämter ist ausgeblieben. Aber etliche homosexuelle Paare schmieden durchaus Hochzeitspläne – wie die Stuttgarter Tomm und Michael Straub.

Stuttgart - Tomm und Michael Straub sind bereits verpartnert. In einigen Monaten will das Paar in Stuttgart heiraten. Wie sehen die Hochzeitspläne aus?

Herr Straub, sie planen, Ihrem Partner Michael das Jawort zu geben. Ist heiraten nicht spießig?
Sie hätten bei unserer Verpartnerung vor 13 Jahren dabei sein sollen. 120 Leute, laut den Betreibern des Kursaals in Bad Cannstatt die schönsten Blumengestecke, die es dort je gab. Mit Pflaumen und anderen Dingen, die man so am Wegesrand findet. Eine Kinderspielecke hatten wir auch. Jetzt wollen mein Mann und ich unseren Bund erneuern. Wir feiern eine riesige Party, diesmal irgendwo im Grünen. Das haben wir direkt entschieden, als der Bundestag die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet hat.
Ihnen geht es also in erster Linie um das Event?
Nein. Sehen Sie, mein Mann und ich kämpfen seit drei Jahrzehnten für Gleichberechtigung. Auf dem Christopher Street Day und auf anderen Demos. Anfangs ging es noch darum, den Schwulenparagrafen 175 abzuschaffen. Dass wir heute heiraten dürfen, hat für uns auch einen großen symbolischen Wert. Da geht es auch nicht um steuerliche Gleichstellung. Die haben wir seit der sogenannten Verpartnerung sowieso schon, wobei ich den Begriff sehr diskriminierend finde. Nun wollen wir das Ergebnis feiern, dass wir jetzt auch bei diesem Thema dieselben Rechte haben wie heterosexuelle Paare.
Allein um Steuervorteile geht es ja auch nicht. Beim Adoptionsrecht haben es Homosexuelle jetzt leichter.
Mein Mann und ich, wir sind beide 50 Jahre alt. Zufällig haben wir sogar am gleichen Tag Geburtstag. Ehrlich, in diesem fortgeschrittenen Alter wollen wir beide keine Kinder mehr adoptieren. Dafür habe ich zehn Patenkinder und zu allen Kontakt, manche von ihnen sind schon erwachsen. Und außerdem haben wir ja noch unseren Hund, der heißt Wuff, ein Neufundländer. Wobei ich betonen will, dass das kein Kinderersatz ist.
Aber Sie sind dafür, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren können?
Natürlich, warum auch nicht? Ich kann die Argumente von wegen Kindeswohlgefährdung nicht mehr hören. Homosexuelle Paare können sich genauso gut um Kinder kümmern wie heterosexuelle. Und die Kinder selbst finden es am wenigsten störend, ob sich nun Mann und Mann, Frau und Frau oder Mann und Frau lieben.
Wie kommen Sie darauf?
Eins meiner Patenkinder sagte mir mal, die Hausaufgaben seien „schwul“. Das hat sie als Bezeichnung für unschöne Dinge auf dem Schulhof aufgeschnappt. Ich sagte ihr: „Nein, nein, der Onkel Tomm ist schwul. Die Hausaufgaben sind doof.“ Sie hat das sofort verstanden, ist mir um den Hals gefallen und hat sich entschuldigt. Daran sehen wir: In Sachen Bildung müssen wir noch eine Menge tun.

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