Ein Garten wird durch sein Interieur erst zum grünen Wohnzimmer. Foto: FACTUM-WEISE

An diesem Wochenende gastiert die Garten- und Lifestyle-Ausstellung „Home & Garden“ in der weitläufigen Parklandschaft des zauberhaften Barockschlösschens Monrepos. Über 100 Aussteller präsentieren Exklusives und Schönes aus den Bereichen Haus, Garten, Möbel, Mode und Schmuck.

Ludwigsburg - Unsere Komfortzonen werden immer größer. Wahrscheinlich weil die Welt so garstig ist. Das Einigeln in der eigenen Welt endet nicht mehr an der Terrassentür, es geht inzwischen bis an die Gartenhecke. Ein Garten ist nicht einfach nur ein Garten, er ist längst das verlängerte Wohnzimmer. Ein Statement. In diese Lücke springt die Messe „Home & Garden“, die nun schon zum 16. Mal in Ludwigsburg rund um das Seeschloss Monrepos noch bis Sonntagabend Station macht. Sie versammelt insgesamt 110 regionale und überregionale Anbieter. Im vergangenen Jahr waren es noch 85 Stände. Zum ersten Mal ist eine Kolonie von Künstlern aus der Region vor Ort und stellt aus.

Nächstes Jahr will die Projektmanagerin Margit Metzger noch einmal aufstocken. „Bei 120 bis 130 Ausstellern sind dann aber unsere Kapazitäten erschöpft“, erklärt sie. „Wir wollen die Messe weiterentwickeln“, sagt deren Geschäftsführer Martin Schmidt. Gerade der Lebensbereich sei einer, der sehr stark nachgefragt sei. „Es geht um die Kunst zu leben“, fasst er die Gefühlslage der Besucher zusammen. Ein bisschen Landlust spielt immer mit bei den Bewohnern der dicht besiedelten Metropolregionen.

Man muss seine gediegenen englischen Salonmöbel nicht zwangsläufig indoor aufstellen, suggeriert ein Aussteller. Der Anbieter aus Osnabrück platziert seine Sitzgruppen auf einen Holzboden, über dem sich ein stabiler Pavillon aus regendichter Plane spannen lässt. Auch im Garten gibt es offenbar kein schlechtes Wetter mehr – höchstens noch mangelndes Know How oder fehlende finanzielle Möglichkeiten. Die Veranstalter weisen vielleicht auch deshalb ausdrücklich darauf hin, wegen fehlender Geldautomaten auf dem Messegelände „sich mit ausreichend Bargeld auszustatten“. Nicht überall könne man mit Karte zahlen.

Ohne Bares bleiben Rosenstöckchen, edles englischen Gartengerät, Olivenöl aus der Toskana, Biobrotaufstrich oder gar der Isolierpavillon mit Heizung für Orangenbäumchen und Oleander , die neue Handtasche für den Herbst oder die Massivwurzelsitzbank ungekauft. Aber für manchen Besucher ist die Messe eben auch nur ein Augenschmaus der schönen Dinge.

Wenn es fertig ist, dann ist auch Ralf Witthaus Kunstwerk ein echter Hingucker. Der Rasenmäherkünstler bearbeitet 220 Quadratmeter Wiese der Hofkammer, die außerhalb der Ausstellung liegen, mit einer Akkusense. In das Grün arbeitet er ein geometrisches Muster ein: den Schriftzug „Meine Ruhe“, die Übersetzung von Monrepos. Dafür mäht er die Wiese streifenweise bis auf die Grasnarbe ab. Immer wieder muss er Besuchern, die befürchten, er vermesse die Wiese für Bauarbeiten, beruhigen. Aber da es ihm um das Gespräch geht, leidet er nicht sehr unter diesen Unterbrechungen. Einen Traum hat er sich schon erfüllt: er hat ein Loch nach Neuseeland gegraben. Jedenfalls beinah. Im westfälischen Löhne und in Oakland hat er Rasen bearbeitet, der, so sagt er augenzwinkernd, in direkter Verbindung liege. Nächste Woche ist Paris dran. Oakland-Ludwigsburg-Paris, keine wirklich schlechte Serie.

Die Home & Garden ist Freitag und Samstag von 10 bis 19 Uhr, Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro.
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