Für die gestiegenen Baukosten kann die Stadt Ludwigsburg nichts, dafür dass sie eine neue Sporthalle in der Oststadt immer wieder geschoben hat schon. Gebaut werden muss die Sportstätte in jedem Fall.
Das hätte man viel früher und viel günstiger haben können: den Ludwigsburger Gemeinderäten ist in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung beim Blick auf die Planungen und die prognostizierten Kosten für die Oststadtsporthalle nicht nur die Kinnlade heruntergeklappt, sondern teilweise auch der Kragen geplatzt. „Wir haben den Antrag, die Halle zu bauen, schon vor 15 Jahren gestellt“, empörte sich Margit Liepins (SPD). Passiert sei aber nichts. Das monierte auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Reinhardt Weiss. Er sei „verärgert“ über die Verwaltung, denn jetzt seien ihr und dem Gemeinderat die Hände gebunden.
Entwurf sieht nur noch das Nötigste vor
Gegenargumente fand Baubürgermeisterin Andrea Schwarz nicht: Die Zahlen seien katastrophal, „aller Ärger darüber löst uns das Problem aber nicht“. Schwarz hat das Schlamassel zwar nicht zu verantworten, musste den Groll der Räte dennoch aushalten. Die Stadt bezahlt nun die Zeche dafür, dass sie den Bau der lange geforderten Halle verbummelt beziehungsweise immer wieder wegen anderer Vorhaben auf die lange Bank geschoben hatte. Von einer Kostenexplosion bei dem Projekt zu sprechen, wäre noch untertrieben. Aus den ursprünglich taxierten sieben Millionen Euro vor zwei Jahren, wurden neun im vergangenen – inzwischen sind es rund 22. Schuld sind die Baupreissteigerungen. Dabei wurde schon an allen Ecken und Enden zusammengestrichen, vom ersten Entwurf ist wenig geblieben. Selbst die Architekten sprechen von einer „unspektakulären Kiste“, schlecht sei der Entwurf aber keineswegs.
Die Kostenprognose sei auch deshalb erschreckend, weil man vor einigen Jahren noch darüber gesprochen habe, drei Hallen für insgesamt 24 Millionen Euro zu bauen, sagte Margit Liepins.
Schulen brauchen die Hallen dringend
Die Halle mit drei Spielfeldern einfach nicht zu bauen, kommt nicht in Frage. Denn die erst kürzlich eröffnete Fuchshofschule braucht sie dringend, die Justinus-Kerner-Schule um die Ecke auch. Vereine, denen zusätzliche Trainingszeiten und eine Spielstätte mit 200 Plätzen winkt, dürften ebenfalls froh über den Bau sein. Momentan müssen noch keine Sportstunden gestrichen werden, weil sich die beiden Schulen abstimmen und Vereine mit ihren Hallen aushelfen. Genutzt wird beispielsweise auch der Gymnastikraum über dem Stadionbad, der aber eigentlich nicht dafür ausgestattet ist. „Wenn die Schule wächst, müssen wir improvisieren, einfacher wird es nicht“, sagt der Rektor der Fuchshofschule, Stephan Haag. Zurzeit sind die Klassen eins bis drei dreizügig, die vierten Klassen vierzügig. Pro Woche sind drei Stunden Sport vorgesehen. „Das ist eine einfache Rechnung, was wir an Hallenzeiten brauchen“, sagt Stephan Haag.
Ursprünglich war geplant, dass die Stadt und die Stadtwerke (SWLB) gemeinsam auf dem Areal auch ein zweigeschossiges Parkhaus mit 250 Plätzen bauen. Der Versorger hat die Pläne wegen anderer Aufgaben, vor allem aber aus Kostengründen, verworfen. Stattdessen gibt es nur noch 49 Stellplätze unter der Halle. Dass der Untergrund aufwendig präpariert werden muss, damit das Gebäude sicher steht – es muss mit rund 100 Pfählen, die zwölfeinhalb Meter in die Erde reichen, verankert werden –, ist ein wesentlicher Kostenfaktor.
FDP: Angebote für Modulbauweise einholen
Um auszuloten, wo noch gespart werden kann und ob es nicht billigere Alternativen gibt, hatte die FDP vorgeschlagen, Angebote für Modulbauhallen einzuholen. „Wenn wir die Oststadthalle für diesen Preis bauen, müssen wir ehrlich zu den Menschen in Oßweil und Poppenweiler sein. Dort werden dann erst einmal keine Hallen gebaut“, sagte der Fraktionsvorsitzende Jochen Eisele.
Für völlig unterschiedliche Hallen Angebote einzuholen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten gebaut werden müssen, sei schwierig, so Schwarz. Zudem müsste die Leistung letztlich auch EU-weit ausgeschrieben werden. Angebote seien nicht bindend. Der Vorschlag wurde dahingehend abgeändert, dass die Verwaltung den Markt für Modulbauteile sondiert. Um die Sache zu vereinfachen, bleiben die Hallenteile, die sich unter der Erde befinden, außen vor. Claus-Dieter Meyer (CDU) verwies darauf, dass man so weitere Zeit verlieren werde. Der Vorschlag erhielt trotzdem eine Mehrheit.
Grundschüler fühlen sich wohl in der neuen Schule
Zeitplan
Die Verantwortlichen rechnen mit einer Bauzeit von mindestens eineinhalb Jahren für die neue Oststadthalle. Die Planungen sollen bis September abgeschlossen sein, bis tatsächlich gebaut wird, dürfte aber ein weiteres Jahr vergehen. Stehen wird die Halle deshalb frühestens im Herbst 2025.
Umzug
Die rund 240 Schülerinnen und Schüler der Fuchshofschule haben den Neubau nach einigen Anlaufschwierigkeiten – der Umzug wurde mehrmals verschoben – inzwischen in Beschlag genommen. Sie und das Lehrerkollegium hätten sich „gut eingelebt“, sagt Schulleiter Stephan Haag. Im neuen Gebäude sei es „deutlich ruhiger“. Viel diskutiert wurde im Vorfeld, ob die Schüler sicher in die Schule kommen. Aus Haags Sicht ist der Weg mit dem Zebrastreifen direkt vor dem Haus „machbar“ und „relativ sicher“ für die Verkehrsanfänger. Allerdings sei die Ampelschaltung an der großen Kreuzung am Berliner Platz zu kurz.