Die Stadt Holzgerlingen will mit Experten ein Sicherheitskonzept zum Beispiel für den Weihnachtsmarkt erarbeiten. Foto: S. Schlecht

Die Stadt Holzgerlingen will ein Fachbüro damit beauftragen, ein Sicherheitskonzept für öffentliche Veranstaltungen zu erstellen. Die Reaktionen im Gemeinderat fallen gemischt aus.

Landauf, landab fanden im Dezember unzählige Weihnachtsmärkte statt. Doch immer öfter kämpfen die Veranstalter mit den organisatorischen und finanziellen Anforderungen an die geforderten Sicherheitskonzepte. In Holzgerlingen will man dieses Thema grundsätzlich aufarbeiten und hierzu ein Fachbüro ins Boot holen. Ein Thema, das in der letzten Sitzung des Gemeinderats gemischte Reaktionen hervorrief.

 

Die Absperrungen an Zufahrten zu öffentlichen Veranstaltungen, sei es mit Betonpollern oder mit dort abgestellten Feuerwehrautos, sind weithin bekannt. Diese Lösungen verfügen jedoch „über keine zertifizierte Rückhaltewirkung und sind daher nicht an allen Zufahrtspunkten geeignet. Vor diesem Hintergrund ist eine fachlich fundierte, rechtssichere Bewertung der erforderlichen Schutzmaßnahmen notwendig“, heißt es dazu in der Holzgerlinger Sitzungsvorlage.

Vorstoß der Verwaltung als „Bürokratiemonster“

Diese funktioniert folgendermaßen: Holzgerlingen legt dem Fachbüro alle bisherigen Sicherheitskonzepte vor, die Experten bewerten die getroffenen Maßnahmen und erstellen ein professionelles Konzept. Kostenpunkt: rund 10 000 bis 15 000 Euro. Die daraus resultierenden Anschaffungen, beispielsweise neue Sperren, will sich die Stadt mit Hildrizhausen und Altdorf teilen.

„Ich habe ein schlechtes Gefühl, das ohne einen Experten zu machen.“

Ioannis Delakos, Bürgermeister Holzgerlingens

Alexander Failenschmid (Freie Wähler) sieht in dem Vorstoß der Verwaltung vor allem eines: ein „Bürokratiemonster“. Wenn etwas passiert, übernehme das Fachbüro keine Haftung, allein die Stadt müsse dann den Kopf hinhalten, betonte er. Und: „Ein Betonpoller hat noch keinen Messerangriff verhindert“, kritisierte er den Fokus auf den Aspekt der Fahrzeuge.

Bürgermeister Ioannis Delakos (parteilos) erwiderte, dass das Fachbüro ein Gesamtkonzept erarbeite. Grundsätzlich, argumentierte er, müsse der Veranstalter geeignete Sicherheitsmaßnahmen treffen. Er wolle „alles Erdenkliche geben, um die Sicherheit zu gewährleisten“. Dann könne der Verwaltung am Ende kein Richter etwas vorwerfen.

„Ich habe ein schlechtes Gefühl, das ohne einen Experten zu machen“, stellte der Bürgermeister klar. Schließlich seien die Mitarbeiter der Verwaltung keine Sicherheitsexperten, die alle neuen Studien und Versuchsreihen zu Pollern und Co. kennen würden. Bisher sei nie etwas passiert und hoffentlich bleibe das so. „Aber das haben alle gedacht.“

Entscheidung mit einer Gegenstimme

Lukas Hahn (BNU) stellte die Frage, was die Alternative zu dem Konzept sei - einfach Poller zu kaufen? Zumal, so Eberhard Binder (Freie Wähler), Themen wie Brandschutz in der Vergangenheit bereits deutlich höhere Summen verschlungen hätten. Er bedauere es jedoch sehr, dass sich der Gemeinderat überhaupt mit einem solchen Problem herumschlagen müsse. „Ein leidvolles Thema.“

Eines, das es wert sei, zu investieren. „Umgerechnet ein Euro pro Bürger ist für die Sicherheit nicht so viel“, betonte Delakos. Der Gemeinderat beschloss mit einer Gegenstimme, das Fahrzeug-Sicherheitskonzept in Auftrag zu geben.