Landrat Bernhard (l.) überreicht Delakos einen Whisky „für gute Nerven“ Foto: Stefanie Schlecht

Auf dem Neujahrsempfang zur Amtseinsetzung von Ioannis Delakos als wiedergewähltem Schultes von Holzgerlingen wurde nicht mit Lob gespart. Der Landrat blickte sogar nach Hollywood .

Der bisherige Bürgermeister von Holzgerlingen ist bekanntermaßen auch der neue: Die Gemeinde nutzte den Neujahrsempfang am Sonntag in der Stadthalle für die feierliche Einsetzung von Ioannis Delakos in seine zweite Amtszeit. Die Redner blickten daher nicht nur vom vergangenen ins neue Jahr, sondern nutzten die Gelegenheit für eine Bilanz der ersten Amtszeit des Bürgermeisters. Und einem Ausblick in die zweite. Den musikalischen Grundton setzte die Stadtkapelle mit Christoph Kächele in der gut gefüllten Stadthalle.

 

Inhaltlich läutete der Freie-Wähler-Gemeinderat Eberhard Binder den Empfang ein, indem er eine Vision für 2030 formulierte: „Unsere Schulen und Kindergärten könnten zu Talentgärten werden, in denen die Kinder lernen und sich entfalten können.“ Außerdem skizzierte er ein Holzgerlingen, das vom Fußverkehr geprägt ist.

Binder: „Gibt viele Gründe, glücklich zu sein“

Etwas Sorge bereitet ihm die Tatsache, dass Deutschland im internationalen Glücklichkeits-Vergleich ins Mittelfeld abergerutscht sei – „die Finnen stehen hier im Gegensatz ganz oben, obwohl sie eine lange Grenze zu Russland haben“. Dabei gäbe es in Deutschland – und insbesondere in Holzgerlingen – doch viele Gründe, ebenfalls glücklich zu sein. „Eine gute Infrastruktur, Schulen, einen schuldenfreien Haushalt, ein tolles Gemeinschaftsgefühl und einen tollen Bürgermeister“, attestierte der stellvertretende Bürgermeister dem Rathaus-Chef Delakos.

Bernhard: „George Clooney der Schönbuchlichtung“

Grußredner Eberhard Binder Foto: Stefanie Schlecht

Landrat Roland Bernhard schlug in die gleiche Kerbe, betonte die Errungenschaften in Land, Stadt und Kreis: „Wir müssen doch in diesen schwierigen Zeiten darauf schauen, was wir haben: Hier in Holzgerlingen einen beliebten Bürgermeister, eine intakte Innenstadt, Wohnen, Mobilität und eine Ehrenamtsstrategie.“ Zur neuerlichen Amtseinsetzung sparte er nicht mit Vorschusslorbeeren für den am 30. November mit 97,48 Prozent im Amt bestätigten Schultes. „Er hat nicht nur eine tolle Arbeitsbilanz, sondern auch Tugenden, kann zuhören und mitnehmen. Aber er vertritt natürlich seine Meinung und kann dickköpfig sein. Ist nicht nur Bürgermeister, sondern auch Manager oder sogar Krisenmanager, wie er während der Coronazeit gezeigt hat.“

Neben den Attributen zupackend, volksnah und sympathisch nannte er – handschriftlich notiert – „gut aussehend“. Mit seinem grau melierten Haupthaar komme ihm Delakos vor „wie der George Clooney der Schönbuchlichtung“, was ihm Lacher einbrachte. Bei so viel Lob kam man dann glatt durcheinander, ob der bereitstehende Blumenstrauß nun für Delakos Ehefrau gedacht war, wie Bernhard verkündete. Oder doch für den Landrat selbst, wie Eberhard Binder insistierte. Anerkennende Worte von Susanne Widmaier, Noch-Bürgermeisterin in Rutesheim und Kreisvorsitzende im Verband Baden-Württembergischer Bürgermeister.

„Du vertrittst eine klare Meinung, immer freundlich, immer mit Rückgrat. Bürgermeister sein, heißt, auch selbst Gestalter zu sein. Das bist Du, mit Mut und Fachkompetenz.“ Nur einem seien die beiden geteilter Meinung: „Darüber, welche Stadt die schönste ist im Landkreis.“ Warme Worte kamen außerdem von Pfarrer Traugott Messner, der dem 50-jährigen Delakos die Jahreslosung mit auf den Weg gab: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Dies solle er als befreiend und entlastend empfinden, schließlich seien des Menschen Werke ja vergänglich, Gottes hingegen ewig.

Bürgermeisterin Susanne Widmaier aus Rutesheim Foto: Stefanie Schlecht

Als der alte und neue Amtsinhaber ans Mikrofon trat, waren der warmen Worte schon so viele gefallen, dass er „fast das Gefühl hatte, ich sei auf meiner Verabschiedung“. Der Empfang habe für ihn eine besondere Bedeutung, empfinde er doch „große Dankbarkeit, Respekt und Freude“, dieses Amt weitere acht Jahre bekleiden zu dürfen. Dies sei für ihn Auftrag und Vertrauen zugleich, was er mit „Klarheit, Verlässlichkeit, Demut und Entschlossenheit“ angehe.

Viele Projekte gestemmt und Schulden abgebaut

Seine zweite Amtszeit soll unter dem Leitgedanken stehen: „Stabilität sichern, Zukunft gestalten.“ Und sogar eine konkrete Neuigkeit gab es zu verkünden: Um die Arbeit im Rathaus effizienter zu gestalten, werde zeitnah eine künstliche Intelligenz namens „Holzgerlingen GPT“ eingeführt. Im baulichen Bereich verkündete er, dass „vor Kurzem das Baugesuch des Roten Kreuzes für das neue Pflegeheim in Dörnach-West“ eingegangen sei. Neben Bauten und Infrastruktur seien es in Holzgerlingen aber vor allem die Menschen, die die Stadt ausmachten. Für ihr Engagement, das den Kitt der Gesellschaft bilde, bedankte er sich herzlich.

Ioannis Delakos

Zwischen 2003 und 2008
 leitete Ioannis Delakos die Steuerverwaltung von Rottenburg am Neckar. Danach wurde er Kämmerer und Vize-Bürgermeister in Rosenfeld, 2013 Erster Beigeordneter in Holzgerlingen.

Im Jahr 2017
 beerbte er den langjährigen Rathaus-Chef Wilfried Dölker und wurde mit 65,5 Prozent zum Bürgermeister gewählt. Bei der Wahl 2025 holte er als einziger Bewerber 97,48 Prozent der Stimmen.