Gunter Demnig hat den kleinen Betonquader mit der Messingplakette für Johannes Binder zwischen die anderen Pflastersteine gesetzt. Foto: factum/Granville

Zum Gedenken an zwei Euthanasie-Opfer hat der Initiator der Aktion und Künstler Gunter Demnig kleine Mahnmale in den Asphalt versenkt. Demnächst sollen noch Stolpersteine für vier weitere Holzgerlinger gesetzt werden, die von den Nazis ermordet wurden.

Holzgerlingen - Rund hundert Bürger haben in der Holzgerlinger Klemmertstraße an einer besonderen Zeremonie teilgenommen. Der Initiator der Stolperstein-Aktion und Künstler Gunter Demnig versenkte zwei kleine Mahnmale in den Straßenasphalt. Zuerst an der Stelle, wo einst Johannes Binder wohnte, wenige Schritte vor dem Backhaus. „Er passte nicht in das ideale Bild eines Deutschen“, erzählte Holzgerlingens Bürgermeister Ioannis Delakos, „er galt als schizophren“. Die Nazis ließen ihn abholen und in die Euthanasie-Anstalt Grafeneck bringen, wo er im Alter von 56 Jahren am 24. August 1940 ermordet wurde.

Ein Naziarzt stellt „Schizophrenie“ fest

Dort wurde auch Pauline Hermann, geborene Dieterle, umgebracht. Sie musste vier Tage später den Weg in die Gaskammer antreten. Die 48-Jährige hatte einen 18 Jahre alten Sohn. Nachdem ihr Mann gestorben war, hatte ein Naziarzt auch bei ihr die Diagnose Schizophrenie gestellt. „Aus dieser Geschichte müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden“, sagte Delakos, „wir dürfen die Opfer nie vergessen.“ Mit Stolpersteinen soll in Holzgerlingen noch vier weiteren Euthanasie-Opfern gedacht werden.

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