Holy Spirit Night Gottesdienst mit umstrittener Botschaft

Von Christoph Meyer 

  Foto: StN
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Am Samstag feierten Tausende meist jugendliche Gläubige einen etwas anderen Gottesdienst: die Holy Spirit Night der Gemeinde Gospel Forum. Dabei überraschte ein Gastredner mit einer merkwürdigen Botschaft.

Stuttgart - Sie weinen, zittern am ganzen Körper, sie strecken ihre Arme in die Höhe und jubeln. Etwa 6000 junge Menschen kamen am Samstag zur Holy Spirit Night, einem Jugendgottesdienst der charismatischen Gemeinde Gospel Forum, in die ­Porsche-Arena.

Während landauf, landab die Kirchenbänke oft leer bleiben, feiert das Gospel Forum Besucherrekorde. Angeblich kommen pro Wochenende bis zu 4000 Gottesdienstbesucher in die Räume in Feuerbach. Für die zweimal jährlich veranstaltete Holy Spirit Night sind die Räume des Gospel ­Forums zu klein. Sie findet in der Porsche-Arena statt.

„Einen Applaus für Jesus“

Dort herrscht am Samstagabend eine Stimmung wie auf einem Rockkonzert. Bands spielen rockige Musik oder rappen zu Hip-Hop Beats. Markus Wenz, der Organisator der Holy Spirit Night, steht gut gelaunt auf der Bühne. „Einen Applaus für Jesus“, ruft der 27-Jährige in die Menge. Die ­Antwort des Publikums ist ohrenbetäubend.

Das Gospel Forum ist eine der größten charismatischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Charismatiker betonen die Bedeutung des Heiligen Geistes für das christliche Glaubensleben. In Anlehnung an den ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther legen sie besonderen Wert auf Rituale wie die sogenannte Zungenrede, die Krankenheilung oder Weissagung. Bei der Zungenrede versetzen sich die Gläubigen durch Gebet oder Gesang in ekstatische Zustände, in denen sie für Außenstehende unverständliche Worte äußern. Oft findet sich dann eine Person, die das Gesagte als fremde Sprache erkennen will und sich als Über­setzer anbietet.

Nachdem sich die Jugendlichen mit Musik in Stimmung gebracht haben, betritt der Gastredner, Daniel Kolenda, die Bühne. Daniel Kolenda ist ein US-amerikanischer Missionar, der mit seinem geistigen Ziehvater Reinhard Bonnke in Afrika Massenveranstaltungen organisiert, die er selbst Kreuzzüge nennt. Er erzählt von Hexen, die ihn verfluchen wollten, von Menschen, denen vor seinen Augen verkrüppelte Gliedmaßen nachwuchsen, ja sogar von Toten, die wieder zum Leben erweckt wurden. „Du glaubst, solche Dinge geschehen weit weg von hier in Afrika? Nein, es passiert hier in Deutschland, und es passiert heute Abend“, ruft Kolenda. „Sagt Amen!“, fordert er. Tausendfach schallt es ihm entgegen: „Amen.“

Einige wenige verlassen die Halle mit sichtbar verstörtem Gesichtsausdruck

Einige wenige verlassen die Halle mit sichtbar verstörtem Gesichtsausdruck. „Ich finde, das ist Schwachsinn“, sagt der 22-jährige Dennis aus Heilbronn, der nur wegen seiner Freundin mitgekommen ist. „Aber das ist auch nicht wie in einer normalen ­Kirche hier“, sagt er.

Inzwischen geht der Abend auf seinen ­Höhepunkt zu. Daniel Kolenda fordert alle auf, die sich in diesem Moment für den christlichen Glauben entscheiden wollen, aufzustehen, um im Foyer von einem Mitarbeiter des Gospel Forums den Segen zu empfangen. Die 14-jährige Linda aus Steinheim an der Murr hat Tränen in den Augen, als sie ins Foyer hinaus geht. „Die Predigt hat mich voll bewegt, ich will mein Bekenntnis noch mal erneuern“, sagt sie.

Viele liegen sich in den Armen, überglücklich. Zurück in der Halle ruft Daniel Kolenda: „Ich kann spüren, dass jemand hier in der Halle kurz vor einer Herztransplantation steht. Du brauchst sie nicht mehr. Gott hat dir gerade ein neues Herz geschaffen.“ Jetzt kennt der Jubel in der Porsche-Arena keine Grenzen mehr.

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