Karsten Neitzel hofft mit Holstein Kiel auf eine Pokal-Überraschung gegen den VfB Foto: Getty

Holstein Kiels Trainer Karsten Neitzel freut sich auf das Pokalspiel am Samstag (20:30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart und gibt den Gästen einen kleinen Vorgeschmack auf die rustikale Atmosphäre in Kiel.

Stuttgart - Herr Neitzel, wie darf man sich Pokal-Euphorie in Kiel vorstellen?
Wir haben mit dem VfB ein sehr schweres, aber auch attraktives Los gezogen. Das Stadion wird ausverkauft sein. Wir freuen uns alle riesig auf den VfB!
Auf was müssen sich die Spieler des VfB Stuttgart im Kieler Storchennest einstellen?
Der eine oder andere wird sich sicher umschauen, wenn er die Kabine betritt. Das ist Fußball pur und nicht Seidentuch im Jackett. Da bleibt einem schon mal der Holzwurm im Hintern stecken. Ansonsten kann sich der VfB auf eine hoch motivierte Kieler Mannschaft einstellen.
Sie sind durchwachsen in die Saison gestartet. Einem 0:4 zum Auftakt gegen den FSV Mainz 05 II folgte ein 2:0-Auswärtssieg in Halle. Wo sehen Sie Ihre Mannschaft aktuell?
Wenn man nach drei Punkten aus zwei Spielen von einem durchwachsenen Start spricht, spricht das für eine gewachsene Erwartungshaltung und insofern auch für uns. Aber die Saison ist noch früh, wir müssen uns erst noch positionieren.
Haben Sie noch etwas Kickers-Blut in sich, so dass ein Spiel gegen die Roten aus Cannstatt Sie besonders anstachelt?
Nein, das nicht. Dafür liegt meine Zeit in Degerloch (Neitzel bestritt zwischen 1992 und 1994 79 Zweitligaspiele für die Blauen; d. Red.) zu lange zurück.
Es ist sicher kein Nachteil für Sie, bereits zwei Pflichtspiele absolviert zu haben. Ihr Gegner startet bei null.
Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann, wenn man gerade ein Testspiel gegen Manchester City vor 40 000 Zuschauern 4:2 gewonnen hat. Das hatte praktisch Pflichtspielcharakter. Ich stelle mich jedenfalls auf einen gut eingespielten Gegner ein.
Für den VfB ist die Partie auch der Praxistest für ein völlig neues Spielsystem. Inwieweit tangiert Sie das bei Ihren Vorbereitungen?
Man schaut natürlich schon genauer hin, aber das ist ja auch die Aufgabe unseres Trainerteams wie vor jedem Pflichtspiel: Was machen die Stuttgarter nach Ballverlust, was machen sie bei gegnerischem Ballbesitz etc. Ich finde, das neu Einstudierte sieht schon ganz schön flüssig aus.
Ihr Prunkstück ist die Defensive. Da wird sich der VfB mit seinem zentrumsorientierten Offensivspiel womöglich schön schwertun.
Wer sagt das? Ich meine, dass wir nur Verteidigen und Standards können? Unsere Innenverteidigung ist zusammengenommen die wohl kleinste der dritten Liga. Wir können auch Fußball spielen in Kiel.
Sie waren früher der Typ kampfstarker Abräumer. Dann steckt also gar nicht so viel Karsten Neitzel in Ihrer aktuellen Mannschaft?
Nein, denn ich konnte ja auch nichts (lacht). Sagen wir mal so: In der dritten Liga versuchen wir jeden Gegner zu bespielen und zu attackieren. Gegen den VfB wird es aber ein anderes Spiel werden – rein spielerisch werden wir es sicher nicht packen.
Haben Sie eigentlich schon den 2. Juni aus Ihrem Gedächtnis gestrichen?
Das geht leider nicht.
Dann müssen Sie also weiter mit der Erinnerung an die denkbar unglückliche Niederlage bei 1860 München leben, die Sie den Aufstieg in die zweite Liga gekostet hat.
Bei uns im Trainerteam war das Thema zwei Tage später durch. Die Spieler haben unterschiedlich lange gebraucht, das zu verarbeiten. Aber auch sie haben mit dem ersten Training den Blick nach vorn gerichtet.
Dürfen wir zum Schluss noch das Frisurenthema anschneiden?
Bitte.
Wenn man nach Bildern aus Ihrer Zeit bei den Kickers sucht, findet man eine ausgeprägte Nackenwelle im Stil der frühen 90er.
Ach, der Vokuhila. Ich habe lange bei Dynamo Dresden gespielt. Das war ein Polizeiverein, lange Haare waren tabu. Nach der Wende habe ich mir sie eben wachsen lassen.
Stimmt es, dass Sie die Fotos aus dem Internet entfernen lassen wollten?
Ja, aber ich bin damit gescheitert. Ich habe kein Problem damit, aber dass dieses Bild als erstes auftaucht, wenn man meinen Namen eingibt, muss mir mal jemand erklären.
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