Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald (re.), Trainer Frank Schmidt: Nach der Feier mit den Fans, gab es Randale am Bremer Mannschaftsbus, wofür sich Sanwald entschuldigte. Foto: imago

Holger Sanwald, der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Heidenheim, stellt sich auf einen veränderten Kader in der neuen Saison ein. Im Interview äußert er sich auch zu den unschönen Szenen rund um das Relegationsspiel.

Heidenheim - Holger Sanwald ist nach der verpassten Aufstiegschance hin- und hergerissen. Auf die kommende Zweitligasaison blickt der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Heidenheim durchaus mit Respekt. Was die Turbulenzen rund um das Relegationsspiel gegen Werder Bremen (2:2/Hinspiel 0:0) betrifft, verurteilt er die Ausschreitungen am Werder-Bus, für die Spielerfrauen, die die Tribüne stürmten, bittet Sanwald auch um ein wenig Verständnis.

Herr Sanwald, wie geht’s Ihnen am Tag nach dem verpassten Bundesligaaufstieg?

Ich würde es als Gefühlswirrwarr bezeichnen. Zum einen tut es weh, nach solch einer langen Saison dermaßen knapp den Aufstieg verpasst zu haben. Zum anderen sind wir auch unglaublich stolz und glücklich, über die beste Saison unserer Vereinsgeschichte.

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Und Werder Bremen...

...haben wir wirklich alles abverlangt. Hut ab vor unserer Mannschaft.

Nach dieser herausragenden Saison hat den 1. FC Heidenheim künftig endgültig jeder auf dem Zettel. Ein Nachteil?

Das wird sich zeigen. Klar ist, dass wir stärker im Fokus stehen werden. Die bundesweite Aufmerksamkeit ist enorm gestiegen. Aber jetzt müssen wir erst einmal unsere Mannschaft zusammenhalten.

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Haben Sie große Bedenken?

Es wird Veränderungen geben, vielleicht sogar einen Neuaufbau, aber das sind wir in Heidenheim gewohnt. Diesen Herausforderungen stellen wir uns.

Das klingt fast so, als hätten Sie Topspieler wie Niklas Dorsch oder Tim Kleindienst schon abgeschrieben.

Nein, aber ich weiß, dass viele unserer Spieler für andere Vereine interessant sind.

Kommen wir zu den weniger schönen Themen abseits des Platzes. Wie war es möglich, dass während des Spiels plötzlich rund 60 FCH-Fans auf der Tribüne auftauchten.

In unserem Sparkassen-Business-Club hatten sich 60 Personen, Spielerfrauen und Mitarbeiter, zum Public Viewing getroffen – unter Einhaltung der Abstandsregel. Mitte der zweiten Halbzeit hielten sie es offenbar nicht mehr vor der Leinwand aus. Alle wollten dabei sein und helfen. Ein stückweit ist es ja menschlich, wenn die Frauen ihre Männer unterstützen wollen.

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Wie war es überhaupt möglich, auf die Tribüne zu kommen?

Da die Mitarbeiter Schlüssel zum Stadion hatten, kamen sie durch ein Tor auf die Tribüne.

Befürchten Sie eine Strafe von der Deutschen Fußball Liga (DFL)?

Nein, Emotionen schwappen manchmal über, und – ganz entscheidend: Alle waren ja gleich wieder weg.

Am Stadion kam es dann kurz vor Mitternacht zu Randalen am Bremer Mannschaftsbus. Eine Scheibe ging zu Bruch. Was sagen Sie dazu?

Zunächst war ja alles friedlich. Ich fand es eine tolle Aktion, dass unsere Fans Mannschaft und Trainer feierten und ihnen Respekt zollten. Dass danach offenbar ein, zwei Leuten die Sicherungen durchgebrannten, das tut mir Leid. Davon distanzieren wir uns.

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