Hier darf eigentlich nicht jeder durch – doch die meisten machen es. Foto: Caroline Holowiecki

Die Stadt Stuttgart wird eines Schleichwegs in Stuttgart-Sillenbuch nicht Herr. Nun steht ein Versuch mit mobilen Pollern an – allerdings zunächst nur zur Probe. Denn der Verkehr könnte sich verlagern.

Sillenbuch/Rohracker - Endlich geht es beim Thema Hohlweg zur Sache. Bald vier Jahre ist es her, dass die Sillenbucher Bezirksbeiräte sich für eine Sperrung des Schleichwegs von Rohracker kommend ausgesprochen haben. Dass es auf dem Feldweg ein Problem mit illegalem Verkehr gibt, ist hinreichend belegt. Anwohner klagen über Raser und gefährliche Situationen, vor allem für Kinder. Doch in Bälde soll dort erst mal Ruhe einkehren. Jasmin Heller aus dem Stadtplanungsamt präsentierte in der jüngsten Sitzung des Gremiums eine Lösung, die zunächst mal für alle gangbar scheint.

Der erste Teil dieser Lösung ist bekannt: Bereits im Sommer 2020 hatte die Verwaltung erklärt, dass oben am Hohlweg Poller gesetzt werden sollen, allerdings so, dass der Weg frei bleibt, um aus Rohracker kommend noch vor den Blockaden nach links in einen Feldweg abzubiegen und dann zwischen den Häusern Tuttlinger Straße 102 und 112 herauszukommen. Diese Lösung braucht es, damit Gartenbesitzer ihre Grundstücke weiterhin erreichen können. Dafür muss die Spitzkehre an den Pollern ertüchtigt werden. Mindestens 100 000 Euro wird das kosten. Neu ist aber – und darauf hatte der Bezirksbeirat im Sommer gepocht –, dass das Ganze erst mal getestet wird. Hauptanliegen: beobachten, ob und wohin sich der unliebsame Verkehr möglicherweise verlagert.

Es braucht zur Öffnung einen Dreikant-Schlüssel

Das wird nun passieren. Das Stadtplanungsamt will auf Höhe des Hauses Tuttlinger Straße 150 mobile Poller setzen, die mithilfe eines Dreikant-Schlüssels herausgenommen werden können. Der Obst- und Gartenbauverein (OGV), dessen Mitglieder in dem Gebiet Gärten haben, bekommt einen Schlüssel und kann diesen immer samstags einsetzen, um dann auch mit Anhängern komfortabel rangieren zu können. Im Haus 150 wird ebenfalls ein Schlüssel hinterlegt, etwa für Umzüge und Anlieferungen. Die Erprobungsphase soll in den kommenden Wochen starten. Zunächst müssen diverse Schilder gesetzt werden. So soll etwa gleich unten in Rohracker eines aufgebaut werden, das „Keine Durchfahrt nach Sillenbuch“ anzeigt. Dann können die Test-Poller kommen. Jasmin Heller vom Stadtplanungsamt betonte: „Wir hoffen, dass das vor der Sommerpause erledigt ist.“

Die Bezirksbeiräte sind froh, dass sich endlich etwas tut – wenngleich sich mancher eine andere Lösung gewünscht hätte. Johanna Molitor (FDP) etwa brachte versenkbare digitale Poller ins Spiel. Auch Susanne Rehm (Grüne) hatte Zweifel an der Effektivität des Dreikant-Verschlusses der Barrieren. Sie befürchtete, dass die Absperrung innerhalb kürzester Zeit wieder offen sein könnte – durch Nachlässigkeit oder Verschmutzungen in den Halterungen. „Ich sehe die Gefahr, dass der OGV aufmacht und dann andere die Gelegenheit nutzen“, sagte sie.

Wer darf die Poller entfernen?

Jasmin Heller versuchte, diese Sorgen zu zerstreuen. Mit dem OGV werde schriftlich vereinbart, wer die Poller wann entfernen darf und sie wieder installieren muss. Die Dreikant-Lösung sei indes die einzig denkbare. Feuerwehr und Rettungsdienste hätten diese Schlüssel, „deswegen müssen wir damit arbeiten“.

Nun soll der Test – Dauer: mindestens ein Jahr – zeigen, wie gut alles funktioniert. Derweil werden die Vorbereitungen zum Ausbau der Spitzkehre weiter vorangetrieben. „Es muss im ersten Jahr keine 200-Prozent-Lösung sein“, betonte Philipp Kordowich (CDU). Es bestehe die Möglichkeit nachzujustieren.

Allerdings: Die Angst vor Ausweichverkehren ist im Gremium groß. „Was hindert den bisherigen Schleicher daran, am Poller auszuweichen?“, fragte Ulrich Storz (SPD) und regte an, an möglichen Ausweichstrecken Zählgeräte zu installieren, um nachvollziehen zu können, wie sich der Verkehr verlagert. Jasmin Heller stimmte ihm grundsätzlich zu. „Es ist wichtig, dass wir das beobachten“, sagte sie, wenngleich sie betonte, dass der Hohlweg der breiteste der Feldwege sei. Andere Strecken seien für Autofahrer deutlich beschwerlicher zu meistern.

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