2007 war der Spatenstich in den Hohlgrabenäckern erfolgt. Insgesamt sind dort 400 Wohnungen geplant. Foto: Archiv Bernd Zeyer

Im Neubaugebiet Hohlgrabenäcker sind Abwasserleitungen falsch angeschlossen worden.

Zuffenhausen - Nach wie vor scheint im Neubaugebiet Hohlgrabenäcker nicht alles so zu laufen, wie es soll: Nachdem es in der Vergangenheit Probleme mit Grundstücksgrenzen oder der geplanten Nahversorgung gegeben hat (die Nord-Rundschau berichtete), sorgt nun die Entwässerung für Unmut. Bei einer Inspektion der Kanäle hat die Stadtentwässerung Stuttgart (SES) festgestellt, dass Abwasserrohre, die das Wasser eigentlich zur Kläranlage in Mühlhausen leiten sollen, teilweise fälschlich an die Regenkanalisation angeschlossen worden sind.

„Die STEG hat alle Anschlüsse ordentlich verlegt“, sagt Ekkehardt Schäfer, Leiter der Abteilung Entwässerung bei der SES. Die STEG, das ist die Stadtentwicklung Südwest GmbH, die für die Entwicklung des Neubaugebiets Hohlgrabenäcker zuständig ist. Dass nun Fäkalien im Feuerbach aufgetaucht sind, liegt laut Schäfer daran, dass Anschlüsse beim einen oder anderen Grundstück schlichtweg mit den falschen Rohren verbunden worden sind. Eigentlich dürfte das nicht passieren, schließlich ist alles in den Plänen ganz klar verzeichnet. Nicht selten, das erläutert Schäfer, müsse es beim Hausbau allerdings schnell gehen, Baufirmen und Architekten stünden unter erheblichem Zeitdruck. So kämen Fehler zustande.

Sämtliche Anschlüsse werden geprüft

Vor einigen Wochen hatten Haushalte des Neubaugebiets ein Schreiben der SES im Briefkasten. Darin wird angekündigt, dass vor Ort durch einen so genannten Signalnebel getestet werde, wo es eventuell Fehlanschlüsse gibt, Dieser wird durch die Schächte in die Kanalisation geblasen und tritt über die Einleitungsstellen auf den Grundstücken wieder aus. Wenn der Nebel, der gesundheitlich unbedenklich ist, nicht über Dachrinnen oder Hofeinläufe, sondern über Sanitärentlüftungen wieder austritt, dann stimmt etwas nicht. Mittlerweile ist die erste Phase der Überprüfung beendet. Laut Schäfer sind dabei drei Häuser aufgefallen. Die restlichen der mehr als 250 zu prüfenden Gebäude werden vom 13. bis zum 15. Mai unter die Lupe genommen. Für die Betroffenen hat die SES die Service-Telefonnummer 216 80 132 eingerichtet.

„Der Grundwasserschutz steht im Vordergrund“, sagt Schäfer. Deshalb habe man schnell handeln müssen. Die Kosten für die Prüfaktion trägt die SES, für fehlerhafte Anschlüsse müssen die Grundstückseigentümer aufkommen. Grundsätzlich, das betont Schäfer, führe kein Weg daran vorbei, dass künftig besser kontrolliert werden müsse. Dafür fehle momentan allerdings Personal, deshalb wolle man beim Gemeinderat vorstellig werden.

Trennsystem statt Misch-Kanalisation

Schäfer fürchtet, dass ähnliche Probleme wie in Zazenhausen künftig auch bei anderen Neubaugebieten auftreten werden. Hintergrund dafür ist das Wassergesetz Baden-Württembergs, welches wiederum auf Vorgaben des Bundes fußt. Seit Ende vergangenen Jahres wird gefordert, dass in Neubaugebieten das Abwasser-Trennsystem angewendet wird. Das bedeutet, dass Regenwasser, wo immer es möglich ist, in Flüsse oder Bäche, im Fall der Hohlgrabenäcker also in den Feuerbach, geleitet wird. Häusliches Abwasser hingegen soll zur Kläranlage fließen. Für Stuttgart ist diese Regelung neu, bisher wird hier nämlich die Mischwasser-Kanalisation praktiziert, bei der alles im Klärwerk landet.

Vor diesem Hintergrund weist Schäfer künftige Häuslebauer auf die Bedeutung korrekter Anschlüsse hin. Nicht nur die Natur, sondern auch die Brieftasche würde so geschont: „Wenn man es gleich richtig macht, spart man Geld.“

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