Eduard Heger war Ministerpräsident der Slowakei, und er ist überzeugter Europäer. Beim Esslinger CVJM hat er nun erklärt, wie sich die Zukunft positiv gestalten lässt.
Ein geeintes Europa hat vielen Menschen Frieden, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand gebracht. Doch der europäische Gedanke ist bedroht: Wo lange Zeit Gemeinsinn herrschte, drängen Einzelinteressen in den Vordergrund, der russische Überfall auf die Ukraine hat das Vertrauen in den Frieden erschüttert, gezielt gestreute Propaganda sorgt für Verunsicherung, wirtschaftliche Verwerfungen zeigen immer deutlichere Folgen. Dennoch ist der frühere slowakische Ministerpräsident Eduard Heger überzeugt, dass Europa vor einer guten Zukunft steht, wenn möglichst viele Menschen zum Gelingen beitragen.
Beim Esslinger CVJM war Heger nun zu Gast, um über Chancen und Herausforderungen eines geeinten Europas zu sprechen. Hegers Zuversicht nährt sich aus seinem christlichen Glauben. Gerhard Pross, der frühere leitende Sekretär des Esslinger CVJM, hatte die Kontakte geknüpft. Die beiden kennen einander aus der Arbeit im ökumenischen Netzwerk „Miteinander für Europa“.
Politik braucht klaren Wertekompass
Heger gehört nicht zu jenen Politikern, die ihre Karriere von langer Hand geplant haben. Der 49-Jährige hat zunächst in der Wirtschaft gearbeitet, wurde erst 2016 in den Nationalrat gewählt, stieg 2020 bereits zum Finanzminister auf und war von 2021 bis 2023 Ministerpräsident der Slowakei. Wobei er nicht verhehlte, dass das Politiker-Dasein mit vielen Opfern verbunden ist – auch für die Familie. Dennoch ist Heger überzeugt, dass es mehr denn je Menschen braucht, die mit einem klaren Wertekompass Politik machen zum Wohle der Gesellschaft. Trotz aller Probleme sieht Heger gute Chancen für die Zukunft: „Die größte Hoffnung für Europa sind die Menschen. Wir brauchen die Weisheit der Älteren und die Kraft der Jungen.“ Dann ließen sich die aktuellen Herausforderungen bewältigen.
Im digitalen Zeitalter seien viele unsicher, wie weit der Nutzen dieser Technologien gehe und wann sie zur Gefahr werden könnten. Die digitalen Möglichkeiten eröffneten der Propaganda und Desinformation, die Russland perfekt beherrsche, neue Optionen zur Polarisierung und Verunsicherung. Dem lasse sich nur durch Fakten und ständiges Hinterfragen begegnen. In einer Welt, in der die Stärkeren zunehmend versuchten, ihre Interessen durchzusetzen, sei eine robuste internationale Rechtsordnung umso wichtiger – gerade für ein kleines Land wie seines. Deshalb sieht er den Kurs der heutigen slowakischen Regierung kritisch, die der Ukraine Militärhilfe verweigert: „Wenn wir Russland nicht in der Ukraine stoppen, müssen wir sie in ein paar Jahren vielleicht in unseren Ländern stoppen.“
Heger empfahl, all das, was seit dem Zweiten Weltkrieg an Positivem entstanden ist, nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen, sondern zu bewahren und weiterzuentwickeln. Dafür müsse die Politik nah bei den Menschen sein. Gerade in den nächsten Jahren, die nicht einfach werden dürften, sei es wichtig, Zusammenhalt zu pflegen. Es brauche Menschen in unterschiedlichen Ebenen und Bereichen, die sich für das Gute und Richtige einsetzen, die Wahrheit verteidigen und Lügen entlarven. Christliche Werte und ein starker Glaube spielen für den früheren slowakischen Ministerpräsidenten eine entscheidende Rolle. Sie müssten zur Richtschnur politischen Handelns werden. Dafür bedürfe es eines starken Glaubens und Selbstbewusstseins, diese Werte zu verteidigen: „Die Bibel sagt, dass wir Christen das Licht der Welt sind. Dann müssen wir dieses Licht wieder viel stärker leuchten lassen.“
Esslinger Politiker nehmen Zuversicht mit
Der Abend mit Eduard Heger hat bei den zahlreichen Zuhörern, die sich hinterher noch lange austauschten, großen Anklang gefunden – auch bei OB Matthias Klopfer, der vor allem Zuversicht mitnahm: „Europa hat schon viel schwierigere Zeiten bewältigt und neue Stärke daraus gewonnen.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Deuschle nahm derweil Gutes für seinen Wahlkampf-Endspurt mit: „Der Abend hat gezeigt, wie wichtig es ist, als Politiker authentisch und nah bei den Menschen zu sein. Dann lässt sich sehr viel Positives erreichen.“