Dass sie erst 17 ist, muss Ann-Kahtrin Itzenga schon von sich aus erzählen. Foto: Sägesser

Sieben Minderjährige studieren zurzeit an der hiesigen Uni. Eine von ihnen ist Ann-Kathrin Itzenga.

Hohenheim - Die Tasche steht für Neubeginn. Und genau so sieht sie aus: Sie glänzt wie poliert und hat keine Schrammen. Bisher hat sie kaum etwas mitgemacht; in ihr stecken Unterlagen fürs erste Semester. Ann-Kathrin Itzenga hat extra Geld verdient, um sich die Ledertasche leisten zu können. „Sie war für mich ein Zeichen für Universität“, sagt die junge Frau mit den blonden Haaren.

Seit vorigem Herbst studiert Ann-Kathrin Itzenga in Hohenheim. Sie ist etwas Besonderes: Die angehende Wirtschaftswissenschaftlerin ist minderjährig. Ann-Kathrin hat in der Grundschule die dritte Klasse übersprungen. Außerdem hat die 17-Jährige bereits nach der zwölften Klasse Abi gemacht. So erklärt es sich, wie sie zum Nesthäkchen auf dem Campus wurde.

Dass sie erst Mitte Mai ihren 18. Geburtstag feiert, das muss Ann-Kathrin schon von sich aus erzählen. Auf den ersten Blick könnte die Studentin mit der schicken Bluse und den Perlenohrringen nämlich locker als Anfang 20 durchgehen. Liegt bestimmt auch daran, dass sie genau weiß, was sie will. Ohne zu zögern ist Ann-Kathrin von Niedersachsen nach Baden-Württemberg gezogen. „Ich habe geschaut, wo die beste Universität für mein Fach ist“, sagt sie. Die 600 Kilometer, die zwischen ihr und ihren Eltern liegen, nimmt sie gelassen. „Ich habe eher Fernweh als Heimweh“, sagt sie und lächelt.

Das Studium als Schritt in die Selbstständigkeit

In Hohenheim studieren derzeit sieben Minderjährige. Das ist überschaubar. Dasselbe gilt für ganz Deutschland. Die Zahl steigt langsam. Im Jahr 2011 hatten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts 1318 Leute, die noch keine 18 waren, an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Im Jahr 2000 lag die Zahl der minderjährigen Erstsemester bei 263. Eine Handvoll Minderjähriger gab es laut dem Uni-Sprecher Florian Klebs auch bisher in Hohenheim. „Bewusst achten unsere Leute seit der G 8-Diskussion darauf“, sagt er. Machen die Jugendlichen bereits nach der zwölften Klasse Abi, spült dies automatisch mehr Minderjährige an die Hochschulen.

Auf die Hörsäle voller Jungspunde wollen die Universitäten und Fachhochschulen freilich vorbereitet sein. Manche bieten Elternabende an oder Campus-Führungen für Mama und Papa. Die Universität Hohenheim verzichtet auf dergleichen. „Das würde sich nicht mit der Linie des Rektors decken“, sagt Klebs, „da er das Studium auch als einen wichtigen Schritt in die Selbstständigkeit junger Menschen sieht“.

Selbstständigkeit ist das eine, die rechtliche Lage das andere. Wer nicht 18 ist, braucht für einige Entscheidungen die Erlaubnis der Eltern. Ann-Kathrin Itzenga, die Studentin mit der Ledertasche, hat zum Beispiel den Mietvertrag für ihr WG-Zimmer nicht selbst unterschrieben. Dasselbe gilt für die Eröffnung des Bankkontos, das Ann-Kathrin seit Studienbeginn verwaltet. Was die Uni betrifft, hat es die Minderjährige dank dem 2012 veränderten Landeshochschulgesetz recht leicht. Das besagt: Wer immatrikuliert ist, ist mündig und muss nicht mehr bei Mami und Papi nachfragen, ob er sich etwa über den Uni-Server durchs Internet klicken, das Studienfach wechseln oder gar ganz hinwerfen darf.

Was den Weg in ihre Zukunft anbelangt, musste Ann-Kathrin allerdings eh nie groß um das Okay ihrer Eltern bitten. „Die überlassen mir die volle Verantwortung“, sagt die 17-Jährige. Vermutlich auch deshalb, weil sie wissen, wie erwachsen ihre Tochter ist. Unabhängig vom Geburtsdatum, das in ihrem Personalausweis steht.

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