Optimale Bedingungen für Schimmelpilze: Kühle Außentemperaturen und warme Raumluft sorgen für Feuchtigkeit am Fensterrahmen. Foto: dpa

In vielen Wohnungen schimmelt es. Schuld sind kaputte Dachrinnen, falsch gedämmte Altbauten und Bewohner, die nicht richtig lüften.

Stuttgart - Im Herbst steigt die Gefahr für Schimmel in den eigenen vier Wänden. Draußen ist es kalt, die Fenster werden nicht mehr so häufig geöffnet und drinnen herrscht mollige Wärme - ein perfektes Klima für Schimmelsporen entsteht. 

Wie entsteht Schimmel in der Wohnung?

Schimmel bildet sich nur, wenn es Wasser gibt. Durch bauliche Mängel kann es von außen eindringen. In der Wohnung entsteht Wasser, sobald dort Menschen ­atmen, ­duschen oder kochen. Im Winter spitzt sich das Problem zu. Denn warme Luft nimmt viel mehr Feuchtigkeit auf als kalte Luft. Trifft warme Heizungsluft dann auf eine kalte Fläche – etwa eine Außenwand oder ein Fenster –, bildet sich dort Tauwasser. Neben Wasser und Wärme braucht Schimmel organisches Material als Nahrung. Staub, Putz, Tapeten und Holz liefern das in jeder Wohnung.

Welche baulichen Mängel an Häusern können zur Schimmelbildung beitragen?

Vermieter machen gern ihre Mieter dafür verantwortlich, dass es in den Wohnungen schimmelt. „Bei zwei Dritteln der Fälle sind aber bauliche Mängel die Ursache von Schimmel. Nur bei etwa einem Drittel ist es das Verhalten der Bewohner“, sagt Jürgen Rath, Bauphysiker und Energieberater bei der ­Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. So reicht schon eine lecke Dachrinne oder ein kaputtes Regenfallrohr, und das Regenwasser spritzt gegen die Hauswand. „Irgendwann drückt die Feuchtigkeit dann nach innen durch, vor allem wenn der Putz auch noch rissig ist“, sagt Rath. Weitere Schwachstellen sind undichte Dächer, Wasser, das aus dem Erdreich nach oben drückt, und Lücken in der Wärmedämmung.

„Die Probleme mit Wohnungsschimmel nehmen rapide zu, seit die Menschen Mitte der 90er Jahre angefangen haben, ihre Altbauten zu verdichten“, sagt Rath. An manchen Gebäudestellen sei es durch die Dämmung wärmer geworden, an anderen, ungedämmten, noch genauso kalt wie früher. Als Folge bildet sich Feuchtigkeit. „Wer nur seine Fenster austauscht, die kalten Wände aber lässt, hat dort das gleiche Problem.“ Sichtbar wird das am Tauwasser, das sich in den Wintermonaten am Fenster niederschlägt. Und mit den neuen Fenstern kommt noch ein zweites Problem in die ­Altbauten: Sie lassen kaum mehr feuchte Innenluft nach draußen. 

Was machen die Hausbewohner falsch?

Wäsche trocknen, bügeln, baden, Geschirr spülen: In einer Wohnung entsteht jede Menge Feuchtigkeit. Je mehr Personen sich in den Räumen aufhalten, umso feuchter wird es. So produziert bereits eine dreiköpfige Familie in einer 75-Quadratmeter-Wohnung pro Tag zwischen sieben und zehn Liter Wasser. Diese Luftfeuchtigkeit verschwindet nur durch richtiges Lüften wieder nach draußen.

„Ein weiteres Problem ist das Sparen bei den Heizkosten“, sagt Bauphysiker Jürgen Rath. Wer seine Wohnung an kalten Wintertagen nur am Feierabend heizt, schafft es nicht, die ausgekühlten Wände richtig warm zu bekommen. Es entstehen wieder Temperaturunterschiede, die zur Bildung von Tauwasser führen können. Ähnliches passiert, wenn mehrere Räume über einen Heizkörper und offene Zimmertüren ­geheizt werden. Deshalb: „Jeden Raum für sich heizen und die Türen schließen.“

Das dritte Problem sind falsch aufgestellt Möbelstücke. „An den Außenwänden von Altbauten sollte man eigentlich verbieten, dass dort überhaupt Möbel stehen“, sagt Rath. Denn sie verhindern, dass die ohnehin kühlsten Wände der Wohnung mit warmer Heizungsluft in Berührung kommen. „Die Luftfeuchtigkeit hingegen schafft es überall hin.“ Wer Möbel an eine Außenwand stellen muss und etwa einen Schrank mit Füßen hat, sollte diesen sechs bis acht Zentimeter von der Wand wegrücken. „Bei Möbelstücken, die bis zum ­Boden gehen, hilft auch das nichts“, sagt Rath. Denn dahinter könne die Luft nicht zirkulieren.

Wäsche sollte man gerade im Winter möglichst nicht in der Wohnung trocknen. „Wenn es keinen anderen Platz dafür gibt, dann Fenster kippen, Heizung leicht aufdrehen und Zimmertür schließen“, sagt Rath.

Wie lüftet man richtig?

Die Feuchtigkeit wird dort abgelüftet, wo sie entsteht. Also am besten bereits während des Duschens oder Kochens das Fenster offen haben oder zumindest direkt danach lüften. Drei- bis viermal am Tag sollte die ganze Wohnung bei komplett geöffneten Fenstern (keine Kipplüftung) einige Minuten gelüftet werden. Berufstätige ­sorgen zumindest morgens und abends für ausreichend Frischluft.

40 Prozent aller Schimmelschäden in den Wohnungen entstehen im Schlafzimmer. Denn das ist meist der kälteste Raum in der Wohnung, in dem über Nacht beim Schlafen viel Luftfeuchtigkeit entsteht. „Hier würde ich das Fenster deshalb auch im Winter nachts offen lassen, es reicht schon ein kleiner Spalt“, sagt Rath.

Ist Wohnungsschimmel problematisch für die Gesundheit?

„Wer jetzt im Herbst einen Waldspaziergang macht und dabei mit den Füßen Blätter aufwirbelt, bekommt wesentlich mehr Schimmelsporen ab als in der Wohnung“, sagt Rath. Normalerweise kommt das menschliche Immunsystem auch gut damit zurecht. Bei Wohnungsschimmel liegt das Problem vor allem in der dauerhaften Belastung, etwa wenn es hinter dem Nachtkästchen direkt neben dem Bett schimmelt. „Sobald man einmal sensibilisiert ist, wird es problematisch“, sagt Rath. Denn die Pilzsporen gelangen in die Atemwege und zu den Schleimhäuten, es kann zu allergischen ­Reaktionen kommen.

Wie ist die rechtliche Lage in ­Mietwohnungen?

Wenn es wegen Schimmelschäden oder Mietminderungen zu Streit kommt, urteilen viele Gerichte wie folgt: Zunächst muss der Vermieter beweisen, dass der Schimmel nicht auf bauliche Mängel zurückzuführen ist. Ist dies nicht der Fall, ist der Mieter an der Reihe. Er muss nachweisen, dass er richtig geheizt und gelüftet hat. Ein gutes Raumklima hat 20 Grad und eine maximale Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent.

Wie wird man Schimmel wieder los?

Ohne die Ursachen für zu viel Feuchtigkeit in der Wohnung zu kennen und zu beheben, wird man den Schimmel nicht mehr los. „Sämtliche Mittelchen helfen nur kurz“, sagt Rath. Statt gleich zur Chlorbleiche zu greifen, könne man kleine, oberflächliche Schimmelstellen auch mit Zitronensäure bearbeiten. Oder die befallene Stelle anfeuchten und mit 70-prozentigem Alkohol (Spiritus entsprechend mit Wasser verdünnen) reinigen und desinfizieren. Sobald sich etwas mehr Schimmel in der Wohnung bildet, sollte auf jeden Fall der Vermieter informiert und der Schaden mit Fotos ­dokumentiert werden. Bei großen Flächen braucht man einen Sachverständigen und eine Fachfirma zur Beseitigung.

Um das Problem mit Tauwasser an den Fenstern zu lösen, bauen Fensterbauer dort inzwischen sogenannte Fensterfalzlüfter ein. Dadurch werden die Räume ständig mit etwas Frischluft versorgt – ähnlich wie das die undichten Fenster früher gemacht haben. „Bei Kunststofffenstern können solche Lüfter meist nachgerüstet werden. Bei Holzfenstern weicht man eher auf die Rollladenkästen aus“, sagt Jürgen Rath.

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