Nicht nur an Tankstellen sind derzeit Rekordpreise zu beobachten. Foto: imago//Arnulf Hettrich

Gas, Strom, Treibstoffe, Heizöl – alles wird teurer. Wir fassen zusammen, was Verbraucher nun tun können. Oder besser lassen.

Stuttgart - Die aktuellen Lieferengpässe bei global gehandelten Gütern machen auch vor der Energie nicht halt. Am Strommarkt ist spätestens zum Jahresende mit deutlichen Erhöhungen zu rechnen, die Preise für Dieseltreibstoff an der Zapfsäule klettern bereits auf Rekordhöhen, und auch das Heizen mit Erdgas wird immer kostspieliger. Wir fassen zusammen, was Verbraucher nun tun können – oder besser lassen.

 

Warum sind die Preise gestiegen?

Betroffen von Höchstpreisen sind derzeit weltweit alle fossilen Brennstoffe. Schuld daran sind in erster Linie die anziehende Konjunktur und angesichts dessen relativ leere Lager weltweit. Das verteuert nicht nur den Preis für Erdgas zum Heizen, sondern auch Strom, der angesichts relativ schlechter Windverhältnisse in diesem Jahr vermehrt aus Kohle und Erdgas gewonnen werden muss. Und auch Öl ist zu Beginn der Wintersaison besonders gefragt. Das treibt nicht zuletzt den Dieselpreis, auch weil Diesel und leichtes Heizöl chemisch sehr eng verwandt sind.

Wie stark ist der Preisanstieg?

Das Statistische Bundesamt hat im September einen Anstieg der Verbraucherpreise für Energie von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat beobachtet. Das war die dritte Erhöhung in Folge, was allerdings auch auf einem Basiseffekt beruht: Denn 2020 lagen die Energiepreise sehr niedrig. Besonders hohe Preissprünge beobachten die Statistiker bei Heizöl und Kraftstoffen. Diesel etwa hat am Dienstag nach Angaben des ADAC mit einem Durchschnittspreis von 1,560 Euro pro Liter einen neuen Rekord erreicht. Auch Super-Kraftstoff ist mit 1,671 Euro pro Liter nicht weit vom Allzeithoch von 2012 entfernt.

Wie sieht es bei Gas und Strom aus?

Beim Gaspreis konstatiert das Vergleichsportal Verivox im Jahresvergleich einen Anstieg von 28 Prozent für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden. Als Grund nennt das Portal enorm gestiegene Großhandelspreise. Das erklärt auch zum Teil den Anstieg der Strompreise, denn Strom wird auch mithilfe von Erdgas erzeugt. Die meisten Verbraucher werden den Preisanstieg bei Gas und Strom aber erst mit Verzögerung merken. Denn in der Regel erhöhen die Versorger ihre Preise zum Jahreswechsel, wenn insbesondere beim Strom die Höhe aller Umlagen und Netzentgelte veröffentlicht ist. Das passiert erst in diesen Tagen. Für neue Verträge beobachtet Verivox aber schon jetzt ein Allzeithoch.

Hier sehen Sie, was im Jahr 2021 alles im Strompreis eines Musterhaltes steckt:

Was droht im Südwesten?

Auch in Baden-Württemberg ist die Lage noch unübersichtlich. So heißt es beispielsweise von der EnBW, man beobachte die Entwicklung des Marktgeschehens sehr genau. Die „vorausschauende Beschaffungsstrategie“ des Konzerns bei Strom und Gas federe kurzfristige Preisspitzen aber ab und verhindere, dass sich starke Schwankungen wie derzeit eins zu eins auf die Kunden auswirkten. „Inwiefern diese Entwicklung auch unsere Tarifgestaltung beeinflusst, können wir derzeit noch nicht benennen.“

Was können Verbraucher tun?

„Wer eine Preiserhöhung bekommt, sollte auf alle Fälle einen Wechsel prüfen“, sagt ein Sprecher des Preisportals Check 24. „Unter Umständen kann ein Mehrpersonenhaushalt damit mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.“ Das trifft in der Regel auf Haushalte zu, die ihren Anbieter noch nie gewechselt haben und daher in der sogenannten Grundversorgung Strom oder Gas beziehen. Dieser Tarif ist auf der Rechnung entsprechend ausgewiesen. „Aber auch andere können ihre Rechnung reduzieren, wenn sie auf Boni setzen“, so der Sprecher. Das allerdings ist nur dann sinnvoll, wenn man bereit ist, seinen Vertrag konsequent jährlich zu überprüfen und erneut zu wechseln, wie die Verbraucherzentrale rät. Denn viele Anbieter, die Kunden mit hohen Wechselboni locken, haben im Grunde relativ teure Konditionen, die ab dem zweiten Vertragsjahr zuschlagen. Glück hat, wer einen Vertrag mit längerer Preisgarantie hat – in der Regel umfasst diese nämlich die Beschaffungskosten, und dieses Jahr ist es ja tatsächlich dieser Preisbestandteil, der von Erhöhungen besonders betroffen ist.

Was und wer hilft beim Wechsel?

Beim Anbieterwechsel helfen Portale wie Check 24 oder Verivox mit ihren umfassenden Preisübersichten weiter. Voreingestellt ist allerdings, dass nur Tarife angezeigt werden, die über das jeweilige Portal abschließbar sind. Das sollte man ändern, denn die günstigsten Anbieter sind so zumeist nicht dabei. Um die Seriosität eines Gas- oder Stromanbieters zu überprüfen, empfiehlt die Verbraucherzentrale zudem, die Erfahrungen anderer Kunden zu nutzen. Hilfreich sei hier beispielsweise die entsprechende Internetseite des Bundes der Energieverbraucher, www.energieanbieterinformation.de. Wem ein Wechsel in Eigenregie zu mühsam ist, der kann auf die Unterstützung von Wechselhelfern wie Switchup oder Esave zurückgreifen.

Und beim Tanken?

Seit 2013 müssen Tankstellenbetreiber dem Bundeskartellamt ihre aktuellen Preise melden, die diese wiederum etlichen Organisationen wie dem ADAC, Preisportalen und Apps zur Verfügung stellt. Im Jahresbericht der Transparenzstelle heißt es, dass an ein und derselben Tankstelle Preisschwankungen von durchschnittlich zwölf Cent pro Liter am Tag beobachtet worden seien. Morgens zwischen 5 und 8 Uhr seien die Preise im Schnitt deutlich höher als abends zwischen 18 und 22 Uhr. Einzelne Tankstellen wichen aber von diesem Muster ab, weshalb das Bundeskartellamt dazu rät, „sich mit den Preissetzungsmustern einzelner, naher Tankstellen vertraut zu machen“. Steffen Bock, Geschäftsführer von Clever-tanken.de, rät zudem, die Kraftstoffpreise regelmäßig zu beobachten und entlang geplanter Fahrtrouten zu vergleichen.