Fast wie ein Kunstwerk von Christo: Der eingerüstete Wachstubenturm. Foto:  

Der Hohenneuffen gleicht derzeit einem Werk des Verhüllungskünstlers Christo. Der Wachstubenturm wird mit einem Aufwand von rund 400 000 Euro saniert.

Neuffen - Obwohl das beliebte Burgrestaurant Hohenneuffen nach dem Pächterwechsel, der Renovierung und der Neuausrichtung der Gasträume erst am 3. April seine Pforten wieder geöffnet hat, sind in den ersten sechs Monaten des Jahres 42 585 Besucher auf die hoch über der Stadt Neuffen thronende Burgruine geströmt.

Dabei werden an der neu angebrachte Zählstation an der Schranke hinter dem Parkplatz lediglich die Besucher gezählt, die über das Hochplateau kommen. Nicht erfasst werden die Hochzeitsgesellschaften, die sich mit dem Shuttlebus direkt bis ans Burgtor fahren lassen und die Besucher, die sich zu Fuß direkt von Neuffen aus auf den Weg machen. „Ich rechne damit, dass es am Ende des Jahres mehr als 100 000 Besucher werden“, sagt Pascal Vetter, der Pächter der höchstgelegene Liegenschaft, die das Land Baden-Württemberg in seinem Besitz hat. Damit lägen erstmals verlässliche Zahlen über die Anziehungskraft der Burgruine vor. Zum Vergleich: das ebenfalls von den Staatlichen Schlössern und Gärten betreute Heidelberger Schloss lockt als das beliebteste Monument im Land jährlich mehr als eine Million Gäste an, während im Residenzschloss Ludwigsburg im vergangenen Jahr 350 000 Besucher gezählt worden waren.

Tägliche Führungen

Auf dass nicht nur seine anerkannt gute Küche und der unschlagbare Ausblick die Besucher auf den geschichtsträchtigen Hohenneuffen locken möge, haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, die seit knapp zwei Jahren die Schlüsselgewalt in der Burgruine haben, ein Programm aufgelegt, das auch die wechselhafte Geschichte der rund 1000 Jahre alten Mauern in den Blick nimmt. Dazu gehört, neben Sonder- und Themenführungen für Gruppen, auch das 15-Uhr-Angebot einer täglichen Führung ohne vorherige Anmeldung. „Das musste sich zuerst rumsprechen, aber inzwischen können wir ein positives Fazit ziehen“, sagt Stefanie Leisentritt, die im Auftrag der Schlösser und Gärten die Objektverwaltung übernommen hat.

Während Stefanie Leisentritt daran arbeitet, die alten Mauern mit Leben zu füllen, arbeiten Bauleute derzeit daran, Teile dieser alten Mauern mit neuem Mörtel zu füllen. Seit mehreren Wochen ist der Wachstubenturm eingerüstet und mit einem Netz versehen, das an ein Werk des Verhüllungskünstlers Christo erinnert. Der wuchtige, nach Osten weisende Turm, dessen der Besucher auf dem Weg nach oben zuallererst ansichtig wird, muss mit einem Aufwand von rund 400 000 Euro wieder auf feste Beine gestellt werden. Voraussichtlich noch bis in den Herbst hinein wird hinter dem Schutznetz der alte Putz entfernt, wird das Gemäuer sandgestrahlt, werden brüchige Steine ersetzt und das Mauerwerk neu verfugt.

Wiege Baden-Württembergs

Unabhängig von den Arbeiten am Mauerwerk dient die Freifläche auf dem Turm weiterhin als Außenstelle des Standesamts Neuffen. „Wir haben hier rund 35 Hochzeiten im Jahr“, sagt Pascal Vetter. Auch den Gottesdiensten im Grünen, die einmal pro Monat unter freiem Himmel gefeiert werden, stehen die Bauarbeiten nicht im Weg.

Die Burgruine Hohenneuffen, rund 750 Meter hoch gelegen, ist um das Jahr 1100 errichtet worden. Für das Land hat die Anlage eine besondere Bedeutung, hat in ihren Mauern am 2. April 1948 doch die Dreiländerkonferenz stattgefunden, bei der die Landerchefs Württemberg-Badens, Württemberg-Hohenzollerns und Badens den Grundstein für das vier Jahre später aus der Taufe gehobene Bundesland Baden-Württemberg gelegt haben.

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