Gut qualifizierte Minijobber könnten ein Baustein sein, um Fachkräfteengpässe zu lindern. Foto: dpa

Betriebe müssen allen Mitarbeitern den Weg in reguläre Beschäftigung ebnen. Die Qualifikationen von Minijobbern werden noch zu oft unterschätzt, meint Wirtschaftsredakteur Thomas Thieme.

Stuttgart - Die Nachfrage von Unternehmen nach Arbeitskräften ist ungebrochen hoch. Nach Angaben von Arbeitsmarktforschern sind derzeit bundesweit zum ersten Mal mehr als eine Million Stellen unbesetzt. Viele Betriebe klagen: zum einen weil sie nicht genügend Bewerber finden, zum anderen weil die vorhandenen Bewerber nicht ausreichend qualifiziert sind. Bis eine vakante Stelle besetzt ist, dauert es im Schnitt 95 Tage. Ein Jahr zuvor waren es noch zehn Tage weniger. Die gute Konjunktur bewirkt, dass sich an dieser Situation mittelfristig nichts ändert – die Demografie wird die Lage langfristig sogar noch verschärfen.

Daher ist es besonders wichtig, dass die Unternehmen alle bisher zu wenig genutzten Potenziale ausschöpfen. Zunächst müssen ältere Mitarbeiter so lange wie möglich im Betrieb gehalten werden. Jüngeren Kollegen, die ganz oder teilweise für einen bestimmten Zeitraum aus dem Job aussteigen, brauchen attraktive Brücken zurück in die Vollzeitbeschäftigung. In der Ausbildung sollten auch schwächere Bewerber die Gelegenheit bekommen, sich in der Praxis zu beweisen und Defizite abzubauen. Das Gleiche gilt für Zuwanderer und Menschen mit Behinderung, deren Fähigkeiten noch zu oft unterschätzt werden. Jede einzelne Gruppe kann einen Beitrag dazu leisten, Fachkräfteengpässe zu lindern.

Automatisierung und Digitalisierung verändern die Arbeitswelt

Qualifikationen sind der Schlüssel am Arbeitsmarkt – nicht nur um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen; sie helfen den Beschäftigten auch dabei, sich unter veränderten Rahmenbedingungen im Zeitalter von Automatisierung und Digitalisierung zu behaupten.

Daher ist es wichtig, dass die Arbeitgeber auch einen Personenkreis in den Fokus nehmen, der höher qualifiziert ist, als man gemeinhin annimmt: die geringfügig Beschäftigten oder Minijobber. Es mag zwar gute Gründe geben, seine wöchentliche Arbeitszeit für einen bestimmten Zeitraum zu begrenzen. Mittelfristig sollten Arbeitnehmer und Unternehmen allerdings gemeinsam darauf hinwirken, aus dem Minijob mehr zu machen. Es soll niemand gezwungen werden, mehr zu arbeiten. Aber wer mehr arbeiten will, muss auch die Chance dazu bekommen.

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