Briefwechsel mit Kabinettskollegin Bauer: Kultusministerin Eisenmann will das Problem der vielen Lehrer-Abbrecher analysieren. Foto: dpa

Beileibe nicht wenige, die ein Studium fürs Grundschullehramt beginnen, unterrichten später einmal Erst- bis Viertklässler in Baden-Württemberg. Doch woran liegt das? Kultusministerin Eisenmann will gemeinsam mit Wissenschaftsministerin Bauer die Gründe herausfinden.

Stuttgart - Auf der Suche nach den Gründen für die hohe Zahl der Studienabbrecher im Grundschullehramt im Südwesten stimmt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) versöhnliche Töne an. „Mir geht es darum, das Problem gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium zu analysieren, um es lösen zu können“, betont die Kultusministerin. Dies ist auch ihre zentrale Botschaft in einem weiteren Schreiben an Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), das unserer Zeitung vorliegt.

Es sei ein gemeinsames Anliegen, die Abbrecher-Quote bei den angehenden Grundschullehrern mittel- und langfristig „deutlich zu verringern“, schreibt Eisenmann darin: „Schuldzuweisungen lagen und liegen mir in diesem Zusammenhang ausdrücklich fern.“ Weil es in Baden-Württemberg „einen eklatanten Mangel“ an Grundschullehrern gebe und das Land beachtliche Ressourcen in die Lehrerausbildung investiere, könne die Quote beide Ministerinnen nicht zufriedenstellen.

Modellrechnungen ihres Ressorts zufolge kommt knapp die Hälfte derer, die ein Lehramtsstudium für die Grundschule beginnen, nie an den Schulen an. Der überwiegende Teil dieser Personen bricht demnach das Studium an den Pädagogischen Hochschulen ab oder orientiert sich um. Der andere Teil beendet das Studium, absolviert aber kein Referendariat oder scheitert in diesem.

Bauer sieht Problem vor und während des Referendariats

Eisenmann hatte vor zwei Wochen bereits auf die hohe Abbrecher-Quote hingewiesen. Sie bat Bauer in einem ersten Schreiben, gemeinsam mit den Pädagogischen Hochschulen (PH) durch empirische Befragungen die Gründe für den Abbruch des Studiums oder den Wechsel in einen anderen Studiengang zu beleuchten. Bauer wertete dies als Vorwurf und reagierte mit einer harschen Antwort. In dieser stellt sie Studienanfänger und Absolventen der einzelnen Jahre in einer Tabelle gegenüber, ohne die Regelstudienzeit zu berücksichtigen, und kommt auf eine Absolventenquote von 78,1 Prozent.

Bauer leitet daraus ab, dass die Lehramtsbewerber „im Wesentlichen“ nach abgeschlossenem Studium in der zweiten Phase der Lehrerbildung verloren gehen. Sie meint damit das Referendariat, welches in der Verantwortung des Kultusministeriums liegt.

Eisenmann verkneift sich in ihrem neuerlichen Antwortschreiben nicht, dass sie Bauers Tabellendarstellung für „nicht plausibel“ halte. Eine Modellrechnung aus ihrem Haus für das Einstellungsjahr 2016, die auch dem Wissenschaftsministerium bekannt sei, liefere „deutlich belastbarere Erkenntnisse“. Inwieweit diese Zahlen zukunftstauglich sind, ist unklar. Denn inzwischen hat das Land die Ausbildung der Grundschullehrer auf Bachelor- und Master-Studiengänge umgestellt.

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