Marco Reus gilt gegen Schweden als heißer Kandidat für die Startformation. Foto: dpa

Nach der Pleite gegen Mexiko braucht das deutsche Team frische Impulse – durch Marco Reus. Auf dem Dortmunder mit den schmalen Schultern liegt eine große Last: Kann er die Wende bringen?

Sotschi - Die ohnehin nicht gerade breiten Schultern von Marco Reus wirkten auf den ersten Blick nicht breiter, als er kürzlich das Podium im Mannschaftshotel der Nationalelf in Sotschi betrat. Und auch die Brust, von der es ja immer heißt, sie würde von besonders selbstbewussten Spielern gerne herausgedrückt, war noch gewohnt nah am Mann.

Aus Marco Reus, dem Tempodribbler, dem Mann für die Leichtigkeit, wurde also auch an der Schwarzmeerküste kein prahlender Protz, der sich aufplustert und so seine Stärke symbolisiert. Dabei hätte er einigen Grund dazu gehabt – wenn er sich denn auf all die Expertisen und Lobeshymnen aus der Heimat, die vor dem so wichtigen zweiten Gruppenspiel gegen Schweden an diesem Samstag (20 Uhr/ARD) über ihn selbst zu hören waren, etwas eingebildet hätte. Reus aber ist ein geerdeter und eher schüchterner junger Mann, und so ließen ihn die Kommentare, die so ziemlich jeder Experte über ihn in die Welt setzte, kalt.

Alle Experten fordern Reus

Heiß liefen stattdessen die Meinungsmacher, die Gurus und die Ex-Gurus: Der Löw muss den Reus endlich bringen. Und: Löw kommt um Reus nicht mehr herum. Oder: Reus muss die Deutschen retten.

Und der hochgelobte BVB-Profi? Lehnte sich in Sotschi schüchtern nach vorne und flüsterte fast in sein Mikrofon. „Ich bekomme das auf jeden Fall mit, das ist gar nicht anders möglich“, sagte der Offensivmann. „Aber ein Einsatz liegt nicht in meiner Hand.“ Mit Julian Draxler, Mesut Özil und Thomas Müller kämpft er um die Positionen in der offensiven Dreierreihe. Und hat nach den Erkenntnissen der vergangenen Wochen beste Chancen auf den Startelfeinsatz gegen Schweden.

Denn Reus gehörte ja ohnehin schon zu den Gewinnern des Trainingslagers der deutschen Elf in Südtirol. Gegen Mexiko im ersten WM-Spiel saß er zunächst nur auf der Bank, sorgte aber nach seiner Einwechslung für Schwung. „Irgendeinen Impuls wird es schon geben“, sagt der Manager Oliver Bierhoff mit Blick auf Schweden. Einer wird aller Wahrscheinlichkeit nach Reus sein. Muss er es sogar sein?

Reus kann Chancen kreieren

Fakt ist: Reus ist ein Spieler, der etwas verkörpert und etwas auf den Platz bringt, was der DFB-Elf zuletzt fehlte: Leichtigkeit. Und das nicht nur fußballerisch, wo Reus in Höchstform mit seinen Tempodribblings ein Gewinn für jedes Team der Welt sein kann. Reus aber wirkt auch leicht, weil er im Gegensatz zu vielen Teamkollegen bei der Nationalelf keinen alten Ballast mit sich herumschleppt. Er verlor kein Pokalfinale wie die Bayern-Profis. Er stieg nicht ab, und er ließ auch keine Fotos von sich mit fragwürdigen Staatspräsidenten machen. Und Reus war im Gegensatz zu einigen Kollegen auch nicht angeschlagen oder verletzt in der Vorbereitung oder zum WM-Start. Was ja bei diesem leidgeprüften Profi, auch schon eine Positivnachricht für sich ist.

Nein, Marco Reus steht jetzt bereit. Wie er dem deutschen Team helfen kann, beschreibt er vor dem Spiel gegen Schweden so: „Zu meinen Stärken zählt es, Chancen zu kreieren, Läufe in die Tiefe zu machen und den Torabschluss zu suchen.“

Der WM-Moment des Marco Reus, er scheint gekommen. Endlich.

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