Norbert Eilts bei einem seiner „Hörzeit“-Auftritte in der Stadtteilbibliothek Stuttgart-Ost Foto: Martin Hofferbert

Die Literaturreihe „Hörzeit“ hat Jubiläum gefeiert: Zum 75. Mal gab der Schauspieler Norbert Eilts eine humorvolle Lesung in der Stadtteilbibliothek.

S-Ost - Im Oktober 2005 hat die „Hörzeit“, eine humorvolle Vorlesereihe für Erwachsene in der Stadtteilbibliothek Stuttgart-Ost, Premiere gefeiert. Inzwischen kann der Schauspieler und Vortragskünstler Norbert Eilts von „Dein Theater“, der bei der Hörzeit Lesungen mit schauspielerischen Einlagen kombiniert, auf 75 Ausgaben zurückblicken. Die nächste Lesung gibt er am 22. Oktober 2019 unter dem Motto „Donauwellen“. Wir haben mit Norbert Eilts über seine Erlebnisse bei der Hörzeit gesprochen.

Herr Eilts, wie ging es für Sie mit der „Hörzeit“ los? Wie hat die Kooperation mit dem Kulturtreff und der Stadtteilbibliothek angefangen?

Ich bin ja schon lange beim Bestell-Theater „Dein Theater“ und beim Stuttgarter Wortkino mit dabei und da ich auch im Stuttgarter Osten lebe, wollte ich mit einem Kollegen vom Kulturtreff Ost eine Lesereihe für den Stadtteil machen. 2005 habe ich dann den damaligen Leiter der Stadtteilbibliothek, Martin Hofferbert, gefragt, ob man eine solche Reihe in der Bibliothek starten könne. Und wie ich erst kürzlich erfahren habe, hat auch er zu dieser Zeit über ein ähnliches Format nachgedacht, weil er – zusätzlich zu den Lesungen für Kinder – auch etwas für Erwachsene machen wollte. Also fiel mein Vorschlag auf fruchtbaren Boden und wir fingen an zu überlegen, wie man die Reihe starten und wie sie aussehen könnte.

Und wie sah das dann aus?

Anfangs gab es sechs Hörzeit-Ausgaben pro Jahr, mit Essen und Musik in den Pausen, immer passend zum jeweiligen Thema. Aus organisatorischen Gründen haben wir das Ganze aber später auf vier Ausgaben pro Jahr verschlankt und uns ganz auf die Literatur und die Sprache konzentriert. Denn ich arbeite auch gerne mit Dialekten, gerade, wenn ein Dichter aus einer Region stammt, in der Dialekt gesprochen wird. Schließlich muss das Sprachliche auch passen. Wenn man Fontane zum Beispiel auf Schwäbisch vorträgt, versteht das kein Mensch. Auch Schiller können Sie schlecht auf Hessisch machen oder Goethe auf Norddeutsch.

Wie stellen Sie Ihr Programm denn immer zusammen und wie bereiten Sie sich vor?

Ich treffe mich jedes Jahr im Spätsommer mit den Verantwortlichen der Stadtteilbibliothek und des Kulturtreffs und dann entscheiden wir, um welche Themen es im folgenden Jahr gehen soll. Dann kümmert sich jeder um ein Thema und sucht dazu passende Texte aus. Das kombiniere ich dann manchmal mit anderen Texten oder ich bringe etwas aus dem Programm des Wortkinos mit ein. Außerdem war ich zum Beispiel letztes Jahr in Bayern, habe dort bayrisch gelernt und einen Jodelkurs belegt. Dann habe ich in der Hörzeit natürlich auch gejodelt. Ein anderes Mal habe ich Jagdhorn gelernt und dann bei einer Lesung gespielt. Manchmal muss man das Publikum ja auch überraschen.

Können Sie sich noch an die erste Hörzeit erinnern? Welches Programm gab es und wie viele Leute waren da?

Die erste Hörzeit haben wir an eine Weinprobe gekoppelt und dann wurden dreimal 20 Minuten lang Texte zum Thema Alkohol gelesen. Da kann man als Schauspieler herrliche Sachen machen. Anfangs kamen zwar nur fünf, sechs Leute, aber das hat sich immer mehr gesteigert und inzwischen haben wir einen festen Pool an etwa 80 bis 100 Leuten, die immer wieder kommen. Von diesen Menschen sind meistens etwa 30 pro Abend da. Und dann gibt es auch immer wieder mal ein paar neue Gesichter.

Was ist für Sie persönlich das Besondere an diesem Format?

Das Schönste an der Hörzeit finde ich, dass sich ein Stammpublikum etabliert hat und diese Menschen immer wieder kommen. Dadurch lernt man sich kennen, kommt ins Gespräch und begleitet sich mehr oder weniger gegenseitig durchs Leben. Und das finde ich sehr schön. Im Wortkino bin ich nach der Vorstellung weg, da mische ich mich nicht unters Publikum. Aber hier unterhält man sich und so haben sich über die Jahre auch ein paar Bekanntschaften entwickelt.

Was lesen Sie denn privat am liebsten?

Ich lese eigentlich alles gerne, auch Kurzgeschichten, wobei da oft etwas in mein Programm mit einfließt. Die schönsten Geschichten streiche ich mir dann an und verwende sie in meinen Lesungen. Romane lese ich kaum, weil ich das zeitlich einfach nicht schaffe.

Inzwischen hat die Hörzeit ja Jubiläum gefeiert, 75 Veranstaltungen gab es inzwischen schon. Hätten Sie am Anfang gedacht, dass das Format 14 Jahre lang erfolgreich ist?

Darüber habe ich mir am Anfang gar keine Gedanken gemacht. Wenn man etwas beginnt, denkt man ja auch nicht, das mache ich bis ich sterbe oder bis mir die Zähne ausfallen. Aber es hat sich hier etwas Schönes ergeben. Durch die lange Anbindung ans Publikum und die gute Zusammenarbeit mit dem Team entstehen ja noch mal ganz andere Möglichkeiten und Freiheiten, als wenn man das Ensemble dauernd wechselt. Und die Hörzeit ist wirklich eine schöne Reihe, die sich nach einer Weile gut etabliert hat.

In etwa sechs Jahren wären Sie ja rein rechnerisch bei der 100. Hörzeit-Ausgabe. Denken Sie, die wird es geben?

Das ist ja wahrscheinlich noch vor der Bahnhofseröffnung… Natürlich weiß man nie, was das Leben bringt, aber wenn nichts weiter schiefgeht, dann peile ich die 100. Ausgabe schon an.

Die Fragen stellte Caroline Friedmann.

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