Ein Haufen alter Tonbänder auf dem Boden hört sich an wie ein Waldboden, wenn man drüber läuft: Das und einiges mehr lernen die Schüler der Herbert-Hoover-Schule beim Hörspiel-Workshop mit Kristin Petri (rechts). Foto: Malte Klein

Schüler lernen bei einem Workshop die Kunstform Hörspiel kennen. Der Hörspiel-Workshop ist Teil des Landesmedien-Projektzentrums. Bei diesem Projekt geht es darum, dass die Kinder lernen, zuzuhören und Geräusche zu deuten.

Freiberg - Alles beginnt mit einer nicht fertig erzählten Geschichte von den bekannten Nachwuchsdetektiven, den Drei Fragezeichen. „Der ängstliche Bob bekommt vom coolen Justus den Auftrag, zu schauen, ob im verfallenen Schloss im Wald eine Fälscherbande ihr Unwesen treibt“, erzählt Kristin Petri. Sie ist Moderatorin beim Südwestrundfunk. 60 Schüler aus den zweiten Klassen der Herbert-Hoover-Schule hängen gebannt an ihren Lippen – doch sie bekommen nicht gleich die ganze Geschichte erzählt. Kristin Petri unterbricht in dem Moment, als Bob nachts vor dem Schloss steht, in dem Justus die Fälscherbande vermutet. Dann sind die Schüler dran. „Wir machen jetzt ein Hörspiel mit ganz gruseligen Geräuschen“, sagt Petri. Nun sind die Kinder gefragt: Die Moderatorin fragt in die Runde, wie sie Spannung erzeugen könnten. „Eine Eule muss rufen“, schlägt ein Mädchen vor. Ein Junge hätte es gerne noch dramatischer mit Blitz und Donner. „Das muss nicht nachts sein. Aber das passt“, antwortet Petri. Ein anderer Junge schlägt vor, dass Fledermäuse um das Schloss fliegen sollen, und trifft damit genau ins Schwarze. Denn die Hörspielexpertin hat genau daran gedacht. Sie holt aneinander gebundenen Gummischläuche hervor und schwenkt sie durch die Luft, so dass sie pfeifen.

Beim Hörspiel entstehen Bilder im Kopf

Doch den Kindern ist es noch nicht gruselig genug; sie wünschen sich heulende Wölfe. Petri lässt die Schüler einzeln heulen und bittet den Überzeugendsten nach vorne. Dort versammeln sich nämlich die Kinder, die das Ende von Petris Geschichte mit Geräuschen begleiten. Neben dem Wolf gibt es noch ein Mädchen, das einen Holzstab kippt, um ein Regengeräusch zu simulieren. Petri erzählt die Geschichte weiter, und gibt den Kindern ihren Einsatz, wann sie mit ihrem jeweiligen Geräusch an der Reihe sind. Ein Mädchen spielt die Rolle des Nachwuchsdetektivs Bob, dazu gehört auch, über verknäuelte Tonbänder zu laufen, die in einem Haufen auf dem Boden liegen. Als Geräusch hört sich das so an, als ob Bob über einen mit Laub bedeckten Waldboden läuft. Kristin Petri selbst beteiligt sich auch am Hörspiel; sie erzeugt das Knarren einer Tür. Zwei Jungen spielen lärmende Fälscher, die mit Flaschen auf ihren Coup anstoßen. In der Szene, in der Bob durch das alte Schloss tapst, klimpern zwei Mädchen als Fälscher mit Münzen, um die Spannung steigen zu lassen. Nach 20 Minuten hat Petri die Geschichte mit Unterstützung der Schüler zu Ende erzählt. „Im Hörspiel folgen die Kinder nur einem Impuls, nämlich dem Hören. So entstehen bei ihnen Bilder im Kopf“, sagt Petri.

Kristin Petri hat das Interesse der Schüler geweckt

Der Hörspiel-Workshop ist Teil des Projektes Ohrenspitzer des Landesmedienzentrums. Bei diesem Projekt geht es darum, dass die Kinder lernen, zuzuhören und Geräusche zu deuten, erklärt Elke Egensperger, die Klassenlehrerin der 2b. „Ich denke, dass die Schüler nach dem Workshop anders Geräusche wahrnehmen und Hörspiele hören“, sagt sie.

Das Interesse der Schüler hat Kristin Petri auf jeden Fall geweckt: Als sie am Ende Hörspiel-CDs verteilt, ist die Nachfrage bei den Kindern groß. Doch bevor sie eine CD bekommen, müssen sie eine Frage beantworten: was ist denn für sie das Schöne an Hörspielen? Ein Mädchen meldet sich und sagt: „Dass wir mitspielen können.“ Dem kleinen Till hat das auch gut gefallen. „Am tollsten fand ich das Wolfsgeheul“, sagt der Zweitklässler. Und Michael mochte den Donner. „Ich fand es schön, dass wir den selbst gemacht haben.“

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