Abenteuerlich: Eine Kletter-Schwimm-Tauch-Tour durch die Falkensteiner Höhle. Foto: Thomas Rathay

Heiß, heiß, heiß! Wer in diesen Tagen Abkühlung sucht, findet sie in der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten. Für eine Tour durch die einzige für Laien begehbare aktive Wasserhöhle in Deutschland braucht es allerdings ein bisschen Abenteuerlust.

Eine „Tour für Mutige“, tief in die Erde hinein über Felsen und durchs Wasser – das verspricht Touranbieter Cojote, und dessen Chef verspricht noch mehr: „Alle werden heil und glücklich wieder rauskommen.“ Das nimmt man Jochen Hintz, kurz Joe, sofort ab. Der langjährige Rettungsassistent von der Statur eines Bären strahlt so viel Geborgenheit aus, dass man ihm gerne sein Leben anvertraut.

 

Nach steilem Anstieg in voller Neoprenmontur steht man staunend vor dem Höhleneingang, einem Felsrund mit hohen Wänden aus Jurakalk, das förmlich einlädt zum Rasten. Es fällt nicht schwer, sich hier Höhlenmenschen hineinzudenken, wie im Roman „Rulaman“ beschrieben. Darin heißt die Falkensteiner Höhle „Hukka“, Uhu-Höhle.

Auf Höhlenmenschen trifft man selten

Noch immer leben dort Uhus, Siebenschläfer, kleine Krebse und Feuersalamander. Nur Höhlenmenschen trifft man selten. Wobei: „Einmal kam ich dreckverschmiert aus der Höhle von einem Erkundungsgang. Und dann saß da eine Steinzeitfamilie um ein Lagerfeuer“, erzählt Joe. „Ich habe ziemlich gestaunt – aber das Team von der Filmakademie Ludwigsburg, das hier gerade einen Urzeitfilm drehte, auch.“

Plötzlich geht Joe in die Hocke und watschelt gebückt davon. Demut-Schluf nennen die Höhlenführer die Stelle, an der man sich quasi verbeugen muss. Nach einigen Metern Kriechen kann man wieder stehen und betritt durchs Regentor eine andere Welt. Dieser Felsverhau heißt nicht so, weil es hier immer tropft (das tut es!), sondern weil ab hier kein Außenwelteinfluss mehr herrscht. Keine Geräusche, keine Gerüche, kein Licht mehr, stattdessen ewige Dunkelheit mit einer Lufttemperatur von zehn Grad und sieben Grad kühlem Wasser der Elsach. Anfangs nur knöcheltief, dringt es langsam in die Schuhe vor. Wenig später sind die Felswände dicht herangerückt und das Wasser reicht bis zum Bauch.

Durch brusttiefes Wasser und kathedralenhohe Räume

„Das ist der weiße Riese“, stellt der Höhlenguide vor und beleuchtet eine gut zwei Meter hohe Versinterung, leuchtend weiß und wie ein zerfließender Tropfstein. Forscher vermuten, dass die Kelten diese Formation als Heiligtum verehrten. Mal geht es im brusttiefen Wasser durch niedrige Tunnel, mal auf einem Felsabsatz durch kathedralenhohe Räume. Immer aber über Felsgestein, oft richtig große Brocken. Im Wasser sieht man die nicht, was spitze Schreie verursacht, wenn der vermeintliche Boden einen Schritt später 30 Zentimeter tiefer liegt.

Durch den Nebel, den der Atem in der wassergesättigten Luft verursacht, wirkt die Unterwelt mystisch und ein bisschen gruselig, was Joe mit der Ankündigung „Jetzt kommt der Sargdeckel“ unterstreicht. Auf Tuchfühlung mit dem Fels windet man sich durch einen schmalen Gang, den eine riesige Steinplatte abdeckt. Danach öffnet sich die Höhle, und das Atmen fällt gleich leichter.

Im Goldgräberstollen

An der nächsten Station wird es sauigelig. „Hochklettern“ heißt die Ansage für den Goldgräberstollen. Zäher Lehm kaschiert diesen Geröllberg mit kurioser Geschichte: Es sind die Hinterlassenschaften eines Goldrausches, den laut der Grabenstettener Chronik ein Streich ausgelöst hat: Anfang des 18. Jahrhunderts brachte jemand Goldstaub in die Elsach ein und lockte so wagemutige Glücksritter in die Falkensteiner Höhle. Als die enttäuschten Goldgräber wieder verschwunden waren, kamen die Forscher, die bis heute in der Höhle aktiv sind.

Nun rücken Decke und Boden immer weiter zusammen: Der erste Siphon naht – Endstation für die meisten Besucher, denn hier steht einem das Wasser bis zum Hals. Voraus verengt sich die ganze Sache auf einen Schlitz, der etwa 60 Zentimeter hoch und bis auf einen schmalen Spalt oben mit Wasser gefüllt ist. Um zur anderen Seite zu kommen, wo eine kleine Felsenhalle mit Tropfsteinen wartet, muss man hier durch. Egal wie. Gängig ist, „Luft anhalten, Gesicht im Wasser und auf dem Bauch schwimmend am Seil durchziehen. Sobald ihr den Knoten spürt, Kopf hoch und atmen“, weist Höhlenführerin Conny an und macht es vor. Tröstlich: Nun markiert ihre Lampe ein Licht am Ende des Tunnels.

Ziel der Tour – die Reutlinger Halle

Als die Gruppe komplett aufgetaucht ist, fragende Gesichter. Wo soll es hier weitergehen in dieser Schutthalde aus monstergroßen Quadern? Conny verschwindet in einem Felsschlitz. Also hinterher, den Felsen umarmen, hochziehen, drehen und schon ist man in einer Art Steintunnel, natürlich wassergefüllt und auch hier kein Warmbadetag.

Dann endlich, 500 Meter tief im Bauch der Alb und weit weg von Zivilisation, Zeit und Welt: die Reutlinger Halle, Ziel der Tour. Hier fällt die Notfalltonne auf. Die installierte die Arge Grabenstetten nach dem Unfall vor einigen Jahren, als eine Gruppe vom Wasser eingeschlossen wurde und hier auf Rettung wartete.

Auf dem Weg hinaus sieht alles ganz anders aus, man erkennt selbst markante Stellen nicht wieder. Die Fledermäuse sind ausgeflogen, dafür wuselt ein Siebenschläfer aufgeregt herum. Am Regentörle hört man Wasser plätschern, riecht Grün, spürt warme Luft und sieht Helligkeit. Keinen Himmel, nur grünen Wald, aber Tageslicht – das ist Glück pur.

Reise

Die Falkensteiner Höhle darf nur im Rahmen einer geführten Tour durch zertifizierte, zugelassene Veranstalter betreten werden, und zwar ausschließlich von 1. April bis zum 30. September. Im Winterhalbjahr ist die Höhle zum Schutz der Fledermäuse gesperrt.

Eine große Tourenauswahl hat Cojote mit Sitz in Bad Urach, Tel. 0 71 25 / 3 09 52 22, www.cojote-outdoor.de Außerdem gibt es Outdoor Experience, www.outdoor-experience.net und das TeamX, www.falkensteiner-höhle.de


Bad Urach Tourismus, www.badurach-tourismus.de Gemeinde Grabenstetten, www.grabenstetten.de Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Arge Grabenstetten, www.arge-grabenstetten.de