Hockey Der HTC schafft den Durchmarsch

Von Dominik Ignée 

Oh, wie ist das schön! Die HTC-Spieler feiern den Aufstieg. Foto: Baumann
Oh, wie ist das schön! Die HTC-Spieler feiern den Aufstieg. Foto: Baumann

Beim HTC Stuttgarter Kickers gibt es endlich mal wieder etwas zu feiern – die Hockey-Mannschaft steigt auf in die Hallen-Bundesliga – nach nur einer Saison in der zweiten Liga.

Stuttgart - Als das Spiel vorbei war, flogen nur noch Wasserflaschen und Hockeyschläger durch die Halle. Teile der fast 400 Zuschauer sprangen aufs Spielfeld und den Spielern des HTC Stuttgarter Kickers um den Hals. Mittendrin im ausgelassenen Treiben stand das HTC-Größe Harald Brandenstein. Er konnte sich kaum erinnern, wann es mal zuletzt solch eine Party auf der Hohen Eiche gegeben hatte. Und er nahm sich vor dem entscheidenden Spiel gegen den Dürkheimer HC seinen Sohn Joss Brandenstein, der sozusagen in zweiter Generation bei den Kickers spielt, zur Brust. „Ich habe ihm gesagt, dass ich heute feiern will“, sprach also der Herr Papa – und der Sohn und seine Kollegen, sie hielten Wort.

Mit 10:4 wurde Dürkheim mal eben aus der Halle geballert. Mit diesem Sieg machten die Kickers im drittletzten Saisonspiel den Aufstieg in die Hallen-Bundesliga perfekt – als Aufsteiger! Dieser fabelhafte Durchmarsch von der Regionalliga in die höchste Spielklasse war es auch, der den Samstag auf der Hohen Eiche so einzigartig machte und endlich mal wieder an gute alte Zeiten erinnerte. Schon vergessen? In der Feldrunde 2005 gewann der HTC die Deutsche Meisterschaft – und im Folgejahr sogar den Europapokal der Landesmeister.

So jung – und so gut

In der aktuellen Feldrunde sind die Stuttgarter zweitklassig – und in der Halle seit Samstag wieder im Oberhaus vertreten. „Das Team hat so gut gespielt, obwohl es noch so jungt ist – das macht richtig Spaß“, sagte Brandestein senior, der zu aktiven Zeiten 26 mal für die Nationalmannschaft auf dem Platz stand. Thorben Wegener, der Trainer, ist dagegen eher nicht bekannt für überbordende Emotionen. „Wir waren kein typischer Aufsteiger, denn wir waren das konstanteste Team“, sagte der Mann, der sich lieber in die sachliche Analyse begibt, als den Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Dieser Erfolg, er hat sehr wohl mit dem zurückhaltend wirkenden Coach zu tun. Wegener tüftelt gerne im Verborgenen, laut zu sein auf öffentlicher Bühne ist nicht sein Ding. „Das Thorben etwas aus der Mannschaft machen kann, das hat er bewiesen, ich habe höchsten Respekt vor ihm“, sagte Teammanager Albert-Hugo Stinnes und lobte den Coach. Die Mischung aus erfahrenen Leuten und jungen quirligen, sie macht es aus bei den Kickers. Dagegen präsentierten sich die Dürkheimer am Samstag eher steif und ungelenk.

Die Feldrunde ist etwas ganz anderes

Die Halle ist nicht die Feldrunde – auch das ist zu berücksichtigen. Die Mannschaft werde jetzt zweifelsfrei einen „Schub“ mitnehmen für die Rückrunde der Feldsaison, so Wegener, doch sind die beiden Kategorien nicht miteinander vergleichbar. In der Südgruppe der zweiten Bundesliga beträgt der Rückstand der Kickers zur Tabellenspitze bereits 14 Punkte, mit anderen Worten: sie müssten schon alles gewinnen, um an die erste Liga zu denken. „Der Aufstieg in die Feldrunde ist unrealistisch, aber wir wollen so schnell wie möglich den Abstieg ad acta legen“, sagt Trainer Wegener und bleibt auf dem Boden der Tasachen. Seine Mannschaft tritt auch im Feld mit hohem Offensivgeist an, doch körperlich sieht der Coach noch Defizite. „Uns fehlt es da an Masse“, gibt Wegener zu – doch irgendwann würde der HTC auch im Feld den Aufstieg „probieren“.

Dazu benötigen die Stuttgarter wohl noch Verstärkungen. Wegener, der sich noch nicht am Ende seines Weges wähnt, will aber zunächst robuste Burschen aus dem Nachwuchsbereich in die erste Mannschaft integrieren. Harald Brandenstein, der mal HTC-Präsident war, glaubt derweil, dass durch den Aufstieg der Standort Hohe Eiche für andere Spieler wieder attraktiv ist.

Anton Boomes, der Tormaschine der Kickers (drei Treffer gegen Dürkheim), war der Blick in die ferne Zukunft am Samstag indes völlig egal – er dachte kurzfristiger: „Wir reißen jetzt erstmal das Clubhaus ab.“

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