Die FDP und der CDU-Bürgermeister von Hockenheim wollen die Formel 1 nach Baden-Württemberg zurückholen. Formel-1-Experte Christian Danner begrüßt die Pläne – hegt aber Zweifel.
Es war der amtierende Formel-1-Vizeweltmeister Max Verstappen, der 2019 beim letzten „Großen Preis von Deutschland“ auf der geschichtsträchtigen Rennstrecke am Hockenheimring in Baden-Württemberg jubeln durfte. Ein Jahr später war auch auf dem Nürburgring in der Eifel Schluss. Seitdem dreht die Formel 1 abseits von Deutschland ihre Runden.
Geht es nach dem Willen der FDP und Hockenheims OB Marcus Zeitler (CDU), soll sich dies bald ändern und die Formel 1 an den Hockenheimring zurückkehren. „Im Landtagswahlprogramm der FDP setzen wir uns offiziell für die Formel 1-Rückkehr nach Hockenheim und Baden-Württemberg ein. Das ist sportlich und wirtschaftlich von großer Bedeutung“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais Ende November.
Aktuell keine Förderung durch das Land
OB Zeitler unterstützte die Pläne: „Der Hockenheimring ist seit den 1950er-Jahren ein fester Bestandteil der Geschichte der Formel 1 und eine der traditionsreichsten Rennstrecken Europas.“ Viele legendäre Rennen hätten das internationale Image Hockenheims geprägt und „Baden-Württemberg als bedeutende Motorsportregion weltweit bekannt gemacht.“
Dabei hatte die aktuelle grün-schwarze Landesregierung einer Formel-1-Rückkehr an den Hockenheimring erst jüngst faktisch eine Absage erteilt. Das Wirtschaftsministerium hatte eine Förderung mit der Begründung abgelehnt, dass die Hockenheim-Ring GmbH zu 75 Prozent privaten Investoren gehöre. Somit rückt automatisch die Landtagswahl im März 2026 in den Blick, deren Ausgang auch die Haltung des Landes zu Rennsport-Fördermitteln verändern könnte.
Dass es ohne staatliche Mittel kaum zu stemmen ist, ein Formel-1-Event in Deutschland auf die Beine zu stellen, da sind sich Experten weitestgehend einig. Auch Christian Danner, ehemaliger Formel-1-Rennfahrer und Formel-1-Kommentator bei RTL, sieht ohne den Willen aus der Politik kaum Chancen darauf, Verstappen und Co. erneut auf dem Hockenheimring begrüßen zu dürfen. Dabei macht der Ex-Rennfahrer keinen Hehl daraus, dass ihm wenig mehr Freude bereiten würde.
„Ich lasse keine Gelegenheit aus, Stefano Domenicali (Formel-1-CEO, Anm. d. Red.) zu fragen: Was ist mit dem Grand Prix für Deutschland?“, sagt Danner. Den Vorstoß der FDP und Hockenheims OB fasst er zwar „außerordentlich positiv“ auf. Er wolle aber ganz realistisch sein. „Die Kosten, die sich da ansammeln, sind kernig.“
Mehr als 30 Millionen Euro Startgebühren
„Alleine die Antrittsgebühren würden bei 30 bis 35 Millionen Euro liegen“, rechnet Danner vor – und das sei noch ein Rabatt, weil auch Domenicali die Rückkehr des Formel-1-Grand-Prix’ nach Deutschland gefallen würde. Gleichzeitig sei die Rennstrecke in Hockenheim nicht mehr „State of the Art“. Die Strecke habe zwar nach wie vor eine FIA-Zulassung, dennoch seien „substanzielle Investitionen“ zu leisten, bevor hier an eine Rückkehr der Rennsport-Königsklasse zu denken sei. All das zu stemmen, ist in seinen Augen nur über die Politik möglich.
Dabei ist er überzeugt, dass so ein Event sich am Ende für die Region auszahlen würde. „Der Umsatzzuwachs rund um so eine Veranstaltung wäre brutal“, sagt Danner. Die Vergangenheit habe aber gezeigt, dass sich die Politik „anders als beim Fußball für den Rennsport nicht zuständig“ fühle.
Erfolge in sozialen Medien
Unterdessen hat die FDP schon den nächsten Schritt veranlasst, für ihre Formel-1-Pläne zu werben. Mehr als eine halbe Million Menschen hätten das F1-Video auf Instagram und TikTok gesehen, 60.000 Nutzer hätten in den sozialen Medien ihr Zustimmungs-Herzchen für das ambitionierte Vorhaben gesetzt.
„Auf Wunsch von zahlreichen Menschen haben wir nun auch eine Online-Petition gestartet, damit sich alle Unterstützer umfangreicher mit unseren Vorschlägen für eine durchdachte und strukturierte Rückholung der Formel 1 nach Baden-Württemberg auseinandersetzen können und ihre Unterstützung ebenso durch die persönliche Online-Unterschrift kenntlich machen können“, sagt der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Jung dazu.
Auch wenn die Herzen von Motorsport-Freunden beim Gedanken an Formel-1-Rennen am Hockenheimring höherschlagen, sieht es aktuellen Umfragen zufolge nicht danach aus, dass nach der Landtagswahl eine politische Mehrheit dafür zu finden ist. Laut Infratest dimap liegen die Freien Demokraten aktuell bei fünf Prozent und müssen um den Einzug ins Parlament zittern. Und selbst wenn es gelänge: Nach einer denkbaren Regierungsmehrheit mit der CDU, mit der das Unterfangen vielleicht noch am ehesten zu verwirklichen wäre, sieht es momentan ebenfalls überhaupt nicht aus. Rennsportexperte Christian Danner: „Ab nächstem Jahr wird die Formel 1 klimaneutral.“ Er hat aber große Zweifel daran, ob das die ökosozialen Parteien beeindruckt.